Benjamin Samson

Veröffentlicht: 11. Dezember 1012 von Lennart in Biografien

Benjamin SamsonBenjamin „Bendit“ SAMSON
geboren am 6. Dezember 1860 in Aurich

 

 

 

Straße: Zingelstraße 3
Todesdatum: 20. April 1943
Todesort: Treblinka
Samson, Bendit, geb. 06.12.1860 in Aurich

 

 

 

 

 

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Bendit Samson wurde am 06. Dezember 1860 in Aurich geboren. Er war das zweite von sechs Kindern des Schlachters Joseph Hartog Samson und dessen Ehefrau Esther, geborene Wolff. Seine Geschwister sind Raantje (oder Regina, geboren 18.04.1859), Herz (geboren 10.04.1863), Röschen (geboren 23.07.1864), Ruben (geboren 21.03.1868) und Abraham (geboren 15.09.1870). Raantje, die nie heiratete, verstirbt bereits am 12. Februar 1927. Alle übrigen Geschwister werden wie auch Bendit ein Opfer des Holocausts.Joseph Hartog Samson, Bendits Vater, ist Schlachter und Viehhändler in Aurich. Die Familie ist zunächst in der Wallstraße 60 ansässig, später in der Marktstraße 16. Bendit erlernt den Beruf seines Vaters und gründet mit seinen Brüdern, die ebenfalls Schlachter und Viehhändler werden, 1896 eine eigene Firma: „Benjamin Samson und Co.“ Das Unternehmen der Gebrüder Samson, das am 17. Juni 1899 in den Besitz von Ruben und Abraham Samson übergeht, ist sehr erfolgreich und gehört in der Folgezeit unter dem Namen „Ruben Samson und Co.“ zu den größten Schlachtereibetrieben der Region. Erst 1938 endet die Geschichte der Firma, die nun zwangsaufgelöst werden muss; die Handelserlaubnis war den Gebrüdern Samson zu diesem Zeitpunkt bereits entzogen worden.

Allen vier Brüdern gehört gemeinschaftlich das große „Gut Coldehörn“ in Sandhorst. Ab 1926 übernimmt Abraham, der jüngste der Brüder, gegen die Zahlung eines Nießbrauchs an Bendit, Ruben und Herz das Gut. Bendit, inzwischen sechsundsechzig Jahre alt, zieht sich vermutlich zu diesem Zeitpunkt aus dem Geschäft zurück und lebt fortan als „Rentier“ in seinem Haus in der Zingelstraße 3. Seine ältere Schwester Raantje bzw. Regina, die ebenso wie Bendit nie geheiratet hat, wohnt bis zu ihrem Tod 1927 bei ihm. 1935, kurz nach dem Tod seiner Ehefrau, ziehen sein jüngerer Bruder Herz und 1937 schließlich auch Ruben in die Zingelstraße 3. Gesine Peters ist als Untermieterin im Haus angemeldet – sie führt den Haushalt der drei Brüder bis zum 08. März 1940, dem Tag, als auch Herz und Ruben Samson Aurich verlassen. Bendit hatte sich bereits vier Tage zuvor aus Aurich abgemeldet. Alle drei Brüder gehen gezwungener Maßen aus Ostfriesland fort, das „aus militärischen und staatspolizeilichen Gründen“ „judenfrei“ werden sollte. Sie ziehen nach Dortmund, wo ihr Bruder Abraham Samson bereits mit seiner Frau lebt: Abrahams Tochter Emmi hatte Siegfried Stern aus Dortmund geheiratet. Bendit meldet sich wie seine Brüder um in die Museumsstr. 5. Unklar bleibt, ob er durchgängig unter dieser Adresse in Dortmund lebt.

Am 29. Juli 1942 wird Bendit gemeinsam mit seinen drei Brüdern nach Theresienstadt deportiert. Sein Aufenthalt im Ghetto ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn bereits rund zwei Monate später, am 26. September, wird er gemeinsam mit 1997 anderen Menschen nach Treblinka verbracht. Hier verliert sich seine Spur. Für Bendits Transport „BR“ nach Treblinka sind jedoch keine Überlebenden gemeldet. Auch die Brüder Bendits, Ruben und Herz, wurden nach Treblinka deportiert, und zwar bereits drei Tage vor Bendit. Auch sie gelten als verschollen und wurden wie Bendit nach dem Krieg für tot erklärt.

In den 1950er Jahren bemühten sich die überlebenden Enkelkinder Ruben Samsons, Sonja, Marga und Hans, z.T. erfolgreich um eine Wiedergutmachung bzw. die Entschädigung für das ihrer Familie angetane Unrecht.

Recherche: Sandra Weferling (Stand: 12.06.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:  Kennkarte Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekartei; Kennkarten XXX; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 248d, Nr. 945; Rep. 107, Nr. 2843; Rep. 107, Nr. 2698; Rep. 251, Nr. 718; Rep. 251, Nr. 717; Rep. 107, Nr. 2843; Rep. 121, Nr. 849; Dep. 34 C, 143; Adressbuch für die Stadt und den Kreis Aurich 1926; Adressbuch der Stadt Aurich 1897; Adressbuch für Ostfriesland 1880/1881.
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http://www.holocaust.cz
Literatur: Teubner, Werner: Jüdische Viehhändler in Ostfriesland und im nördlichen Emsland 1871-1942. Eine vergleichende Studie zu einer jüdischen Berufsgruppe in zwei wirtschaftlich und konfessionell unterschiedlichen Regionen, Cloppenburg 1995;
Reyer, Herbert: Die Vertreibung der Juden aus Ostfriesland und Oldenburg im Frühjahr 1940, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, hrsg. v. Hajo van Lengen, Aurich 1995, S. 363-390 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 74).
www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/treblinka.index.html
Patenschaft: Sigrid Krause
Verlegetermin: 12. Juni 2012
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