Dodo Cohen

Veröffentlicht: 27. November 1012 von westermayer in Biografien

Dodo COHEN
geboren am 10. November 1922 in Aurich

Straße: Breiter Weg 1
Todesdatum: 20. April 1943
Todesort: Auschwitz-Monowitz
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Dodo Cohen ist das zweite Kind der Familie Abraham und Auguste Cohen. Dodo hat noch einen älteren Bruder – Max.

Die Familie Cohen wohnt am Breiten Weg 1. Sein Vater Abraham betreibt mit den Brüdern Wallheimer, das sind Levy und Wilhelm, Viehhandel und Schlachterei. 1935 müssen Wallheimers das Haus verkaufen. Cohens ziehen nach Kirchdorf zu Karl Wallheimer an der Kreuzstraße. Sein Bruder macht derweil eine Lehre bei einem Maler in Mannheim.

Dodo geht 1938, nachdem es für ihn in Aurich keine schulische Perspektive mehr gibt, in ein landwirtschaftliches Lehrgut, Groß Breesen, Kreis Trebnitz in Niederschlesien. Dieses Lehrgut, eines von vielen in dieser Zeit und es begreift sich ausdrücklich als nichtzionistisch, bereitet junge jüdische Menschen beruflich auf die Emigration vor. Es werden landwirtschaftliche aber auch subsistenzielle handwerkliche Berufsfelder gelehrt. Geleitet wird dieses Gut von Curt Bondy, einem sehr ambitionierten und charismatischen Pionier der damaligen Lebenskunde- und Reformpädagogikbewegung. Ein Jahr später kommt sein Freund Bernie Wallheimer hinzu, nachdem ihm Dodo begeistert vom schönen Leben dort geschrieben hat.

Die meisten Schüler, besonders die der ersten Bewohner-Generation, haben begüterte akademische Eltern, welche die Auswanderung ihrer Kinder organisieren – und bezahlen können. Für Dodo besteht diese Möglichkeit kaum. Mit Kriegsbeginn zerschlagen sich diese Hoffnungen. Die Zeit in Groß Breesen soll trotzdem der einzige Lichtblick in diesen Jahren gewesen sein, so Berni. Beide arbeiten die meiste Zeit im Stall und sind sehr zufrieden, während die städtische Jugend, der körperlichen Arbeit ungewohnt, sich schwertut. Es werden sogar Schweine gezüchtet und verkauft.

In der Reichspogromnacht wird das Lehrgut überfallen, Schüler und Lehrer nach Buchenwald verschleppt. Mit der Erklärung und Verpflichtung zur sofortigen Emigration wird fast die gesamte Gruppe nach sechs Wochen entlassen.

Anfang Mai 1941 ist es vorbei. Die Gestapo verkleinert das Lehrgut, wandelt es in ein reines Arbeitslager um. Berni kommt nach Neuendorf bei Fürstenwalde. Im April 1943 löst die Gestapo es ganz auf. Dodo hat noch Briefkontakt zu seinen Eltern in Berlin und zu Max, welcher seit September 1941 in Kamp Hay in Australien als feindlicher Ausländer einsitzt.

Dodo wird zusammen mit anderen nach Breslau transportiert. Mit dem Transport vom 4.03.43 kommt er nach Auschwitz. Die Lehrgut Jungen gelten durch Empfehlung der Gestapo als besonders arbeitsfähig und kommen deshalb gleich direkt nach Buna-Monowitz, einem Nebenlager und Industriekomplex der IG-Farben nahe bei Auschwitz. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart. Bei Kranksein erfolgt in der Regel die sofortige Überstellung nach Birkenau. Wer nicht gleich zu Anfang in ein leichteres Kommando kommen kann, bleibt beim Kabelkommando. Dessen Bedingungen sind nicht zu überleben. Dodo erkrankt und stirbt schon bald am 28.04.43 im Krankenbau des Lagers.

Recherche: Jörg Peter (Stand: 3.08.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto: Dodo Cohen, Kennkarte Januar 1939
Dodo Cohen in Groß Breesen, ca. 1941
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; Meldeblätter; Kennkarten; Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Simone und Dirk Brehmer
Verlegetermin: 12. Juni 2012

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