Herz Samson

Veröffentlicht: 11. Dezember 1012 von Lennart in Biografien

Herz SamsonHerz SAMSON
geboren am 10. April 1963 in Aurich

 

 

 

Straße: Zingelstraße 3
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Theresienstadt 29.07.1942)
Todesort: Treblinka
Samson, Herz, geb. 10.04.1863 in Aurich

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Herz Samson war das dritte von sechs Kindern des Viehhändlers und Schlachters Joseph Hartog Samson und dessen Ehefrau Esther, einer Tochter von Benjamin Wolff. Seine Geschwister sind Raantje (oder Regina, geboren 18.04.1859), Bendit (geboren 06.12.1860), Röschen (geboren 23.07.1864), Ruben (geboren 21.03.1868) und Abraham (geboren 15.09.1870). Raantje, die nie heiratete, verstirbt bereits am 12. Februar 1927. Alle übrigen Geschwister werden wie auch Herz ein Opfer des Holocausts.Herz tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird wie dieser Schlachter und Viehhändler. 1896 gründet er gemeinsam mit seinen Brüdern die Firma „Benjamin Samson und Co.“, die sehr erfolgreich ist und ab 1899 von Ruben geführt wird. Herz betreibt seine eigene Schlachterei in der Rudolf-Eucken-Allee 1, wo er auch mit seiner Ehefrau wohnt. Das große „Gut Coldehörn“ in Sandhorst gehört den Gebrüdern gemeinschaftlich. 1926 übernimmt Abraham, der jüngste Bruder, das Gut und zahlt für die Nutzung des Anwesens jährlich je 1200 Reichsmark an Herz, Ruben und Bendit. Wie lange Herz als Schlachter arbeitet, ist unklar – 1933 ist er 60 Jahre alt, doch scheint er auch in den folgenden Jahren noch berufstätig gewesen zu sein.

Herz ist mit Ida Schloss (geboren 08.05.1870) aus Auerbach in Unterfranken verheiratet. Die Ehe bleibt kinderlos. Im Haushalt wird Ida bis 1933 von Hausmädchen unterstützt, danach hatte das Ehepaar offensichtlich Schwierigkeiten, eine Haushaltshilfe zu finden, denn Juden durften ab 1935 nicht länger nichtjüdische Haushaltshilfen unter 45 Jahren einstellen. In Folge des Boykotts jüdischer Geschäfte dürften die Eheleute zudem im Laufe der Jahre immer geringere finanzielle Möglichkeiten gehabt haben, auch wenn die Samsons sicher zu den wohlhabenderen Familien zählten.

Am 23. April 1935 verstirbt Herz´ Ehefrau Ida in Aurich im Alter von 65 Jahren. Herz wohnt noch rund vier Monate im gemeinsamen Haus, zieht dann jedoch um zu seinem älteren Bruder Bendit, der in der Zingelstraße 3 lebt. Zwei Jahre später zieht noch ein dritter, ebenfalls verwitweter Bruder in diesem Haus ein: Ruben. Bis zu ihrer Abmeldung aus Aurich 1940 leben alle drei gemeinsam in dem Haus. Der Haushalt wird von dem Hausmädchen Gesine Peters geführt.

Als die jüdischen Einwohner Aurichs im Frühjahr 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland zu verlassen, ziehen auch Herz, Ruben und Bendit aus Aurich fort: Herz verlässt die Stadt am 08. März 1940 gemeinsam mit seinem Bruder Ruben, Bendit hatte sich bereits vier Tage zuvor aus Aurich abgemeldet. Die drei Brüder ziehen in Dortmund in die Museumsstraße 5 und leben fortan in die Nähe ihres jüngsten Bruders Abraham, der sich mit seiner Frau bereits in Dortmund niedergelassen hatte, vermutlich, weil ihre Tochter Emmi nach ihrer Heirat dorthin verzogen ist. Ob die drei Brüder in Dortmund durchgängig zusammen wohnen, bleibt unklar. Abraham lebt mit seiner Ehefrau Hedwig, geborene Goldschmidt, in der Saarlandstraße 71, rund zwei Kilometer entfernt von der neuen Adresse von Herz, Ruben und Bendit.

Am 29. Juli 1942 wird Herz gemeinsam mit seinen Brüdern Bendit, Ruben und Abraham sowie Abrahams Frau Hedwig nach Theresienstadt deportiert. Keine zwei Monate später, am 23. September 1942, werden Herz und sein Bruder Ruben in das Vernichtungslager Treblinka gebracht, in dem von Juli 1942 bis August 1943 rund 900 000 Menschen ermordet wurden. Auch Herz, Ruben und, nur wenige Tage später, Bendit Samson, werden hier getötet. Abraham Samson und dessen Ehefrau Hedwig werden am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Sie werden nach dem Krieg für tot erklärt.

Nach dem Krieg bemühten sich die überlebenden Enkelkinder Ruben Samsons, Sonja, Marga und Hans, z.T. erfolgreich um eine Wiedergutmachung bzw. die Entschädigung für das ihrer Familie angetane Unrecht.

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Recherche: Sandra Weferling (Stand: 12.06.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekartei; Kennkarten XXX; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 248d, Nr. 945; Rep. 107, Nr. 2843; Rep. 107, Nr. 2698; Rep. 251, Nr. 717; Rep. 251, Nr. 718; Rep. 107, Nr. 2843; Rep. 121, Nr. 849; Adressbuch für die Stadt und den Kreis Aurich 1926.
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http://www.holocaust.cz
Literatur: Teubner, Werner: Jüdische Viehhändler in Ostfriesland und im nördlichen Emsland 1871-1942. Eine vergleichende Studie zu einer jüdischen Berufsgruppe in zwei wirtschaftlich und konfessionell unterschiedlichen Regionen, Cloppenburg 1995;Reyer, Herbert: Die Vertreibung der Juden aus Ostfriesland und Oldenburg im Frühjahr 1940, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, hrsg. v. Hajo van Lengen, Aurich 1995, S. 363-390 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 74).

www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/treblinka.index.html

Patenschaft: Heinz-Werner Windhorst
Verlegetermin: 12. Juni 2012
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