Max Cohen

Veröffentlicht: 11. Dezember 1012 von Leon in Biografien

Max CohenMax COHEN
geboren am 7. November 1920

 

 

 

Straße: Breiter Weg 1
Todesdatum: überlebt
 Max Cohen Max Cohen ist das erste Kind der Familie Abraham und Auguste Cohen. Er hat noch einen jüngeren Bruder – Dodo.

Die Familie Cohen wohnt am Breiten Weg 1. Sein Vater Abraham betreibt mit den Brüdern Wallheimer, das sind Levy und Wilhelm, Viehhandel und Schlachterei. 1935 müssen Wallheimers das Haus verkaufen. Cohens ziehen nach Kirchdorf zu Karl Wallheimer an der Kreuzstraße. Sein Bruder Dodo geht 1938, nachdem es für ihn in Aurich keine schulische Perspektive mehr gibt, in ein landwirtschaftliches Lehrgut, Groß Breesen, Kreis Trebnitz in Niederschlesien.

Max beginnt am 20. Juni 35 in Mannheim eine Lehre als Maler und lebt dann bis zum 20.06.39 in Essen. Er will nach Amerika auswandern, hat bereits die Papiere, kann dann aber zum 11.10.38 nicht die Passage bezahlen. Der Hilfsverein Essen ermöglicht ihm, obwohl kein Kind mehr, mit einem Kindertransport nach England auszureisen. Nach dem aktiven Kriegseintritt Großbritanniens am 10. Mai 1940 wird Max, am 26.05.40 in Kitchener Camp (Kent) als „enemyalien“ interniert.

Am 6.09.40 werden im Zuge der zunehmenden Kriegsangst in England 2.542 dieser Enemy aliens in Liverpool auf dem Truppentransporter DUNERA eingeschifft. Von diesen sind allerdings 451 regulär in England lebende Deutsche und andere Kriegsgefangene der Achsenmächte. Während der Seereise werden die politischen und jüdischen Emigranten aus Deutschland und Österreich heftig von der englischen Bordmannschaft und den anderen Deutschen, richtigen Nazis eben, drangsaliert und misshandelt. Die Mannschaft plündert das Gepäck und wirft den Rest über Bord. Später in Australien, reklamiert Max den Verlust seines Gepäcks im Wert von 29 Pfund, darunter eine Geige von 1930, diese war aber nicht mehr bespielbar.

Am 8.11.40 läuft die DUNERA in Sydney ein. An der Pier werden Schiff und Crew mit Militärmusik empfangen, die Enemy aliens dagegen mit Müll, welches der wartende Mob auf sie wirft. Max wird in Camp Hay (New South Wales) interniert.

Am 17.09.41 erklärt Max auf Befragen vor dem  australischen Internierungskomitee welchen besonderen Grund er nennen könne, um entlassen zu werden:  Ich möchte die Kriegsanstrengungen [Englands und seiner Alliierten] unterstützen.

Nach 18 Monaten Internierung in Hay und auch Tatura wird er im Frühjahr 42 entlassen, mit dem Angebot in die australische Armee einzutreten. Er dient in einer Versorgungseinheit, zuletzt als Gefreiter.

In Hay errichten die jüdischen Gefangenen schnell ein reiches kulturelles Leben, Theater, Musik, eine Camp-Universität, eine camp-interne Währung. In Australien erkennt man nach und nach den Fehler der Verfolgung dieser Gruppe. Sie bekommen ein Angebot nach England zurückzukehren. Auch Max erwägt dies, verwirft es dann aber.

In Australien hat Max noch brieflichen Kontakt mit seinen Eltern in Berlin und Dodo in Groß Breesen. Es sind zwölf Briefe seiner Eltern erhalten.

Nach dem Krieg eröffnet Max ein Malergeschäft in Benowa Waters (Queensland), heiratet Esther, Tochter Kim und Sohn Dale werden geboren.

Das Hay-Abenteuer wird später in Australien unter dem Titel „The Dunera Boys“ verfilmt und wird Teil des Gründungsmythos becoming a nation. Die Gruppe der Internierten trifft sich jedes Jahr – „Reunion“ genannt. Auch Max ist immer dabei. Er begreift dies als herausfordernde kathartische Aufgabe um über den Verlust seiner Familie hinwegzukommen. 1992 besucht er Aurich.

Über seine Zeit damals schreibt er jedoch nichts. Am Tisch erzählt er wenig. Er erinnert sich an das Eislaufen auf dem Kanal und den See, und dass die Tiere zum Winter in den Stall gebracht wurden. Als er jünger war beklagt er manchmal die immer-grau-blaue trockene australische Landschaft und erinnert sich wehmütig an das saftige Grün in Europa. Als er jedoch älter wird,mag er den australischen Busch, und er akzeptiert zufrieden seine Aufnahme in dieses neue Land.

Recherche: Jörg Peter (Stand: 3.08.2012)
Recherche: Jörg Peter (Stand: 3.08.2012)
Recherche: Jörg Peter (Stand: 3.08.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto: Max Cohen
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; Meldeblätter; Kennkarten; Korrespondenz mit Nachkommen
Literatur:
Patenschaft: Kim Nurse
Verlegetermin: 12. Juni 2012
Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.