Adolf A. Aron

Veröffentlicht: 29. November 1911 von kenodebelts in Biografien


Adolf A. ARON
geboren am 27. Dezember 1869 in Leer

Straße: Norderstraße 8
Todesdatum: Unbekannt
Todesort: Treblinka
Adolf A. Aron wurde am 27. Dezember 1869 in Leer geboren. Er war der Erstgeborene seiner Eltern Abraham Aron und Johanna, geb. David. Seine Schwester Sophie kam 1873 zur Welt, sein Bruder Louis 1875 und sein jüngster Bruder Moritz (auch Moses) 1878. Im Juni 1899 zog Adolf nach Aurich, sehr wahrscheinlich zu seiner Schwester Sophie, die den Optiker Gottschalk Hirsch Aron geheiratet hatte, und der in der Norderstraße 8 sein Geschäft betrieb.Adolf Aron lernte Mathilde de Loewe aus Norden kennen und heiratete sie am 26. Januar 1902. Die Ehe blieb kinderlos. Vermutlich um 1903 übernahmen Adolf und Mathilde die Norderstraße 8, die aus den Geschäfts- und Wohnräumen, einer Scheune und einem Garten bestand. Im Erdgeschoss gab es genug Platz für mehrere Geschäftsräume, einer davon war damals an eine Putzmacherin vermietet, später befand sich hier auch zeitweise ein Lebensmittelgeschäft. Die Wohnungen befanden sich über diesen Geschäftsräumen. Gottschalk Hirsch Aron starb am 19. November 1919, spätestens 1926 wohnte Sophie in der Georgstraße in Aurich.
Da Adolf Aron kein Optiker, sondern Kaufmann war, richtete er mit seiner Frau ein kleines Geschäft ein: „Manufaktur, Herrn- und Damenkonfektion“, so lautete der Eintrag im Adressbuch der Stadt Aurich von 1926. Aber das Geschäft lief nicht gut, schon Ende 1931 mussten sie Konkurs anmelden, und am 14. Mai 1937 wurde die Firma endgültig aus dem Handelsregister gelöscht. Es fiel ihnen so schwer 20 RM aufzubringen, um die Kosten für die Firmenlöschung zu zahlen, dass Adolf Aron – vergeblich – ein „Zeugnis zur Erlangung des Armenrechtes“ beantragte. Sie verfügten zwar über Mieteinnahmen, hatten aber auch feste Ausgaben, so dass ihnen nur 20 RM monatlich zum Leben blieben. Am 8. Mai 1939 verstarb seine Ehefrau Mathilde und im August 1939 verkaufte Adolf Aron das Grundstück in der Norderstraße, konnte dort aber noch wohnen bleiben.
Schon im September dieses Jahres besuchte er für zwei Monate seinen Bruder Moritz, auch Kaufmann, in Berlin, der dort im Stadtteil Charlottenburg in der Droysenstraße wohnte. Vielleicht musste er noch einige Dinge regeln, jedenfalls kehrte er Anfang November noch einmal nach Aurich zurück.
Fest steht, dass der Vorstand der Auricher jüdischen Gemeinde gezwungen wurde, dafür zu sorgen, dass bis zum 1. April 1940 alle Juden Aurich verlassen hätten. Ende 1939 lebten noch ca. 155 Juden in Aurich, 1933 waren es noch knapp 400 gewesen.
Am 9. Februar 1940 wurden der Ortspolizeibehörde zwölf Häuser in Stadt und Kreis Aurich genannt, die geräumt werden sollten. Darunter befand sich die Norderstraße 8, in der „Adolf Israel Aron“ wohnte.Am 20. Februar 1940 verließ der 71jährige Adolf Aron Aurich. Er meldete sich zunächst in Berlin in der Rosenstraße bei der damaligen Behörde für Wohlfahrtswesen und Jugendfürsorge der Jüdischen Gemeinde. Offensichtlich hat er kurze Zeit bei Gotthilf in der Sybelstraße Unterschlupf gefunden und wohnte damit ganz in der Nähe seines Bruders. Im März 1941 fand er eine Möglichkeit, im Gartenhaus der Droysenstraße 17 bei seinem Bruder unterzukommen.
Er konnte ungefähr nur noch ein Jahr in Berlin verbringen: Am 12. Juni 1942 wurde er mit dem Transport I/6 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort blieb er den Sommer über, bis er am 19. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka gebracht wurde. Die Fahrt dauerte zwei Tage. Ob und wie lange Adolf Aron den Transport überlebt hat, wissen wir derzeit nicht.

Zur Familie: Von den nächsten Verwandten hat nur ein Neffe, der Sohn seines Bruders Moritz, überlebt; er konnte sich nach Uruguay retten. Seine Schwester Sophie aus Aurich emigrierte am 23. Juni 1936 in die Niederlande (mit den Kindern Hermann, Johanne, Paula); sie wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Auch sein Bruder Louis emigrierte in die Niederlande, er wurde von Westerbork am 17.März 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich kam auch Moritz in den Vernichtungslagern um.

Recherche: Astrid Parisius (Stand: 8.11.2011
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Opfergruppe: Juden
Quellen: Quellen: StAA: Rep. 107, Nrn. 1418, 1586; Rep. 121, Nr. 874; Rep. 251, Nrn. 78, 80, 400; Dep. 34 C, Nr. 143
Adressbuch Berlin (
http://adressbuch.zlb.de)
Literatur:
Patenschaft: Bernd Clemenz Weber
Verlegetermin: 8. November 2011
Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.