David Isaak Wolff

Veröffentlicht: 11. Dezember 1012 von Leon in Biografien

David Isaak Wolff 1David Isaak WOLFF
geboren am 13. Mai 1889 in Aurich

 

 


Regina Wolff
Regina WOLFF, geb. GUMBERT
geboren am 21. Februar 1891 in Ahaus

 

 

 

Kurt David WolffKurt David WOLFF
geboren am 14. August 1921 in Aurich

 

 

 

Straße: Ostertorplatz 14
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 16.01.1943)
Todesort: Auschwitz
David Isaak Wolff wurde am 13. Mai 1889 in Aurich geboren. Am 18 Mai 1920 heiratete er die zwei Jahre jüngere Regina Gumpert (* 21. Februar 1891 in Ahaus) und zog mit ihr nach Aurich. Das einzige Kind Kurt David Wolff wurde am 14. August 1921 dort geboren.
Im Jahre 1920 gründete er mit seinen Brüdern Jakob und Sigfried die Textilmanufaktur David Wolff und Gebrüder am Ostertorplatz 14. Der Ostertorplatz war zu dieser Zeit eine der besten Stadtlagen in Aurich.
David Wolff war ein sehr geselliger Mensch so nahm er im Januar 1929 zum Beispiel an einer Theateraufführung anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Israeltischen Frauenvereins Aurich teil. Das Theaterstück wurde in der „Mauschelsprache“ aufgeführt. Die Bezeichnung ist abgeleitet von Mausche= Moses das heißt sprechen wie Moses.
In dieser Zeit entwickelten sich auch Spielkontakte zwischen jüdischen und nichtjüdischen Nachbarskindern. Sie zogen zusammen am Martiniabend (10. November) mit Laternen (Kipp-Kapp-Kögels) oder Masken (Scherbellenskoppen) von Haus zu Haus.
Doch mit der Machtübernahme wurden die Juden zunehmen recht- und wehrlos. In allen Städten und Orten setzte am 1.April um Punkt 10 Uhr die Boykottbewegung gegen die jüdischen Geschäfte mit voller Wucht ein. SS- und SA-Leute stellten sich mit Schildern vor den jüdischen Geschäften auf und zeigten mit Schildern, die Inschriften wie „Kauft nicht bei Juden“ trugen, ihre Abscheu gegen die Juden.
Am frühen Morgen des  10. Novembers 1938 in der sogenannten „Reichspogromnacht“ wurde die Familie Wolff gewaltsam aus ihrem Haus vertrieben. Einer der SA-Männer schoss vom Bürgersteig aus in die Scheibe des ersten Stockwerkes und das Schaufenster wurde mit einem Balken zertrümmert. Das Lager wurde verwüstet und das Lager teilweise ausgeraubt.Die Familie wurde wie alle anderen Juden auch an der brennenden Synagoge vorbei zur Landwirtschaftlichen Halle geführt. Dort angekommen wurden Frauen, Kinder und einige Gebrechliche nach Hause entlassen. Alle anderen wurden in der Halle festgehalten und von den SA-Männern schikaniert.Sie mussten zum Beispiel Bockspringen oder Drittenabschlag ausführen, dabei wurden sie mit Tritten und Schlägen angetrieben. Einige der Männer wurden blutig geschlagen und sie bekamen weder Essen noch Trinken. 40-50 arbeitsfähige Männer wurden ausgewählt und zum Ellernfeld geführt. Dort mussten sie Gräben ausheben, Rohre tragen und Sand karren. Da auf dem Ellernfeld große Berge Sand aufgeschüttet wurden, dachten viele Juden, dass sie erschossen werden. Etwa gegen 16 Uhr wurden die Juden zurück zur Landwirtschaftlichen Halle geführt. Es war ein Fernspruch der Gestapoleitstelle Wilhelmshaven eingegangen mit der Anweisung alle männlichen Juden bis zu 60 Jahren in Schutzhaft zu nehmen.Nach dem die Juden in Schutzhaft genommen wurden, hat man sie ins Gefängnis gebracht. Am Morgen des 11. Novembers bekamen sie eine Ration Brot und ein Stück Wurst, die viele natürlich nicht aßen, da sie nicht wussten ob die Wurst koscher war. Abends bekamen sie eine Suppe mit kleinen Stücken Schweinefleisch drin, die wieder einige der Juden nicht essen wollten.Am nächsten Tag wurden sie mit Bussen zuerst nach Westerstede,  wo sie sich einige Kleider kaufen durften, und dann weiter nach Oldenburg gefahren. Dort wurden alle Juden der Region in eine große Halle getrieben von der aus sie zum Bahnhof laufen mussten. Im Konzentrationslager Sachsenhausen angekommen wurde von den Juden verlangt Laufschritt zu machen und sich dann auf dem Appellplatz zu versammeln.  Dort hat die SS die Juden 24 Stunden stehen gelassen, sie durften sich nicht einmal bewegen.

