Max Hess

Veröffentlicht: 17. April 1012 von kenodebelts in Biografien

Max HESS
geboren am 9. Januar 1929 in Bunde

Straße: Julianenburger Straße 3 (heute 31)
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Auschwitz-Birkenau
Max Hess wurde am 09. Januar 1929 in Bunde geboren. Er war der Sohn von David Hess (geboren 06.10.1876, ermordet 23.07.1943) und Caroline Hess, geb. Meyer (geboren 10.09.1885 in Neunkirchen/Saar, ermordet 1944). Er hatte eine fünf Jahre ältere Schwester, Hertha Johanna (geboren 01.01.1924, ermordet 21.02.1943).Max verbrachte seine frühe Kindheit in Bunde, wo sein Vater als Schlachter bzw. Viehhändler tätig war. Vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen verließ die Familie jedoch wie viele andere jüdische Familien Bunde und siedelte am 25. Juni 1934 nach Aurich über, wo bereits zwei Geschwister von David Hess, Max´ Vater, lebten: Der Kaufmann Joseph Hess und Friederike Lachmann, die mit dem jüdischen Lehrer Moritz Hess verheiratet war.

Zu Beginn des Aufenthalts in Aurich scheint Max´ Vater noch eine Anstellung als Schlachter/Viehhändler gehabt zu haben, mit der Zeit wurde die Lage der Familie jedoch immer schwieriger. Davon zeugen nicht zuletzt die häufigen Umzüge der Familie in Aurich: So wohnte Max zunächst in der Wallstraße 56, dann in der Von-Jhering-Straße 27, anschließend in der Wallstraße 2 und letztlich im Haus in der Julianenburger Straße 3, das der jüdischen Familie Wolff gehörte und in dem noch mehrere andere jüdische Familien unter gekommen waren.

Im Juli 1939 verlässt zunächst Max´ Schwester Hertha Johanna das Elternhaus und zieht nach Hannover, wo sie im Haus der jüdischen Minna-James-Heineman-Stiftung lebt. Max und seine Eltern gehören zu den letzten in Aurich verbliebenen Juden, die im Frühjahr 1940 die Aufforderung erhalten, die Stadt aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ zu verlassen.

Um Familien mit Kindern zu entlasten, organisiert die jüdische Gemeinde die Unterbringung von Kindern unter vierzehn Jahren in zwei jüdischen Kinderheimen in Köln bzw. Hildesheim. Max, der im Frühjahr 1940 gerade erst zwölf Jahre alt geworden ist, kommt daher in das Kinderheim „Am Lappenberg“ in Hildesheim, wo auch das Foto aufgenommen wurde. Am gleichen Tag, dem 22. Februar 1940, melden sich auch seine Eltern aus Aurich ab und ziehen nach Berlin um. Wann Max zu seinen Eltern zurückkehrt, bleibt unklar. Das Kinderheim wird im Frühjahr 1942 geschlossen und die meisten Kinder werden zu diesem Zeitpunkt zu ihren Eltern zurück geschickt, um dann gemeinsam mit ihnen deportiert zu werden. Von den Kindern, die mit Max im Kinderheim „Am Lappenberg“ wohnen, überleben wohl nur zwei, die Brüder Erich und Walter Pfeffer. Auch Max kehrt zu seinen Eltern zurück und lebt bis zum August 1942 in Berlin.

Am 21. August 1942 wird er gemeinsam mit seinen Eltern und 97 weiteren Menschen mit dem Transport I/49 von Berlin aus ins Ghetto nach Theresienstadt verbracht, wo er rund zwei Jahre lang lebt. Er ist jedoch getrennt von seinen Eltern untergebracht und lebt im Gebäude L414, einem Kinderheim für Jungen. Seine Eltern müssen in gesonderten Frauen- bzw. Männerhäusern wohnen. Im Ghetto stirbt Max´ Vater, David, am 23. Juli 1943. Zehn Monate später, am 16. Mai 1944, wird Max gemeinsam mit seiner Mutter nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Mit dem Besteigen des Zuges verliert sich seine Spur. In den Totenbüchern des Vernichtungslagers ist Max´ Name nicht verzeichnet – anders als der seiner Schwester: Hertha Johanna Hess war von der Familie getrennt und von Berlin aus direkt nach Auschwitz gebracht worden. Sie starb noch vor ihrem Vater, am 21. Februar 1943. Max gehörte, wie seine Mutter, möglicherweise zu jenen Menschen, die direkt bei der Ankunft des Transportes in die Gaskammern geführt wurden, sodass ihre Namen gar nicht mehr verzeichnet wurden. Max´ Zug aus Theresienstadt traf am 17. Mai 1944 in Auschwitz-Birkenau ein.

Recherche: Sandra Weferling (Stand: 22.03.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Opfergruppe: Juden
Quellen: StaatsarchiStaatsarchiv Aurich: Meldekartei; Meldebuch ab 1933 (Anmeldung Familie Hess am 27.06.1934); Dep. 34 E, Nr. 143; Dep. 16/1, Nr. 4412http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.htmlhttp://www.holocaust.cz/de/document/DOCUMENT.ITI.19292 (Totenschein von David Hess)
Literatur: Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch Bd. 79 (2007), S. 219-232.Reyer, Herbert: Die Vertreibung der Juden aus Ostfriesland und Oldenburg im Frühjahr 1940, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, hrsg. v. Hajo van Lengen, Aurich 1995, S. 363-390.http://www.alemannia-judaica.de/bunde_synagoge.htmhttp://www.ghetto-theresienstadt.de
Patenschaft: Kinderhaus Flientje, Cammenga GmbH
Verlegetermin: 22. März 2012
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