Gerda Jacobs, geb. Wolff

Veröffentlicht: 30. Juni 1913 von westermayer in Biografien

Gerda JACOBS, geb. Wolff
geboren am 6. März 1907 in Aurich

Straße: Lilienstraße 9
Todesdatum: Unbekannt,  Deportation nach Riga 1941
Todesort: Riga
 jacobs-gerda-geb-wolff-geb-06-03-1907-in-aurich In der Lilienstraße 9 wohnte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Familie von Henriette und Selke Levy gen. „Selly“  Wolff.  Das Haus gehörte Selly Wolff seit er es 1895 von Wolf Samson erwarb. Henriette und Selly Wolff  hatten zusammen 12 Kinder. Nur 3 ihrer Kinder überleben den Völkermord an den Juden.

Henriette von der Walde (Lt. Geburtenregister 1844-1931: „van der Walde“) wurde am 24. Juli 1875 als einziges Kind von Magnus Abraham von der Walde (1848 – 1932) und Karoline Gütel Levy,  geb. Wolf (1853 – 1917) in Aurich geboren.

Henriette heiratete am 4.12.1894 im Alter von 19 Jahren den Schlachter und Viehhändler  „Selly“  Wolff (1863 -1930).

Selly Wolff war das jüngste von sieben Kindern von Levy (1818-1869) und Eva Wolff (1825-1901). Sein älterer Bruder Abraham wohnte mit seiner Familie gegenüber in der Lilienstraße 12.
Selly Wolff war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte.  Seine Enkeltochter, Hannelore Wolff, die heute in den USA lebende Laura Hillman, die den Völkermord überlebte, weil ihr Name auf Schindlers Liste gesetzt wurde, erzählt in ihrem Buch „I will plant you a lilac  tree“ /Ich werde Dir einen Fliederbaum pflanzen“, dass sie im KZ Brünnlitz  auf einen SS-Wachmann aus Moordorf traf, der sie zunächst schikanierte, dann aber, als ihr ein Plattdeutsches Wort herausrutschte,  freundlicher wurde und erzählte, dass er in Ostfriesland einen Viehhändler namens Selly Wolff gekannt habe.  Hannelore wagt es damals nicht, sich als dessen Enkeltochter erkennen zu geben.

In einer Mail  berichtet Laura Hillman über ihren Großvater, dass er immer hilfsbereit gewesen sei und anderen oft aus finanziellen Schwierigkeiten geholfen habe, oft so, dass diese nicht bemerken konnten, woher die Hilfe kam.

Kalli Gramberg erzählt im 3. Band seiner Rückblicke auf die Auricher Geschichte über den Schlachter Selly Wolff folgende Anekdote: „Als seine vielen Kinder noch klein  waren, saßen sie oft auf den Steinen des Bürgersteigs. Selly rief: “Jonni, Luti, Abi“ (usw.)“wollt ihr wohl mit de blode Moors von de kalte Schteine ab!“

Selly Wolff verstirbt  am 23. August 1930. Seine Söhne Ludwig ,  Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Gerda Wolff, geboren am 6. März 1907, ist das 9. Kind von Henriette und Selly Wolff. Für Gerda wird als Beruf „Haustochter“ angegeben. 1933 zieht  sie für einen Monat nach Rotterdam. Am 10.05.1936 heiratet sie Louis Jacobs (8.02.1894-1944) und zieht zu ihrem Mann nach Lathen.
Ihr Mann wird in der Reichspogromnacht verhaftet und für einige Wochen im KZ Sachsenhausen interniert.
1941 werden Gerda und ihr Mann nach Riga deportiert. Gerda war zu dieser Zeit schwanger. Dort wo auch ihre Schwester Rosa und deren Familie getötet wurden, wird auch Gerda bald nach ihrer Ankunft ermordet. Ihr Mann lebt noch weiter im Ghetto von Riga und nach Auflösung des Ghettos in verschiedenen Konzentrationslagern.  Er  wird am 15.11.1944 in dem 37km östlich von Danzig gelegenen  KZ Stutthof ermordet. Dort werden Ende 1944 zehntausende von Häftlingen aus den Lagern interniert, die vor der vorrückenden Sowjetarmee aufgelöst werden.

 

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 9.11.2012)

Foto: Gerda Wolff (Kennkarte v.
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Gerd-D. Gauger, Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002, S. 73;
Kalli Gramberg, Aurich von C. B. Meyer bis auf unsere Tage, Drittes Buch , Aurich 1996;
Patenschaft: Insa-M. Sibelis
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

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