Die Brüder blieben wahrscheinlich bin Silvester 1938 dort, jeden Morgen mussten sie arbeiten, schwere körperliche Arbeit.
Nachts mussten sie auf Stroh in großen Baracken schlafen, im November. Nach 6 Wochen Lagergefangenschaft durften die Juden wieder nach Hause zu ihren Familien. Doch in Aurich war nichts mehr wie es war, die Synagoge war abgebrannt und die Gottesdienste fanden in privaten Häusern statt. Es gab weder Gebetsbücher noch eine Thora-Rolle. Wer die Möglichkeit hatte, hat Aurich nach den Geschehnissen  der Reichskristallnacht verlassen.

David, Jakob und Sigfried Wolff gründeten ca. 1920 die Textilmanufaktur David Wolff und Gebrüder am Ostertorplatz 14. Das Haus kauften sie 1919 für 45.000 RM wobei man aber nicht sagen kann, dass das Haus auch so viel Wert war, da im Jahre 1919 die Inflation begann und das Geld einen hohen Wertverlust erlitt. Das Geschäftshaus in der unteren Etage hatte eine Grundfläche von ca.  100m², die Wohnung im Obergeschoss hatte ca. 60m² Wohnfläche. Das Textilhaus lag in einer Straße mit der besten Stadtlage und die Brüder waren häufig auf Märkten mit einem Stand vertreten. Irgendwann im Laufe der Jahre stieg Siegfried Wolff aus der Firma aus. Im Jahre 1938 beauftragten die Gebrüder David und Jakob Wolff einen Auktionator mit dem Verkauf des Hauses. Der Grund des angeblich freiwilligen Verkaufes war die Finanzierung einer Auswanderung ins Ausland.
Daraufhin meldeten sich einige Interessenten, die allerdings erst von der Industrie- und Handelskammer überprüft werden musste, ob sie dazu berechtigt sind ein Manufakturwaren- und Fertigkleidungsgeschäft zu leiten.

In der Reichsprogromnacht wurde das Geschäft zerstört und geplündert. Das Warenlager hatte zu der Zeit einen Wert von 40.000RM, das Wohn-und Geschäftshaus hatte einen Wert von 60.000RM. Die Nationalsozialisten brachten die Waren aus dem Lager in ein Zwischenlager im Brems Garten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die beiden Brüder im Konzentrationslager Sachsenhausen und konnten den Verbleib der Waren und Möbel nicht überwachen.

Am 20. Dezember 1938 wurde das Haus an einen Kaufmann aus Haren für 32.000RM verkauft.

Nach Kriegsende wurde in einem Antrag auf Rückerstattung von Vermögen über das Erbe von David und Jakob Wolff verhandelt. Der Bevollmächtigte für das Verfahren war Dr.jur. Anklam, ehemaliger Bürgermeister von Aurich. Antragsteller war der Bruder Abraham Wolff der vor dem Krieg nach Argentinien flüchtet. Durch das Wiedergutmachungsverfahren, wurde das Erbe der Brüder gerecht auf beide Familien aufgeteilt.

David Wolff flüchtete mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind am 16. Januar 1939 nach Henglo, Niederlande. Dort wohnte sie wahrscheinlich mit Frida Sommerfeld-Gumpert, der Schwester von Regina, und ihrem Mann, in einem Haus in der Elezenstraat 23.

Jakob Wolff zog mit seiner Frau und den Kindern zu Verwanden nach Bremen.Sie wohnten dort zusammen mit Irma Heidemann, geb. Löwenstein und ihrem Mann Außer der Schleifmühle 77 in Bremen.

Die Familie David Wolff wurde am 5. Oktober 1942 nach Westerbork interniert. Westerbork war ein sogenanntes „KZ Sammellager“. Von hier aus wurden die Juden in die Konzentrationslager deportiert. Die Deportation der Familie Wolff nach Ausschwitz erfolgte am 16. Januar 1943. David Wolff und seine Frau Regina, wurden bei ihrer Ankunft am 19.2.1943 sofort vergast. Kurt David arbeitet noch einige Monate im Lager und starb am 30. November 1943.

Die Familie Jakob Wolff wurde von Bremen aus über Hamburg nach Minsk, Weißrussland deportiert und dort vergast. Das Todesdatum ist unbekannt.

Recherche: Nicole Campen/Inka Siebels (Stand: 12.06.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Dr. Klaus Schwalbach (für David Isaak Wolff)
Prof. Heinz Antholz (für Regina Wolff, geb. Gumpert)
Kadelke für FOT BBSII (für Kurt David Wolff)
Verlegetermin: 12. Juni 2012
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