Ruben Samson

Veröffentlicht: 11. Dezember 1012 von Lennart in Biografien

Ruben SamsonRuben SAMSON
geboren am 27. März 1868 in Aurich

 

 

 

Straße: Zingelstraße 3
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Theresienstadt 29.07.1942)
Todesort: Treblinka
 Samson, Ruben, geb. 21.03.1868 in Aurich

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Ruben Samson war das fünfte von sechs Kindern des Viehhändlers und Schlachters Joseph Hartog Samson und dessen Ehefrau Esther, einer Tochter von Benjamin Wolff. Seine Geschwister sind Raantje (oder Regina, geboren 18.04.1859), Bendit (geboren 06.12.1860), Herz (geboren 10.04.1863), Röschen (geboren 23.07.1864) und Abraham (geboren 15.09.1870). Raantje, die nie heiratete, verstirbt bereits am 12. Februar 1927. Alle übrigen Geschwister werden wie auch Ruben ein Opfer des Holocausts.Wie sein Vater wird auch Ruben Schlachter und Viehhändler. 1896 gründet er gemeinsam mit seinen Brüdern die Firma „Benjamin Samson und Co.“, die er am 17. Juli 1899 selbst übernimmt und in „Ruben Samson und Co.“ umbenennt. Teilhaber der Firma sind schließlich Ruben und Abraham Samson. Ruben arbeitet eng mit seinen Brüdern zusammen, die zum Teil eigene Schlachtereien betreiben. Der Betrieb der Gebrüder Samson ist außerordentlich erfolgreich und gehört in der Zeit des Ersten Weltkrieges zu den größten Schlachtereien der Region. Ruben betreibt spätestens ab 1926 erfolgreich den „Stadtschlachthof“, der in Aurich unter der Adresse „Breiter Weg 21“ eingetragen ist. Zudem gehört ihm gemeinsam mit seinen Brüdern das „Gut Coldehörn“ in Sandhorst, das aber ab 1926 allein vom jüngsten Bruder, Abraham, bewirtschaftet wird. Wie Herz und Bendit erhält Ruben im Gegenzug eine jährliche Nießbrauchszahlung in Höhe von 1200 Reichsmark von Abraham.Ruben ist mit Amalia Samson (geboren 14.04.1873), geborene Simon, aus Linn bei Krefeld verheiratet. Das Paar lebt nach der Eheschließung ab Oktober 1898 in der Wilhelmstraße 19 in Aurich und zieht erst am 06. August 1926 in den Breiten Weg 21. Ruben und Amalia haben zwei Söhne: Iwan wird am 11. Mai 1899 in Aurich geboren, Josef am 17. Dezember 1900. Beide Söhne werden wie ihr Vater, ihr Großvater und ihre Onkel Schlachter und Viehhändler. Iwan heiratet am 02. Mai 1926 Hanchen/Hannchen Wolff (geboren 12.03.1900) aus Norden. Das Paar zieht am 09. Mai 1926 in die Esenser Straße 14, wo Iwan einen eigenen Betrieb eröffnet. Bereits am 14. September 1926 wird die älteste Enkeltochter Rubens geboren: Marga. Am 30. Januar 1928 kommt Walter zur Welt, doch verstirbt er bereits rund 10 Monate später, am 20. November 1928. Fast genau ein Jahr darauf, am 07. November 1929, wird schließlich Hans Samson geboren. Auch Josef Samson, Rubens jüngerer Sohn, heiratet: Die Ehe mit Karla Samson, geborene Hoffmann (geboren am 26.08.1906) wird am 13. April 1928 in der Heimat der Ehefrau, Dillingen im Saarland, geschlossen. Anschließend lässt sich das Paar in Aurich nieder und wohnt im Haus Am neuen Hafen 2, das ihnen auch gehört. Ihre Tochter Sonja, Rubens drittes Enkelkind, kommt am 30. Januar 1931 in Aurich auf die Welt.

Amalia Samson wird bis 1933 im Haushalt von Hausmädchen unterstützt, danach findet das Ehepaar aber offensichtlich keine Haushaltshilfen mehr, denn ab 1935 dürfen jüdische Familien nicht länger „arische“ Frauen unter 45 Jahren als Hausmädchen einstellen. Amalia verstirbt bereits am 15. Oktober 1933 im Alter von 60 Jahren an Herzschwäche. Von diesem Zeitpunkt an wird das Leben für Ruben wohl auch finanziell schwieriger, da alle jüdischen Geschäftsleute unter den Boykottaktionen der Nationalsozialisten leiden. Bis in den Juli 1937 führt Ruben jedoch seinen Betrieb im Breiten Weg 21 fort, anschließend verkauft der den Schlachthof und zieht zu seinen Brüdern Bendit und Herz, die gemeinsam in der Zingelstraße 3 wohnen. Bis zu ihrer Abmeldung aus Aurich leben die drei Brüder gemeinsam in dem Haus, das auf Bendit Samson eingetragen ist. Den Haushalt der drei älteren Herren führt das Hausmädchen Gesine Peters.

