Siegfried Stoppelmann

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Stoppelmann, SiegfriedSiegfried STOPPELMANN
geboren am 5. Oktober 1913 in Lingen

Straße: Wallstraße 8
Todesdatum: 31. Dezember 2002
Todesort: Bremen
Siegfried Stoppelmann war der zweite Sohn von Gerson und Minna Stoppelmann und der jüngere Bruder von Norbert Stoppelmann. Geboren wurde er am 5. Oktober 1913 in Aurich.
Er hat die stürmischen Nachkriegsjahre des ersten Weltkriegs und den Aufstieg der Nazis miterlebt. Nach seiner Schulzeit begann er beim Schuhmachermeister Lübbers aus Aurich eine Schuhmacherlehre, die er mit einer Gesellenprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Aurich abschloss. Außerdem betätigte sich Siegfried Stoppelmann beim Tischtennis sportlich und war in Aurich und im nordwestdeutschen Bereich erfolgreich.

 

Da die Familie sehr gläubig war, besuchte er mit seinen Eltern regelmäßig den Gottesdienst in der damaligen Synagoge der Auricher Judengemeinde. Siegfried Stoppelmann erlebte die Machtergreifung der Nationalsozialisten und dass das Leben für alle Juden danach sehr beschwerlich wurde (vgl. Stoppelmann, 23.02.2013). Am 9. November 1938, der Novemberpogromnacht wurde er zusammen mit seinem Vater Gerson Stoppelmann von „Nazi-Schergen in ihrem Haus überfallen“ (Stoppelmann, 23.02.2013) und zum Marktlatz geführt, wo sich die Juden versammeln mussten. Dann wurden sie durch Aurich zu den Landwirtschaftlichen Hallen geführt. Bei ihrem Gang durch die Straßen haben die Menschen zugesehen und geklatscht (vgl. Gries, 1988).
In den Landwirtschaftlichen Hallen angekommen mussten sie springen und Runden laufen (vgl. Diekhoff, 1993, S. 275) und wurden schikaniert, verhört und getreten. Außerdem hatten sie beim „stundenlangen Warten keine Erlaubnis zum Toilettengang“ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Am 10. November 1938 wurden die Männer Mittags zum Ellernfeld geführt, auf dem Siegfried Stoppelmann sich auf Kommando immer wieder in die Pfützen legen musste und von Zuschauern bespuckt wurde (vgl. Gries, 1998). Am Abend des 10. November wurden die Männer, unter ihnen Siegfried und sein Vater Gerson, ins Auricher Gefängnis gesperrt.
Am nächsten Morgen wurden sie mit der Eisenbahn nach Bremen gebracht, wo sie eine Nacht im heutigen Hermann-Böse-Gymnasium verbrachten. Vom Gymnasium aus kamen sie zum Bremer Hauptbahnhof und dann ins Konzentrationslager Sachsenhausen (vgl. Gries, 1988). Im Lager erlebte er „schlimme und menschenverachtende Zustände“ (Stoppelmann, 23.02.2013). Die Häftlinge wurden misshandelt und bekamen wenig zu essen. Zu der Zeit in der Siegfried Stoppelmann im KZ Sachsenhausen inhaftiert war, konnte man noch aus diesem entlassen werden, wenn man innerhalb von 24 Stunden Deutschland verließ.

Da seine Mutter Minna eine solche Auswanderung beantragt hatte, kam Siegfried Anfang des Jahres 1939 zurück nach Aurich. Jedoch war die Auswanderung noch nicht geplant und finanziert, was dazu führte, dass Siegfried sich drei Wochen in einem Taubenverschlag von Adolf Richter versteckte. Adolf Richter war ein guter Freund der Familie und „Diese – damals sicherlich sehr mutige Tat – hat meinem Vater das Leben gerettet und kann in seiner Bedeutung nicht hoch genug gewürdigt werden“ (Stoppelmann, 23.02.2013). „In einer Kiste mit der Aufschrift „Vorsicht Glas“ wurde er dann mit anderen nach Antwerpen gebracht.“ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Von dort aus fuhr er mit einem Schiff nach Palästina.
Schwierig war es für Siegfried Stoppelmann in Palästina an Land zu kommen. Schließlich gelang es ihm jedoch illegal einzuwandern. Zu Beginn verbrachte er eine Zeit in einem Kibbuz, einer solidarisch organisierten Dorfgemeinschaft (www.zeit.de, 09.03.2113) und eröffnete später eine kleine Schuhmacherei. 1949 heiratete Siegfried Stoppelmann Edith geb. Kahn. Seine Frau, die 1945 befreit worden ist, hat die Zeit des Holocaust nie richtig verarbeiten können. Im Jahr 1952 wurde ihr Sohn Gerschon geboren (vgl. Stoppelmann, 12.02.2013).

1957 zog die Familie zurück nach Deutschland, in das Bundesland Bremen. „Warum nach Bremen? ‚Hier gab es eine jüdische Gemeinde. ‘ “ (Stoppelmann zit. nach Gries, 1998). Siegfried Stoppelmann war seit seiner Rückkehr sehr aktiv in der Israelitischen Gemeinde Bremen. Zum einen als Mitglied im Vorstand und seit 1972, als Nachfolger von Carl Katz, war er auch Vorsitzender der Gemeinde. Er hat am Wiederaufbau der Bremer Gemeinde mitgewirkt und sich für die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden eingesetzt. Er ist stets offen mit seiner Vergangenheit umgegangen und hat an Schulen über seine Erlebnisse während des Holocaust aufgeklärt und hat gegen Fremdenhass und Antisemitismus gekämpft (vgl. Stoppelmann, 12.02.2013). „Am 8. November 1989 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse überreicht vom damaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf weil er in Bremen unermüdlich für die Israelitische Gemeinde und für die jüdische Kultur gewirkt hat“ (Stoppelmann, 23.02.2013). Am 16. November 1992 verstarb seine Frau Edith in Bremen. Siegfried Stoppelmann verstarb am 31. Dezember 2002, nach langer schwerer Krankheit, im Alter von 85 Jahren ebenda.

Recherche: Neelke Lieutenant
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2014)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich:
StAA Dep. 34, Nr. 143, Durchführung des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden,
StAA Rep. 248, Nr. 942, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1845,

StAA Rep. 248, Nr. 943, Geburtenregister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1931

StAA Rep. 248, Nr. 946, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1782-1844/ 1859-1863

StAA Rep. 248, Nr. 947, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Aurich 1844-1935
Internetquellen:

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html (Stand: 27.02.2013)

http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-10/israel-100-jahre-kibbuz (Stand: 09.03.2013)

Literatur: Gries, Margeritha: Damals wurden Freunde plötzlich zu Feinden.

In: Weser Kurier, 3.11.1988
Gries, Margeritha: „Manche Leute spuckten und klatschten Beifall“.

In: Weser Kurier, 10.11.1998

Patenschaft: Heyo und Hermine Lübbers
Verlegetermin: 17. Juli 2014

 

 

 

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