Simon Joseph Samson

Veröffentlicht: 4. Dezember 1012 von westermayer in Biografien

Simon SamsonSimon Joseph SAMSON
geboren am 5. Dezember 1877 in Wittmund

Straße: Rudolph-Eucken-Alle 4
Todesdatum: 19. Dezember 1942
Todesort: Theresienstadt
 Simon Joseph Samson.......

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Simon Samson ist das erste Kind von insgesamt vieren der Eltern Joseph (Joseph Marcus van Elkan, genannt Samson) und Johanna (Hendel Stein Hanchen) geborene Blitz. Am 12.11.79 wird die Schwester Jeanette, am 24. 2. 1881 Regina und am 6. 3. 85 Abraham in Aurich geboren. Simon Samson ist Viehhändler. Hinter dem Haus sind Stallungen und Weiden für das Vieh, das er aufkauft und wieder verkauft. Er heiratet Goldine aus der Familie Wallheimer, die ihren Familiensitz am Breiten Weg 1 hat. Im Ersten Weltkrieg ist Simon Frontkämpfer. Das Paar bekommt fünf Kinder: Benni, Jonni, Johanna, Edith und Lotte. Die Verfolgungsgesetze der Nazis ruinieren die wirtschaftliche Basis der Samsons, so dass sie Ende 1938 ihr Haus verkaufen müssen. Jonni wandert am 7. 2. 39 mit seiner Frau Rosi über Bremen nach Kalifornien aus. Zuvor flüchtet Simon Samson mit Ehefrau Goldine zu ihren anderen Kindern nach Nieuw Amsterdam, eine Moorkolonistensiedlung südlich von Emmen. Sein Sohn Benni ist bereits am 18. 10. 38 dorthin vorausgegangen. In dieser Moorkolonie, an der Straße Zijtak Westseite Nr. 26, ist die ganze Familie, mit Ausnahme von Lotte und Johanne, durch die Hilfe eines Nachbarn vom Dommerkanaal – Hielke Bos untergekommen. Eines Tages im Herbst 1942 ist es soweit. Die Deutschen durchkämmen die Häuser und stehen eines Morgens an der Haustür. Edith öffnet, „Wer ist dies?“ fragen sie. „Oh das ist unser Nachbarmädchen“. Edith sieht nicht wie eine Jüdin aus. Sie wird beiseitegeschoben. Später schmuggelt Hielke Bos Edith in einer Ferkelkiste nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Mann Siegfried in den Untergrund abtaucht.Benni, der sich hinten im Garten aufhält und das Unheil von vorne gewahr wird, kann Simon noch warnen und auffordern das vorbereitete Versteck aufzusuchen. Die beiden Alten wollen es jedoch nicht mehr.

Simon wird mit seiner Frau Goldine nach Westerbork gebracht. Von dort schreibt Simon am 27.10.42 noch einen Brief an seine Tochter Edith nach Amsterdam.

Am 21.04.43 werden Simon und Goldine Samson nach Theresienstadt deportiert. Simon stirbt dort am 19.12.43. Von seinen Kindern überleben nur Benni, Edith und Jonni. Die anderen Töchter mit ihren Kindern und Ehemännern werden in Belgien und den Niederlanden aufgegriffen und überleben nicht. Goldine wird am 23.10.44 weiter nach Auschwitz deportiert und sofort bei Ankunft ermordet.

Simon ist wie viele andere in einer ländlichen Kleinstadt dieser Zeit, ein observanter aber gebildeter Jude, der die Wochen-, Jahres- und Speiserituale streng beachtet und auch dafür sorgt, dass dies in seiner Familie weitergegeben wird. Es zeigt sich in Inhalt und Stil o. g. Briefes. Er ist erstaunlich frei von gängigen Orthographiefehlern, vermengt jedoch mit vielen jiddischen Substantiven. Inhaltlich sind es religiöse, philosophische Fragen über das Volk Israel, seinen gegenwärtiger Leidensweg und die Schilderung des erlösenden Anstimmens des Gut Schabbos und des Schma Jisroel in der Westerborker Gemeinschaft. Zu Themen des eigentlichen verzweifelten Daseins dürfen die Gefangenen nicht schreiben. Sind sie doch Zeugen der regelmäßig wöchentlich stattfindenden Deportationen nach Orten im Osten, von denen sie noch nie etwas gehört haben, und von denen nie eine Nachricht zurückkam.

In Aurich ist Simon Samson in der Agudas – Israel-Ortsgruppe, eine religiöse Vereinigung zur Erziehung der Jugend in strenggläubigem Sinne, Wiederbelebung des Judentums in gläubigem Sinne; Aufbauarbeit in Palästina in gläubigem Sinne (=Ablehnung des säkularen Zionismus).

Recherche: Jörg Peter (Stand: 19.09.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto: Geburtsurkunde Simon Samson
Simon Samson
Goldine und Simon Joseph Samson
Haus Rudolph-Eucken-Allee 4
Brief Simon Samsons aus Westerbork
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; 360; 107, 2618Digitaal Monument Joodse Gemeenschap in Nederland; Niederschrift der Erinnerungen der Resi Samson Cohen von Marietje Seulmann.
Literatur:
Patenschaft: Frauke und Hans-Heinrich Seger
Verlegetermin: 12. Juni 2012

Simon%20und%20Goldine%20Samson%20geb_%20Wallheimer[1]

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