Marianne Wolff

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Marianne WOLFF, geb. Karseboom
geboren am 7. November 1884 in Aurich

Straße: Breiter Weg 8
Todesdatum: 5.03.1942 (für tot erklärt)
Todesort: Auschwitz
 

Marianne Wolff geb. Karseboom wurde am 7. November 1894 in Emden als einziges Kind des Schlachtermeisters Moses Karseboom (1864 – 1922) und seiner Frau Jette geb. Schulenklopper (1866 – 1922) geboren und wohnte dort in der Edzardstraße 5.
Am 14. November 1921 heiratet sie Levi „Louis“ Wolff aus Aurich. Als Trauzeugen fungieren die Väter Moses Karseboom und Samuel Wolff.

Am 8. September 1922 wird Lydia Wolff, das einzige Kind von Levi und Marianne Wolff, in Emden geboren. Ihre Eltern waren damals 36 Jahre alt.

Levi Wolff, genannt „Louis“, wurde am 13. März 1884 in Aurich geboren. Levi war das dritte von neun Kindern seiner Eltern, dem Schlachter Samuel Wolff (1846 – 1929) und Caroline geb. Loewenthal (1869 – 1916). Levis Vater lebte mit seiner Familie in der Marktstraße 2. Das Haus gehörte ihm seit 1909 und hier wuchs auch Levi mit seinen acht Geschwistern auf. Sein Vater wohnte weiter bei seinem Sohn Benjamin „Benno“ in der Marktstraße 2. Im November 1929 verstarb er mit 83 Jahren an Altersschwäche starb. Seine Frau Caroline war schon am 3. Mai 1916 im Alter von 56 Jahren an einem Gehirnschlag gestorben.

Bis auf den ältesten Bruder von Levi, Wilhelm Wolff Wolff (1881 – 1924), der bereits 1924 verstarb, und seinen jüngsten Bruder Jonas wurden – ebenso wie er – alle seine Geschwister Opfer des Völkermordes. Stolpersteine für seinen Bruder Benjamin „Benno“ Wolff (1883 – unbekannt) und dessen Frau Regina geb. Wolff (1890 – unbekannt) wurden bereits in der Marktstraße 2 verlegt, wo Levi mit seinen Geschwistern aufwuchs. Die Steine für seine Schwester Minna Stoppelmann geb. Wolff (1887 – 1942) und ihren Ehemann Gerson Stoppelmann sowie ihre beiden Kinder wurden am 17.07.2013 in der Wallstraße 8 verlegt. Sein Bruder Iwan Wolff (1891 – 1943) wohnte in der Gartenstraße 7, verzog aber bereits 1929 mit seiner Frau Frieda Wolff geb. Stoppelmann (1887 – 1945) nach Freren im südlichen Emsland. Für seinen Bruder Hermann Wolff (1893 – 1945), dessen Frau Jeanette geb. Wolff und ihre fünf Kinder wurden bereits Stolpersteine im Langen Kamp 15 verlegt. Die Steine für seinen Bruder Daniel Wolff (1895 – 1944) und dessen Frau Henny geb. Hartogsohn (1891 – unbekannt) sowie deren vier Kinder werden 2015 in der Wallstraße 56 verlegt. Nur Levis jüngster Bruder Jonas Wolff (1897 – 1983) kann mit seiner Frau Senta geb. Wolff (1903 – 1973)und ihren drei Kindern durch Flucht den Völkermord entgehen.

Levi Wolff betätigt sich wie sein Vater als Viehhändler. Er wohnt zunächst in der Zingelstraße 26.
Spätestens seit 1926 wohnt die Familie Wolff in Aurich im Breiten Weg 8. Die Familie muss einen gewissen Wohlstand gehabt haben, denn zwischen 1926 und 1936 beschäftigte sie regelmäßig „Hausmädchen“ in ihrem Haushalt.

Am 29. September 1937 verzieht Lydia im Alter von 15 Jahren nach Groningen, vermutlich zu ihrem Onkel Hermann Wolff, der schon im April 1933 nach Groningen ausgewandert ist und dort als Schlachter und Viehhändler arbeitet. Lydia kehrt aber schon nach einem halben Jahr am 5. April 1938 wieder nach Aurich zurück. Vielleicht war der Anlass für die Rückkehr die Tatsache, dass ihre Eltern ihre Wohnung verlassen mussten.

Am 1. April 1938 muss nämlich die Familie Levi Wolff ihre Wohnung im Breiten Weg 8 verlassen und bei Familie Heimann Wolffs – für die wir heute bereits Stolpersteine verleget haben – ,in der Lindenstraße 12 einziehen. Die Familie Levi Wolff beschließt daraufhin Aurich zu verlassen, um nach Holland zu fliehen. Sie waren in Deutschland wachsenden Schikanen und Repressalien ausgesetzt und hatten auch keine Verdienstmöglichkeiten mehr in ihrem angestammten Beruf.

Auf ihrer Meldekarte findet sich der Vermerk vom 2. November 1938: „Wolff mit Frau und Tochter sind nach Holland ausgewandert, wann, nicht bekannt da unabgemeldet verzogen“. Im Februar 1939 wird auf der Meldekarte ergänzt: „schreibt der Wolff aus Holland im Februar 1939 ist W. am 13.6.38 ausgewandert“. Levi Wolff teilt (als ordentlicher Bürger) den deutschen Behörden auch seine Anschrift in Holland mit: Haren, Gronigen (Holland), Rykstraatweg 13, 2e. In diese grenznahe Gegend der Provinz Groningen waren mehrere jüdische Familien aus Aurich, so auch sein Bruder Hermann Wolff, geflohen.

Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen beginnt auch in Holland die systematische Verfolgung der Juden. Anfang Oktober 1942 werden Levi Wolff, Marianne Wolff und ihre Tochter Lydia nach einer großen Razzia im Norden der Niederlande aufgegriffen, im Sammellager Westerbork interniert und bereits Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert. Hier werden sie – vermutlich bald nach ihrer Ankunft – ermordet. Auch Levi Wolff wird Anfang November 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Levi und Marianne Wolff werden mit dem Datum „5. November 1942“ für tot erklärt, ihre Tochter Lydia mit dem Datum „30. November 1942“. Sie war gerade 20 Jahre alt.

 

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Bundesarchiv: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945   (www.bundesarchiv.de/gedenkbuch)

Informationszentrum Westerbork: Schriftliche Mitteilungen von Jose Martin

 

Literatur:
Patenschaft: Gunter Siebels-Michel
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

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