Da Ostfriesland „judenfrei“ werden sollte, erhalten Ruben und seine Brüder im Frühjahr 1940 die Aufforderung, Aurich zu verlassen. Abraham, der jüngste Bruder, hatte sich mit seiner Frau Hedwig in Dortmund niedergelassen, vermutlich, weil ihre Tochter Emmi seit ihrer Heirat mit Siegfried Stern dort lebte. Am 08. März 1940 verlässt Ruben gemeinsam mit Herz Aurich und zieht ebenfalls nach Dortmund. Sein Bruder Bendit hatte Aurich bereits vier Tage zuvor verlassen und sich wie Ruben und Herz in der Museumstrasse 5 in Dortmund angemeldet. Für Ruben ist in Dortmund als Adresse schließlich auch der Ostenhellweg 41 eingetragen. Unklar ist, ob alle drei Brüder letztendlich dort wohnten. Abraham und seine Frau zumindest waren unter einer anderen Adresse gemeldet: Sie wohnten in der Saarlandstraße 71.

Am 29. Juli 1942 werden die Gebrüder Samson sowie Abrahams Frau Hedwig gemeinsam von Dortmund nach Theresienstadt deportiert. Der Aufenthalt in Theresienstadt ist für Ruben nur von kurzer Dauer: Bereits am 23. September 1942 wird er zusammen mit seinem Bruder Herz in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo sich die Spur beider Männer verliert. Von den 1985 Menschen, die mit ihrem Zug nach Treblinka gebracht werden, überlebt kein einziger.

Bendit, der älteste Bruder, wird ebenfalls in Treblinka ermordet. Er wird nur drei Tage nach seinen Brüdern dorthin verbracht. Abraham, der jüngste Bruder, wird am 28. Oktober 1944 mit seiner Frau Hedwig nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Auch die Söhne Rubens und deren Ehefrauen fallen dem Völkermord durch die Nationalsozialisten zum Opfer: Iwan und Hanchen Samson waren bereits 1938 nach Belgien geflohen. Vom Sammellager Malines aus werden sie am 04. April 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Nach Kriegsende werden beide für tot erklärt. Josef und Karla Samson versuchen, über Luxemburg nach Frankreich zu entkommen. 1942 werden beide nach Auschwitz deportiert und letztendlich für tot erklärt. Rubens Enkelkinder, Marga, Hans und Sonja, konnten jedoch gerettet werden und überlebten den Holocaust. Marga (Marga van Geebergen) lebte in den Niederlanden, Hans Samson (dort „Henry“ genannt) in New York. Er verstab 2006 in New Jersey. Auch Sonja Samson ist bereits verstorben. Sie lebte in Chicago. Nach dem Krieg bemühten sich Rubens Enkel z.T. erfolgreich um eine Wiedergutmachung bzw. die Entschädigung für das ihrer Familie angetane Unrecht.

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Recherche: Sandra Weferling (Stand: 12.06.2012)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Meldekartei; Kennkarten XX; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 248d, Nr. 945; Rep. 107, Nr. 2846; Rep. 107, Nr. 2843; Rep. 107, Nr. 2867; Rep. 107, Nr. 2698; Rep. 251, Nr. 25; Rep. 251, Nr. 363; Rep. 251, Nr. 717; Rep. 251, Nr. 718; Rep. 251, Nr. 1275; Rep. 16/1, Nr. 5398; Rep. 16/1, Nr. 4160; Rep. 107, 2843; Rep. 121, Nr. 849; Rep. 121, Nr. 854; Dep. 34 C, Nr. 143; Adressbuch für die Stadt und den Kreis Aurich 1926.
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http://www.holocaust.cz
Literatur: Teubner, Werner: Jüdische Viehhändler in Ostfriesland und im nördlichen Emsland 1871-1942. Eine vergleichende Studie zu einer jüdischen Berufsgruppe in zwei wirtschaftlich und konfessionell unterschiedlichen Regionen, Cloppenburg 1995;
Reyer, Herbert: Die Vertreibung der Juden aus Ostfriesland und Oldenburg im Frühjahr 1940, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands, hrsg. v. Hajo van Lengen, Aurich 1995, S. 363-390 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 74).
http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/treblinka.index.html
Patenschaft: Klaus Ritzer
Verlegetermin: 12. Juni 2012

 

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