Hedwig Hiller

Veröffentlicht: 26. Juni 1012 von Lennart in Biografien

Hedwig HillerHedwig HILLER
geboren am 5. Oktober 1901 in Neustadt (Rheinpfalz)

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 14
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz am 23. Januar 1943
Todesort: Auschwitz
Hedwig Hiller wurde am 5. Oktober 1901 in Neustadt/Rheinpfalz (heute: Neustadt an der Weinstraße) geboren. Ihre Eltern waren Isaak Hiller und Isabella Hiller, geb. Mayer. Sie wohnten zunächst in Mußbach und zogen dann von 1998-1901 nach Neustadt in die Moltkestraße 3, wo sie eine Branntweinhandlung betrieben. Hedwig hatte zwei Schwestern.Wo Hedwig Hiller die ersten 25 Jahre ihres Lebens verbracht hat, lässt sich nicht klären. Sie ist nur vom 13.10.1926 bis zum 1.04.1927 bei ihren Eltern gemeldet. Danach zieht sie nach Berlin-Niederschönhausen in die Moltkestraße (heute: Wilhelm Wolff Straße), wahrscheinlich in das dort seit 1903 bestehende „Fürsorgeheim für hilflose jüdische Kinder e.V.“. Von dort zieht sie nach Idstein/Taunus.In Idstein/Taunus wohnt Hedwig Hiller in der „Heilerziehungsanstalt Kalmenhof zu Idstein im Taunus“. Diese Einrichtung wurde 1888 von christlichen und jüdischen Frankfurter Bürgern als pädagogische Anstalt für Jungen und Mädchen mit Behinderungen gegründet. Ziel dieser Reformpädagogischen Einrichtung war es, geistig behinderten Menschen in der damals noch relativ ländlichen Gemeinde Idstein eine Unterbringung zu ermöglichen, die ihnen zuträglicher sein würde als die Großstadt Frankfurt. Zugleich sollten sie dort auch die Möglichkeit haben, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und damit zu ihrem Unterhalt einen Beitrag zu leisten. In der Nazizeit existierte hier eine eigene Kinderabteilung, in der von 1941-1945 Hunderte von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der „Euthanasie“-Verbrechen ermordet wurden.

Die bekannten Lebensdaten von Hedwig Hiller lassen vermuten, dass sie eine Behinderung gehabt haben könnte. Sie könnte allerdings auch als Hausgehilfin in den genannten Einrichtungen tätig gewesen sein, denn dieser Beruf wird auf ihrer Meldekarte in Aurich vermerkt. In Neustadt an der Weinstraße ist sie dagegen 1926 „ohne Gewerbe“ gemeldet.

Hedwig Hiller zieht am 15.03.1931 vom Kalmenhof in Idstein/Taunus nach Aurich und wohnt bei der Familie von Benjamin „Bendix“ und Hannchen Wolff in der Leerer Landstraße 14. Frau Hannchen Wolffs betrieb eine kleine Pension für jüdische Kinder, für die sie in der „Jüdischen Rundschau“ annoncierte.
Vermutlich hat Frau Wolffs für Hedwig gesorgt, denn es fällt auf, dass Hedwig die weiteren Stationen (Umzug innerhalb Aurichs, Berlin, Theresienstadt) gemeinsam mit dem Ehepaar Wolffs geht und auch bei ihnen wohnt.

Am 15.04.1939 zieht Hedwig Hiller mit dem Ehepaar Wolffs in die Fockenbollwerkstraße 7 um. Noch im Februar 1940 findet sich Hedwig Hiller unter den wenigen letzten jüdischen Bürgern, die zu diesem Zeitpunkt noch in Aurich leben. Sie erhält „aus sicherheitspolizeilichen Gründen die Auflage“ ihren Wohnsitz „aus der Stadt Aurich zu verlegen und sich nach einem Ort außerhalb Aurichs zu begeben.“ Am 29.02.1940 muss sie Aurich verlassen und zieht – wieder gemeinsam mit dem Ehepaar Wolffs – nach Berlin in die Lützowstraße 97 III.

Am 28.10.1942 wird Hedwig Hiller – erneut mit den Wolffs – von Berlin aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert (im Jahr 1942 wurden 33.505 Deportierte nach Theresienstadt gezählt). Nach über einem Jahr in dem Ghetto wird sie am 23.01.1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. 

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer (12.06.2012)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Insa Würdemann
Verlegetermin: 12. Juni 2012
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