Agathe Schirling

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Agathe SCHIRLING Agathe Schirling - Stein
geboren am 24. März 1911 in Rauschenberg, heute Landkreis Marburg-Biedenkopf

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 24
Todesdatum: 30.09.1942 (ungesichert)
Todesort: Auschwitz
 

Agathe Schirling ist das dritte Kind und dritte Tochter des Lehrers Menko Schirling und seiner Frau Frieda, geb. Stern. Agathes ältere Schwestern heißen Ilse und Jenni.

Die Familie zieht 1925 durch den Beruf des Vaters nach Hoof im Schwalm-Eder-Kreis. Menko Schirling ist dort der letzte Lehrer der kleinen jüdischen Gemeinde. Dort ist er 1936 als letzter auf dem jüdischen Friedhof begraben. Die Israelitische Volksschule wurde Anfang 1934 aufgelöst.
Das Beispiel der Agathe Schirling steht für viele in dieser Zeit, einmal als Frau, unverheiratet und überdies jüdisch. Sie mussten als Angehörige einer Minderheit überall dort hinziehen und arbeiten, wo es eine Gelegenheit gab, auf unterster Stufe einer Dienstschaft unterzukommen, denn sie hatten außerhalb ihrer jüdischen Gemeinschaft keinen gesellschaftlichen Anschluss aus beruflichem Ansehen oder örtlicher Zugehörigkeit. Sie lebten und arbeiteten, aber sie hinterließen kaum Spuren, die wir heute suchen können.
Es bestanden zahlreiche verwandtschaftliche Bindungen der Auricher Juden mit denen aus dem nördlichen Hessen im Umkreis von Kassel. Vermutlich rührt dies aus gemeinsamer sephardischer Abstammung. Dessen waren sie sich traditionell bewusst – auch im Bewusstsein jahrhundertelanger Verfolgung und alltäglicher Diskriminierung.

So gehen alle drei Schirling-Schwestern als Hausgehilfinnen nach Norddeutschland in jüdische Haushalte. Agathe meldet sich am 18.05.1933 in der Leerer Straße 24 an. Sie ist Hausgehilfin im Haushalt von Erich Sternberg, wie die Meldekarte vermerkt. Ihre ältere Schwester Jenni war schon vorher in Ostfriesland, zuerst in Leer, Ostersteg 67, dann in Aurich bei Wallheimer, Kirchdorferweg 36 und zuletzt bei Lippmann Knurr in der Norderstraße 2. Jenni verläßt Aurich 1934 nach Twistringen. Sie heiratet Paul Vogel aus Hoof.
Am 16.04.1934 geht Agathe in die Niederlande. Sie wohnt in Utrecht, Amsterdam, Den Haag, dann wieder Amsterdam an drei Wohnplätzen. Sie bleibt unverheiratet und kinderlos. Zuletzt wohnt sie mit der Familie Abraham Cohen in der Jan-van Eijckstraat 39.

Agathe wird festgenommen und zusammen mit den Cohens nach Westerbork verbracht. Am 28.09.1942 wird sie mit 609 weiteren nach Auschwitz deportiert. Die Familie Cohen dagegen wird nach Sobibor deportiert und bei Ankunft umgebracht. Nur das dritte Kind der Cohens kann in Amsterdam versteckt werden und überlebt.

 

Am 30.09.1942 ist der Transport mit Agathe in Auschwitz angekommen. Dieser Tag ist als ihr Todestag anzusehen, denn es gibt keine Einträge über sie in den Auschwitzer Häftlingsregistern.

 

Agathes Schwester Ilse, deren Mann Arthur Cohen aus Neustadtgödens, deren gemeinsame Kinder Ingrid und Hannelore sowie Agathas Mutter, Frieda, müssen zusammen nach Vegesack in ein Judenhaus in der Hafenstraße 23 ziehen. Sie werden alle zusammen am 28.07.1942 nach Minsk deportiert und dort an offenen Gruben erschossen.
Agathas Schwester Jenni und ihr Mann Paul Vogel können rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren.

 

Recherche: Jörg Peter
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.02.2013)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Rep. 251 Nr. 15, 815 und 1158; 360; 107, 2618, Digitaal Monument Joodse Gemeenschap in Nederland; Meldekarte Stadsarchief Amsterdam
Literatur:
Patenschaft: Ilse Siefke
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Schirling, Agathe Meldekarte_ASD

 

 

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