Caroline Hess, geb. Meyer

Veröffentlicht: 17. April 1012 von kenodebelts in Biografien


CAROLINE HESS, geb. MEYER
geboren am 10. September 1885 in Neunkirchen/Saar

Straße: Julianenburger Straße 3 (heute 31)
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Auschwitz-Birkenau
Caroline Hess (genannt „Lina“) wurde am 10. September 1885 in Neunkirchen/Saar geboren. Sie war das zweite von drei Kindern von Liebermann Meyer (auch: Meier) (geboren 05.07.1853, gestorben 23.10.1930) und Johanna Meyer, geb. Moos (geboren 05.10.1845, gestorben 10.01.1915). Beide Eltern stammten aus Neunkirchen. Carolines Vater, Liebermann Meyer, war als Handelsmann tätig. Caroline hatte einen älteren Bruder, Adolf (geboren 23.05.1883), und einen jüngeren Bruder, Albert (geb. 31.07.1888). Über den weiteren Lebensweg der Brüder von Caroline war, von Eheschließungen abgesehen (Adolf: 19.11.1920; Albert: 14.11.1923) nichts in Erfahrung zu bringen. Es bleibt zu hoffen, dass sie mit ihren Familien rechtzeitig immigrieren konnten: Im Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer des Nationalsozialismus sind sie nicht verzeichnet. Im Haus der Familie in der Heizengasse Nr. 29 lebte zudem bis zu ihrem Tod die unverheiratete Schwester des Vaters, Rosa Meyer (geboren 22.12.1845, gestorben 01.04.1927).


Caroline heiratet am 11.08.1922 in Neunkirchen den Schlachter/Viehhändler David Hess (geboren 06.10.1876 in Papenburg). Nach der Eheschließung zieht Caroline zu ihrem Ehemann nach Bunde, wo sie am 01.01.1924 ihre Tochter Hertha Johanna zur Welt bringt. Fünf Jahre später bekommt das Paar zudem einen Sohn, Max (geboren 09.01.1929). Infolge von Boykotten, Repressalien und zunehmender Entrechtung wird die wirtschaftliche Lage der Juden in Bunde immer schwieriger: Bereits im Laufe des Jahres 1933 verlassen viele jüdische Einwohner den Ort, um andernorts Arbeit zu finden oder bei Verwandten unterzukommen. Im Juni 1934 meldet sich auch die Familie Hess aus Bunde ab und zieht nach Aurich. Hier leben bereits ein Bruder Davids, Joseph Hess, sowie seine Schwester Friederike, die mit dem Lehrer Moritz Lachmann verheiratet ist.

In Aurich zieht die Familie mehrfach um, was von den bestehenden Schwierigkeiten zeugt: So ist die Familie zuerst in der Wallstr. 56 gemeldet (ab 25.06.1934), zieht dann zehn Monate später in die Von-Jhering-Str. 27 (ab 07.08.1935), um 23.05.1938 für immerhin fast drei Jahre im Haus Wallstr. Nr. 2 zu wohnen. Die letzte Station des Aufenthalts in Aurich ist das Haus Julianenburger Str. 3, vor dem auch die Stolpersteine verlegt wurden. Zu Beginn scheint Carolines Ehemann, David, noch eine Anstellung in Aurich gehabt zu haben, denn er wird im Meldebuch als Schlachter/Viehhändler aufgeführt. In den Listen der jüdischen Einwohner Aurichs von 1939 wird David Hess jedoch als „ohne Beruf“ – also ohne Anstellung – bezeichnet.

In der schwierigen Lage verlässt zuerst die inzwischen fünfzehnjährige Tochter Hertha am 14.07.1939 die Familie und zieht nach Hannover in die Brabeckstr. 86, wo sich die jüdische Minna-James-Heineman-Stiftung befindet. Hier lebt sie bis 1941. Doch Caroline muss auch ihr zweites Kind, Max, zunächst andernorts unterbringen, da die Familie Aurich „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ 1940 verlassen muss. Um die Familien bei der Suche nach einer neuen Unterkunft zu entlasten, hat die jüdische Gemeinde dafür gesorgt, dass Kinder unter vierzehn Jahren vorübergehend in zwei Kinderheimen in Köln bzw. in Hildesheim wohnen können. Max, der gerade erst zwölf Jahre alt geworden ist, zieht daher für vermutlich zwei Jahre nach Hildesheim in das neugegründete Kinderheim „Am Lappenberg“.

Caroline und David verlassen Aurich am 22.02.1940 und ziehen nach Berlin in die Rosenstr. 2-4, wo sich ein „jüdisches Jugendheim“ befand. Ihr Sohn Max kehrt wohl erst im Februar 1942 zu den Eltern zurück, als das Kinderheim in Hildesheim geschlossen wird. Die Tochter Hertha lebt seit 27.11.1941 auch in Berlin, ihre Adresse ist jedoch leider nicht bekannt.

Caroline, ihr Mann David und der Sohn Max werden am 21.08.1942 gemeinsam von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie dann jedoch in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht werden. In Theresienstadt verliert Caroline ihren Ehemann: David Hess wird am 23.07.1943 ein Opfer der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto. Die Tochter Carolines, Hertha, war bereits am 21.02.1943 in Auschwitz ermordet worden – hierüber hat Caroline wohl aber keine Gewissheit.

Am 16.05.1944 besteigen Caroline und ihr Sohn Max einen Zug, der sie gemeinsam mit 2491 weiteren Menschen nach Auschwitz-Birkenau bringt. Der Transport trifft am 17.05. dort ein, von Caroline und Max fehlt jedoch jede weitere Nachricht. Möglicherweise gehörten sie zu den Menschen, die direkt vom Zug aus in die Gaskammern geführt wurden. Von den rund 2500 Menschen, die mit ihrem Zug nach Auschwitz-Birkenau gebracht werden, überleben lediglich 34. Caroline und Max gehören nicht dazu.

Recherche: Sandra Weferling (Stand: 22.03.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Opfergruppe: Juden
Quellen: StaatsarchiStaatsarchiv Aurich: Meldekartei; Meldebuch ab 1933 (Anmeldung Familie Hess eingetragen am 27.06.1934); Dep. 34 E, Nr. 143; Dep. 16/1, Nr. 4412; Rep. 248. Nr. 948; Dep. 34 C, Nr. 195 Blatt 285 (Anfrage aus Saarbrücken zur Deportation der Familie Hess, 1951)

Telefonische Auskunft des Archivs in Neunkirchen/Saar vom 23.02.2012 Auskunft der Stadt Hannover vom 27.01.2012 (E-Mail)

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http://www.holocaust.cz

Literatur: Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch Bd. 79 (2007), S. 219-232;

http://www.alemannia-judaica.de/bunde_synagoge.htm

http://www.heineman-stiftung.org

http://www.ghetto-theresienstadt.de

Patenschaft: Esther Spierer
Verlegetermin: 22. März 2012

 

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