Wolff, Nachmann

Veröffentlicht: 11. November 1913 von westermayer in Verlegung

Nachmon Abraham WolffNachmon WOLFF
geboren am 6. Dezember 1903 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 12
Todesdatum: Unbekannt, deportiert am 26. Oktober 1942 nach Riga
Todesort: Riga
Wolff, Jakob, geb. 25.02.1907 in Aurich

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Nachmon Wolf wird am 06. Dezember 1903 in Aurich geboren. Er ist das erste von neun Kindern von Abraham Levy und Hedwig Wolff, geb. von/van der Walde. Abraham Levy Wolff, der Vater von Nachmon, betreibt in Aurich einen Viehhandel. Ihm gehört das Haus in der Lilienstraße 12, in dem die Familie wohnt, sowie Acker- und Weideland im Hammerkeweg. Nachmon wird wie sein Vater Viehhändler. 1923, als Nachmon gerade 20 Jahre alt ist, stirbt Abraham Levy Wolff an Lungen- und Kehlkopftuberkulose. Die jüngste Schwester von Nachmon ist zu diesem Zeitpunkt erst neun Monate alt. Nachmon führt nun den Betrieb seines Vaters fort und unterstützt seine verwitwete Mutter Hedwig. Auch Nachmons Brüder Jakob, Ludwig und Alfred werden Viehhändler. Ludwig, Alfred und ihre Schwestern Herta und Erna heiraten im Laufe der folgenden Jahre und gründen eigene Familien. Nachmon und sein Bruder Jakob hingegen bleiben ledig, wohnen im Haus in der Lilienstraße 12 und führen den Viehhandel weiter, wobei sie von ihrem Bruder Ludwig unterstützt werden.

Die finanzielle Situation der Familie wird infolge von Boykotten und Repressalien durch das NS-Regime mit der Zeit jedoch immer schwieriger. Spätestens die Pogromnacht am 09. November 1938 dürfte bei der Familie erste Überlegungen zu einer Auswanderung angestoßen haben: In jener Nacht wird nicht nur die Auricher Synagoge niedergebrannt, sondern es werden auch alle männlichen Juden unter 60 Jahren in Aurich „in Schutzhaft“ genommen. Nachmon wird gemeinsam mit den übrigen Verhafteten in die Viehauktionshalle („Bullenhalle“) an der Emder Straße gebracht und muss dort während der Nacht Exerzierübungen und allerhand andere Schikanen über sich ergehen lassen. Am nächsten Morgen schickt man die als „arbeitsfähig“ eingestuften Männer zum Ellernfeld, wo sie den ganzen Tag über Erdarbeiten erledigen oder aber auch „Marschierübungen“ zur allgemeinen Erheiterung der Zuschauer durchführen müssen. Um 18 Uhr dann wird Nachmon ins Gefängnis gesperrt, hier erhalten er und die übrigen 41 Gefangenen nun zum ersten Mal seit ihrer Verhaftung etwas zu essen und zu trinken. Am 12. November schließlich werden die Gefangenen über Oldenburg nach Sachsenhausen, ins Konzentrationslager, verbracht. Nachmon bleibt rund einen Monat in Haft, er kehrt erst am 15. Dezember wieder nach Aurich zurück.

Rund drei Monate nach Nachmons Rückkehr verlässt Hedwig mit ihrer Tochter Ruth Aurich, um sich in den Niederlanden eine neue Existenz aufzubauen. Auch die Geschwister von Nachmon, mit Ausnahme seines Bruders Jakob, immigrieren in die Niederlande, in der Hoffnung, dem Terror durch die Nationalsozialisten entkommen zu können. Nachmon und Jakob bleiben als einzige Familienmitglieder in Aurich und wohnen im Haus in der Lilienstraße 12, in dem sie auch anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Unterschlupf gewährt haben.

Als alle in Aurich verblieben Juden zu Beginn des Jahres 1940 die Aufforderung erhalten, den Regierungsbezirk bis zum 01. April zu verlassen, müssen auch Nachmon und sein Bruder Jakob ihrer Heimatstadt den Rücken kehren. Am 16. Februar, 11 Tage vor seiner Abreise aus Aurich, verkauft Nachmon das Haus im Auftrag seiner Mutter. Nachmon und Jakob melden sich anschließend jedoch nicht in die Niederlande, sondern nach Berlin ab. Beide Brüder leben dort in der Neuen Friedrichstraße 77.

Rund zweieinhalb Jahre später, am 26. Oktober 1942, werden sie gemeinsam mit dem Transport 22 (Osttransport) nach Riga verschleppt. Der Zug traf dort drei Tage später, am 29. Oktober, ein. Hier verliert sich die Spur beider Männer.
Im Zuge der Rückerstattungsverfahren, die ihre Schwester Erna, die einzige Überlebende der Familie, später anstrengt, werden Nachmon und sein Bruder Jakob 1955 für tot erklärt.

Recherche: Sandra Weferling (Stand: 30.01.2013)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 107, Nr. 2488; Rep. 109E; Rep. 241, A 210; Rep. 251, Nr. 306; Rep. 251, Nr. 307; Dep. 34C, Nr. 137; Dep. 34C, Nr. 143

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

Literatur: Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299;

Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82.

Patenschaft: Thilo Hoppe
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

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