Emma „Emmy“ Wolffs, geb. Weinberg

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Emma „Emmy“ WOLFFS geb. WEINBERG Emma Wolffs - Stein
geboren am 25. Dezember 1922 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 40
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28.10.1944)
Todesort: Auschwitz
Emma Wolffs, genannt Emmy, war die Tochter von Joseph und Johanna Weinberg, geb. Marx. Emmy wird am 28. November 1891 als erstes von sechs Kindern geboren, wobei drei ihrer jüngeren Brüder, davon ein Zwillingspärchen, bereits kurz nach der Geburt wieder versterben. Emmys Familie lebt in Esens in der Jücherstr. 15 (heute Nr. 10), ihr Vater Joseph trägt den Spitznamen „Bismarck“ und gilt als „Esenser Original“. Er betreibt einen Viehhandel mit Schlachterei, den sein Sohn Isaak (Ihno) später gemeinsam mit dessen Cousin Hans-Jürgen Driels (später Johnny Dreels) fortführen sollte.

Emmy heiratet den Auricher Schlachter und Viehhändler Moses Wolffs und zieht nach Aurich in die Leerer Landstraße 40. Die Ehe bleibt kinderlos. In dem Haus, das ihrem Ehemann gehört und in dem auch dessen Schwester Rosa wohnt, richtet Emmy ein Pensionat für jüdische Kinder ein. Bei der Arbeit im Haushalt wird sie von Haushaltshilfen und Kindermädchen unterstützt, wie die Eintragungen auf der Einwohnermeldekarte belegen. Möglicherweise geht ihr auch ihre Schwägerin Rosa zur Hand.

Im Laufe der dreißiger Jahre dürfte sich die ursprünglich wohl recht gute finanzielle Situation der Eheleute verschlechtert haben, da den jüdischen Schlachtern ihre Erwerbsmöglichkeiten genommen wurden. Als Emmy Ende 1937 die Möglichkeit erhält, die Leitung des neuen jüdischen Altenheims in Emden in der Claas-Tholen-Straße zu übernehmen, haben Emmy und Moses dies wohl als Chance wahrgenommen. Am 25. März 1938 meldet sich Emmy nach Emden ab. Ihr Mann bleibt noch bis zum 3. Juni 1938 in Aurich wohnen und regelt den Verkauf des Familienbesitzes, der neben dem Haus in der Leerer Landstraße auch Grundstücke in der „Kleinen Glupe“ in Aurich umfasst.

Im Februar 1940 erhalten alle jüdischen Einwohner Ostfrieslands die Aufforderung, ihre Heimat „aus sicherheitspolizeilichen Gründen“ bis zum 1. April des Jahres verlassen. Eine Ausnahme bilden hierbei die Bewohner des Altenheims in der Claas-Tholen-Straße, die bis zum Oktober 1941 in Emden verbleiben dürfen.

Am 22. Oktober 1941 werden Emmy und ihr Ehemann per Bus in das jüdische Altenheim in Varel gebracht, wo sie mehrere Monate bleiben. Emmy hält in dieser Zeit Kontakt zu Freunden und Verwandten aus Aurich und Emden, die beispielsweise, wie ihre Schwägerin Rosa, nach Lodz deportiert wurden. Im Archiv des Ghettos von Lodz bezeugt eine Postkarte von Sara Hartog an Emmy Wolffs deren Versuch, die im Ghetto internierten Freunde zu unterstützen.

Im Juli 1942 wird Emmy und Moses mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Altenheims in Varel mit einem Transport in ein angeblich „besseres Alten- und Pflegeheim“ verlegt werden sollen. Am 22. Juli 1942 erfolgt schließlich die Deportation der gesamten Gruppe nach Theresienstadt – wobei von „besseren“ Lebensbedingungen keine Rede sein kann. Emmy und Moses leben bzw. überleben in dem völlig überfüllten Ghetto jedoch bis zum Oktober 1944. Am 28. Oktober 1944 werden sie gemeinsam ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Emmy war damals 53 Jahre alt.

Ihr Bruder Ihno Weinberg, der Deutschland gemeinsam mit seiner Frau 1938 verlassen hatte, überlebte den Holocaust und strengte in den 50er Jahren gemeinsam mit den überlebenden Neffen und Nichten seiner Schwester die Rückerstattung des Besitzes der Familie Wolffs an.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 288, Nr. 963; Rep. 107, Nr. 2664; Rep. 107, Nr. 2334; Rep. 107, Nr. 2348; Rep. 251, Nr. 834; Rep. 251, Nr. 341;http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html

http: //www.holocaust.cz

http://emden-lodz.de/?Recherche___Bericht_-_Sara_Hartog

http://www.ghetto-theresienstadt.info

http://august-gottschalk-haus.de/index.php/juedische-gemeinde-in-esens

 

Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Esens von ihren Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu ihrem Ende in nationalsozialistischer Zeit, Aurich 1994 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 65).

 

Patenschaft: Gunther Siebels-Michel
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

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