Ilse Gutmann, geb. Wolff

Veröffentlicht: 30. Juni 1913 von westermayer in Biografien

ilse-gutmannIlse GUTMANN, geb. Wolff
geboren am 13. August 1913 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 9
Todesdatum: Unbekannt,  Deportation nach Belzyce am 10.05.1942
Todesort: Belzyce
In der Lilienstraße 9 wohnte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Familie von Henriette und Selke Levy gen. „Selly“  Wolff.  Das Haus gehörte Selly Wolff seit er es 1895 von Wolf Samson erwarb. Henriette und Selly Wolff  hatten zusammen 12 Kinder. Nur 3 ihrer Kinder überleben den Völkermord an den Juden.

Henriette von der Walde (Lt. Geburtenregister 1844-1931: „van der Walde“) wurde am 24. Juli 1875 als einziges Kind von Magnus Abraham von der Walde (1848 – 1932) und Karoline Gütel Levy,  geb. Wolf (1853 – 1917) in Aurich geboren.
Henriette heiratete am 4.12.1894 im Alter von 19 Jahren den Schlachter und Viehhändler  „Selly“  Wolff (1863 -1930).

Selly Wolff war das jüngste von sieben Kindern von Levy (1818-1869) und Eva Wolff (1825-1901). Sein älterer Bruder Abraham wohnte mit seiner Familie gegenüber in der Lilienstraße 12.
Selly Wolff war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus  bekannter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte.  Seine Enkeltochter, Hannelore Wolff, die heute in den USA lebende Laura Hillman, die den Völkermord überlebte, weil ihr Name auf Schindlers Liste gesetzt wurde, erzählt in ihrem Buch „I will plant you a lilac  tree“ /Ich werde Dir einen Fliederbaum pflanzen“, dass sie im KZ Brünnlitz  auf einen SS-Wachmann aus Moordorf traf, der sie zunächst schikanierte, dann aber, als ihr ein Plattdeutsches Wort herausrutschte,  freundlicher wurde und erzählte, dass er in Ostfriesland einen Viehhändler namens Selly Wolff gekannt habe.  Hannelore wagt es damals nicht, sich als dessen Enkeltochter erkennen zu geben.

In einer Mail  berichtet Laura Hillman über ihren Großvater, dass er immer hilfsbereit gewesen sei und anderen oft aus finanziellen Schwierigkeiten geholfen habe, oft so, dass diese nicht bemerken konnten, woher die Hilfe kam.

Kalli Gramberg erzählt im 3. Band seiner Rückblicke auf die Auricher Geschichte über den Schlachter Selly Wolff folgende Anekdote: „Als seine vielen Kinder noch klein  waren, saßen sie oft auf den Steinen des Bürgersteigs. Selly rief: “Jonni, Luti, Abi“ (usw.)“wollt ihr wohl mit de blode Moors von de kalte Schteine ab!“

Selly Wolff verstirbt  am 23. August 1930. Seine Söhne Ludwig ,  Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet  werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen  weiter.

Ilse Gutmann, geb. Wolff, geboren am 13.08.1913 ist das 12. Kind von Henriette und Selly Wolff. Ilse hilft zunächst im Haushalt und in der Fleischerei ihrer Familie. Für einige Zeit zieht sie 1929 und 1932 nach Hannover, vielleicht in die Nähe ihrer Schwester Minna. Am 29.09.1937 heiratet sie in Aurich den in Weimar geborenen  Fritz Felix Gutmann. Er ist von Beruf Kaufmann und Viehhändler und arbeitet im „Viehhandelsgeschäft Gutmann und Katzenstein“ in Weimar, Meyerstraße 43.
1929 zieht er nach Erfurt. Durch die „Verordnung über den Handel mit Vieh vom 25.01.1937“ wird ihm ein Berufsverbot erteilt. Er arbeitet weiter als Kraftfahrer und ist seit dem 13.09.1939 ohne Tätigkeit.
Nach der Hochzeit in Aurich ziehen Ilse und Fritz Gutmann am 11.10.1937 nach Erfurt in die Johannesstraße 125.
Fritz Gutmann wird bereits am 9.10.1938 einmal verhaftet. Nach der Reichpogromnacht wird er vom 10.11.- 15.12.1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Am 12.09.1939 müssen Ilse und Fritz Gutmann erzwungenermaßen in die Johannesstraße 98/99 in Erfurt umziehen.
Am 13.09.1939 stellen sie einen Antrag auf Auswanderung in die USA. Eine Einwanderungserlaubnis nach Chile ist bereits unterwegs, kann aber nicht mehr verwendet werden.
Schließlich ziehen Ilse und Fritz am 4.07.1941 nach Weimar in den Brühlplatz  6, wohin im Februar 1940 auch schon Ilses Mutter Henriette und ihre Schwester Karoline gezogen sind, nachdem sie gezwungen waren, Aurich zu verlassen.
Am 9.05.1942 müssen sie sich im Sammellager in der Weimarer Viehauktionshalle melden und werden am 10.05.1942 vom Güterbahnhof Weimar in das Ghetto Belzyce bei Lublin deportiert, ebenso wie ihr Bruder Jakob und ihre Schwester Karoline mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Sally. Zum Zeitpunkt der Deportation ist Ilse Gutman schwanger.
Am 12.05.1942 erreicht der Transport den Distrikt Lublin. Über das weitere Schicksal von Ilse und Fritz Gutmann können wir nichts erfahren. Auch sie werden ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 9.11.2012)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Chor Neue Töne Aurich
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

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