Edith Kaiser, geb. Samson

Veröffentlicht: 27. November 1012 von westermayer in Biografien

Edith SamsonEdith KAISER, geb. SAMSON
geboren am 30. März 1914

 

 

 

Straße: Rudolph-Eucken-Allee 4
Todesdatum: überlebt
Edith Samson wurde am 30. März 1914 in Aurich geboren. Sie ist das vierte Kind von insgesamt fünf Geschwistern der Eltern Simon und Goldine geborene Wallheimer.

Ediths Vater ist Viehhändler. Hinter dem Haus sind Stallungen und Weiden für das Vieh, das er aufkaufte und wieder verkaufte.

Edith hat zwei ältere Brüder, Jonni und Benni, eine ältere Schwester Johanna, und zuletzt die jüngere Lotte. Jonni ist Verkäufer in einem auricher Textilhaus. Er wandert am 7.02.1939 mit Rosi, seiner Frau, über Bremen nach Kalifornien aus.

Edith verläßt Aurich am 10.11.1935 verzieht nach Enschede. Am 3.07.1936 meldet sie sich wieder in Hannover und am 5.10.1938 flüchtet sie nach Amsterdam.

Ihr Bruder Benni flüchtet darauf am 18.10.1938 nach Nieuw Amsterdam, eine Moorkolonistensiedlung südlich von Emmen. Bennis spätere Frau Resi Cohen, welche die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt, ist schon 1937 mit ihrer Familie dorthin verzogen. Ihre Eltern folgen am 25.01.1939.

In dieser Moorkolonie, an der Straße Zijtak Westseite Nr. 26, ist die ganze Familie, mit Ausnahme von Lotte und Johanne, durch die Hilfe eines Nachbarn vom Dommerkanaal – Hielke Bos, untergekommen.

Am 3. Oktober 1942 ist es soweit. Die Deutschen durchkämmen die Häuser und stehen an der Haustür. Edith öffnet, „wer ist dies“? fragen sie. Die anderen „oh das ist unser Nachbarmädchen“. Edith sieht nicht wie eine Jüdin aus. Sie wird beiseitegeschoben.

Ihr Bruder Benni, der sich hinten im Garten aufhält und das Unheil vorne gewahr wird, kann seine Eltern noch warnen und auffordern das vorbereitete Versteck aufzusuchen. Die beiden Alten wollen es jedoch nicht mehr. Die Mutter Goldine wird mit Vater Simon nach Westerbork gebracht. Edith sieht sie nie wieder. Sie werden deportiert, zuerst nach Westerbork, dann nach Theresienstadt, wo ihr Vater am 19.12.1943 stirbt. Ihre Mutter wird am 23.10.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und sofort bei Ankunft ermordet. Ihre anderen Schwestern, Johanna und Lotte werden jeweils mit ihren Kindern und Ehemännern in Belgien und den Niederlanden aufgegriffen und überleben auf gleiche Weise nicht.

Ihre Schwägerin Resi versteckt sich mit Benni im Hühnerstall des Hauses. Abends machen die beiden sich im dichten Nebel nach Klazienaveen auf, zu ihrem für diesen Fall angedachten Versteck beim Bauern Seulmann.

Edith wird später von Hielke Bos in einer Ferkelkiste nach Amsterdam geschmuggelt, wo sie mit ihrem Mann Siegfried in den Untergrund abtaucht.
Mit ihrem Mann Siegfried emigriert sie als Displaced persons im November 1947 nach San Francisco, wo ihr Bruder Jonni seit 1939 schon ansässig ist. Ihr Mann baut einen koscheren Schlachterladen auf, den er mit Edith 15 Jahre betreibt.

Der Sohn Jack, ein späterer Anwalt für Immigrationsrecht, wird geboren.

Dann kaufen sie einen Kaffeeladen, wo sie wiederum beide ungefähr 10 Jahre arbeiten. Es folgten mehrere chemische Reinigungsgeschäfte, wo sie zusammen arbeiteten. Mit der Rente ziehen sie nach Tiburon, einem nördlichen Vorort.

Siegfried stirbt 1979. Edith heiratet nicht wieder und lebt glücklich und zufrieden bis zu ihrem Tod am 2. April 1990.
1989 schickt sie Johannes Diekhoff eine Sammlung selbst gesungener Couplets und westjiddische Sprechstücke aus dem jüdischen Kleinkunsttheater. In diesem spielt sie, wie ihr Vater Simon, in genretypischen Stücken Rollen über Brautwerbung, unpassende Schwiegersöhne, jüdische Sitten und Gebräuche. Die Linguistin Gertrud Reershemius hat über die Auricher Mauschelsprache – „Zur Rekonstruktion westjiddischer Sprachreste“ ein weithin beachtetes Werk verfasst.

Hier kann man Edith Kaiser Samson in Westjiddisch hören: Eine jüdische Hausfrau ist mit Sabbatvorbereitungen beschäftigt und wartet auf ihren Mann Itzig der irgendwann verspätet nach Hause kommt. Es soll ein Zwiegespräch sein, ihr Mann antwortet jedoch nur einwortsilbig. Ein Beispiel der jüdischen Lebensweise in Aurich, welche sich aber eigentlich gegenüber der nichtjüdischen wenig unterscheidet.

 

Recherche: Jörg Peter (Stand: 26.04.2013)

Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer

Fotos:

 

 

 

 

 

 

 

– Edith Samson, links mit Violine mit ihrer Kusine Irma Schanzer
später Fasenfest +28. 3. 2013,  an der Seite des  Elternhauses
Rudolf-Eucken-Allee 4
– Edith Samson und David Levy 1929 in Aurich als Akteure in einem
Zwiegespräch in Mauschelsprache: Eine Aufführung zum 125-
jährigen Bestehen des jüdischen Frauenvereins.
– Edith Kaiser geb. Samson mit Ehemann Siegfried
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; 360; 107, 2618

Digitaal Monument Joodse Gemeenschap in Nederland; Interview Johannes Diekhoff mit Resi Samson ON 3. 11. 1981; Handapparat Johannes Diekhoff im Staatsarchiv Aurich

Literatur:
Patenschaft: Mareka Hillerns
Verlegetermin: 12. Juni 2012

Edith Samson und David Levy 1929

edith Kaiser Samson Irma Fasenfest Haus Rud_Euck_Allee_BW

 

 

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