Moses Wolffs

Veröffentlicht: 26. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Moses WOLFFS Moses Wolffs - Stein
geboren am 30. Juni 1873 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 40
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28.10.1944)
Todesort: Auschwitz
 wolffs-moses-geb-30-06-1873-in-aurich Moses Wolffs war der Sohn von Wolff Benjamin Wolffs und dessen Ehefrau Gütel, geborene van der Wall. Moses wird am 30. Juni 1873 als drittes von insgesamt zehn Kindern geboren, von denen jedoch zwei bereits kurz nach der Geburt versterben. Eine seiner Schwestern, Rosa, die sechs Jahre jünger ist als er, bleibt Zeit ihres Lebens ledig und lebt bei Moses und dessen Ehefrau Emmy.

Beruflich tritt Moses in die Fußstapfen seines Vaters und wird wie dieser Schlachter und Viehhändler. Er heiratet Emma Weinberg, die stets „Emmy“ genannt wird. Die Ehe bleibt kinderlos. Während Moses seinen Betrieb als Viehhändler führt, unterhält seine Frau ein Pensionat für jüdische Kinder im Haus in der Leerer Landstraße 40. Neben dem Wohnhaus, das heute leider nicht mehr steht, und dem dazugehörigen Grundstück besitzen die Eheleute mehrere Grundstücke an der Kleinen Glupe in Aurich.
Der Familie geht es demnach wirtschaftlich vermutlich nicht schlecht: Auch die zahlreichen Hausmädchen und Kindermädchen, die als Untermieterinnen im Hause angemeldet sind und die Emmy bei ihrer Arbeit unterstützen, weisen hierauf hin.
Die Machtübergabe an Hitler 1933 und die bald hierauf einsetzenden Boykottaktionen und Repressalien dürften die finanzielle Situation der Familie allerdings verschlechtert haben. Emmy erhält jedoch Ende 1937 die Möglichkeit, die Leitung des neu eingerichteten jüdischen Altenheims in der Claas-Tholen-Straße in Emden zu übernehmen. Sie zieht daher bereits im März 1938 nach Emden. Moses folgt ihr nach dem Verkauf des Hauses und eines Großteils des Grundbesitzes im Juni 1938 in die Claas-Tholen-Straße.

Im Februar 1940 erhalten die jüdischen Einwohner Ostfrieslands die Aufforderung, ihre Heimat zu verlassen: Ostfriesland würde bald „Frontregion“ werden, und da die Nationalsozialisten die Juden als „feindlich“ einstufen, sollen diese die Region aus „sicherheitspolizeilichen Gründen“ bis zum 1. April des Jahres verlassen. Eine Ausnahme bilden hierbei die Bewohner des Altenheims in der Claas-Tholen-Straße, die in Emden verbleiben dürfen. Moses und seine Frau Emmy gehören zu diesen letzten in Ostfriesland verbliebenen Juden.

Am 22. Oktober 1941 schließlich müssen auch Moses und Emmy ihrer Heimat den Rücken kehren: Ein Bus bringt besonders gebrechliche Personen in das jüdische Altenheim in Varel. Auch Moses und Emmy Wolffs verlassen Emden mit diesem Bus. Andere Bewohner des Altenheims hingegen werden mit dem Zug nach Radegast/Lodz deportiert.
Moses und Emmy leben zunächst im Altenheim in Varel und unterhalten von dort aus auch Kontakte zu Freunden und Bekannten, die im Ghetto in Lodz interniert sind. So bedankt sich Sara Hartog aus Aurich in einer Postkarte, die das Ghetto Lodz jedoch nie verlassen hat, für erhaltene Unterstützung und Geschenke von Moses und Emmy. Im Juli 1942 wird dem Ehepaar Wolffs mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Altenheims in Varel mit einem Transport in ein angeblich „besseres Alten- und Pflegeheim“ verlegt werden sollen. Am 22. Juli 1942 erfolgt schließlich die Deportation der gesamten Gruppe aus Emden nach Theresienstadt – von „besseren“ Lebensbedingungen kann hierbei jedoch keineswegs gesprochen werden. Das Ghetto ist völlig überfüllt, es mangelt an Nahrung, medizinischer Versorgung und im Winter an Brennstoffen. Moses und Emmy leben bzw. überleben jedoch bis zum Oktober 1944 in Theresienstadt.
Am 28. Oktober 1944 werden sie gemeinsam ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Moses´ Neffen und Emmys Bruder Ihno, die in den 50er Jahren Anträge auf Rückerstattung des Besitzes der Familie Wolffs stellen, versichern, nie wieder von ihrem Onkel bzw. ihrer Schwester gehört zu haben. 1944 war Moses 71 Jahre alt.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Fotokennkarten; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2664; Rep. 107, Nr. 2334; Rep. 107, Nr. 2348; Rep. 251, Nr. 834; Rep. 251, Nr. 341;
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
http: //www.holocaust.cz
http://www.emden-lodz.de
http://www.ghetto-theresienstadt.info
Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.

Jan Lokers: Boykott und Verdrängung der jüdischen Bevölkerung aus dem Wirtschaftsleben Ostfrieslands (1933-1938), in: Ostfriesland im Dritten Reich. Die Anfänge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933-38, hrsg. v. Herbert Reyer, Aurich 1999, S. 63-82.

Patenschaft: Anneliese, Peter und Almuth Boesel
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

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