David Hess

Veröffentlicht: 17. April 1012 von kenodebelts in Biografien

DAVID HESS
geboren am 6. Oktober 1876 in Papenburg

Straße: Julianenburger Straße 3 (heute 31)
Todesdatum: 23. Juli 1943
Todesort: Theresienstadt
David Hess stammte aus Papenburg, wo er am 06. Oktober 1876 geboren wurde. Er war der Sohn von Moses Jakob Hess und Bertha Hess, geb. Rosenbaum, die sich in Bunde niederließen. Zu den Geschwistern Davids gehörten unter anderem Friederike Hess, die Moritz Lachmann heiratete und mit diesem gemeinsam 1942 in Lodz ermordet wurde, der Schlachter Jacob Moses Hess, der mit seiner Frau Frieda, geborene Oljenick, am 21. September 1942 in Treblinka ermordet wurde, sowie der Kaufmann Joseph Hess, dem im März 1939 mit seiner Frau Rosel, geborene Rothschild, und der Tochter Inge Else die Flucht nach Buenos Aires gelang.David Hess ist von Beruf Viehhändler bzw. Schlachter. Am 11.08.1922 heiratet er in Neunkirchen/Saar Caroline Meyer (geboren 10.09.1885). Das Paar zieht nach der Eheschließung nach Bunde und bekommt zwei Kinder: Davids Tochter, Hertha Johanna, kommt am 01. Januar 1924 zur Welt. Fünf Jahre später, am 29. Januar 1929, wird der Sohn Max geboren. Vermutlich, da nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Situation in Bunde immer schwieriger wird und die jüdischen Einwohner immer stärker unter Boykottaktionen und Repressalien leiden, zieht die Familie wie viele andere aus Bunde fort, um in einer anderen Stadt Arbeit oder Unterstützung durch Verwandte zu finden. David Hess hat scheinbar eine Anstellung in Aurich erhalten und meldet sich und seine Familie am 27. Juni 1934 dort an. Die Familie zieht in das Haus Wallstraße 56. In Aurich leben zudem zwei Geschwister Davids, nämlich der Kaufmann Joseph Hess, der am Markt Nr. 15 lebt, sowie seine Schwester Friederike Lachmann, die mit dem Lehrer Moritz Lachmann verheiratet ist. Die Situation in Aurich scheint für die Familie dennoch nicht leicht gewesen zu sein, wovon die zahlreichen Umzüge der Familie künden: Schon dreizehn Monate nach ihrer Ankunft in Aurich ziehen David und seine Familie in die Von-Jhering-Straße 27 und von dort wiederum in die Wallstraße 2. Am 09. Dezember 1938 kommen die Hess´ wie mehrere andere jüdische Familien schließlich in der Julianenburger Straße 3 unter. Das Haus gehört der Witwe Rosa Wolff und ihrem Sohn Leo. Dies ist letzte Adresse der Familie in Aurich, bevor sie aus der Stadt vertrieben wird. Spätestens im Herbst 1939 hat David Hess seine Anstellung verloren – auf der Liste der jüdischen Einwohner der Stadt wird er als „ohne Beruf“, also arbeitslos, geführt. In der schwierigen Lage verlässt zunächst die Tochter, Hertha Johanna, die Familie. Sie wird bereits am 14. Juli 1939 nach Hannover geschickt, wo sie im Haus der Minna-James-Heineman-Stiftung untergebracht wird. Als David und Caroline Anfang des Jahres 1940 die Aufforderung erhalten, Aurich „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ zu verlassen, wird auch der Sohn Max von seinen Eltern getrennt: Um den Familien die Umsiedlung zu erleichtern, hat die jüdische Gemeinde die Möglichkeit eingerichtet, Kinder unter vierzehn Jahren übergangsweise in zwei jüdische Kinderheime in Köln bzw. Hildesheim zu schicken. Als David und Caroline Hess sich am 22. Februar 1944 nach Berlin abmelden, zieht Max daher nach Hildesheim in das Kinderheim „Am Lappenberg“. Es dauert wohl rund anderthalb Jahre, bis die Familie wieder vereint ist. Hertha Johanna kommt am 27.11.1941 nach Berlin und zieht möglicherweise zu den Eltern in die Rosenstraße 2-4. Spätestens im Frühjahr 1942 kehrt auch Max zu seinen Eltern zurück.Die Familie wird jedoch schon bald erneut getrennt: Am 21. August 1942 werden David, seine Frau Caroline und sein Sohn Max von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie in unterschiedlichen Gebäuden wohnen müssen. Hertha Johanna bleibt noch einige Monate in Berlin, bevor sie am 03. Februar 1943 direkt nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort keine drei Wochen später ermordet wird. Ob David vom Schicksal seiner Tochter erfuhr, bleibt ungewiss. Nur wenige Monate nach seiner Tochter stirbt auch David Hess. Infolge der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto erliegt er am 23. Juli 1943 einer Darmentzündung. Insgesamt kamen wohl rund 33400 Menschen durch Unterernährung, Mangelversorgung und damit einhergehenden Erkrankungen in Theresienstadt zu Tode. Auch die beiden verbliebenen Familienmitglieder, Caroline und Max, werden ermordet: Das letzte Lebenszeichen der Ehefrau und des Sohnes von David Hess ist deren Besteigen eines Transportes nach Auschwitz-Birkenau am 16. Mai 1944.  
Recherche: Sandra Weferling (Stand: 22.03.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Meldebuch ab 1933 (Anmeldung Familie Hess am 27.06.1934); Dep. 34 E, Nr. 143; Dep. 16/1, Nr. 4412; Rep. 248. Nr. 948; Rep. 107, Nr. 1264 (Wiedergutmachungsanträge von Joseph Hess und Selma Brandon, der einzigen überlebenden Tochter von Jakob Moses Hess) Auskunft der Stadt Hannover vom 27.01.2012 (E-Mail)http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.htmlhttp://www.heineman-stiftung.orghttp://www.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.19292

Literatur: Reyer, Herbert: Die Vertreibung der Juden aus Ostfriesland und Oldenburg im Frühjahr 1940, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, hrsg. v. Hajo van Lengen, Aurich 1995, S. 363-390. Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch Bd. 79 (2007), S. 219-232.http://www.alemannia-judaica.de/bunde_synagoge.htm http://www.ghetto-theresienstadt.de
Patenschaft: Esther Spierer
Verlegetermin: 22. März 2012
Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.