Hermann Knurr

Veröffentlicht: 27. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Hermann KNURRHerrmann Knurr
geboren am 2. Oktober 1908 in Aurich

 

 

 

Straße: Nordersraße 2
Todesdatum: Überlebt, Flucht in die USA
 
Hermann Knurr wird am 02. Oktober 1908 als sechstes von sieben Kindern des Kaufmanns Lippmann und Ida Knurr, geb. Bienheim, geboren. Wie sein Vater und seine Brüder wird er Kaufmann. Von 1924 bis 1927 macht er in Halberstadt eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten, nach seiner Rückkehr nach Aurich arbeitet er im väterlichen Betrieb, dem Geschäft „H. C. Knurr“ mit und wird gemeinsam mit seinem älteren Bruder Erich schließlich Teilhaber.

Anders als seine beiden älteren Brüder, die eigene Familien gründen, bleibt Hermann zunächst ledig und lebt mit seinem Vater in der Norderstr 2. Da die Situation in Aurich für die jüdische Bevölkerung infolge von Schikanen und Boykotten immer schwieriger wurde, wandert zunächst Lea, Hermanns ältere Schwester, mit ihrer Familie in die USA aus. Hermann, seine Brüder und sein Vater hoffen hingegen zunächst noch, dass sich die Situation wieder verbessern würde. Spätestens die Pogromnacht vom 09.11.1938 macht den in Aurich verbliebenen Familienmitgliedern jedoch klar, wie ernst die Lage ist: In dieser Nacht wird nicht nur die Auricher Synagoge niedergebrannt und das Geschäft „H. C. Knurr“ geplündert, sondern die jüdischen Männer der Stadt werden allesamt verhaftet und in der „Viehauktionshalle“ (Bullenhalle) zusammengetrieben. Auch Hermann gehört zu den Verhafteten und muss in dieser Nacht und am folgenden Tag allerhand Schikanen über sich ergehen lassen: So müssen Hermann und sein Bruder am 10.11. auf dem Ellernfeld unter Beschimpfung und Misshandlungen durch die anwesenden S.A.-Leute Erdarbeiten versehen und Exerzierübungen machen. Hermann und sein Bruder Erich werden am darauf folgenden Tag gemeinsam mit 40 anderen Auricher Juden ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo sie mehrere Wochen gefangen gehalten und malträtiert werden.

Leas Mann, Erich Sternberg, ist ab 1938 Inhaber eines Kaufhauses in Baton Rouge, Louisiana, wodurch er die Möglichkeit hat, Bürgschaften für ausreisewillige Juden aus Deutschland zu übernehmen. Hermann bekommt so die Möglichkeit, in die USA zu immigrieren. Am 26. März 1939, kurz nach seinem Bruder Erich, verlässt auch Hermann Aurich. Lippmann Knurr, Hermanns Vater, bleibt in Ostfriesland zurück und löst nach der Abreise seiner Söhne die Firma „H. C. Knurr“ auf. Hermann und er sollten sich nie wieder sehen.

In Baton Rouge arbeitet Hermann im Kaufhaus seines Schwagers Erich Sternberg. Er leitet schließlich die Abteilung für Herrenbekleidung und unterstützt Erich bei der Leitung des Kaufhauses.

In den USA heiratet er schließlich auch – und zwar eine junge Frau, die ebenfalls aus Aurich stammte und der wie Hermann gerade noch rechtzeitig die Flucht gelungen war: Merri/Mary Gidansky (geb. 25.05.1911 in Aurich, gest. 14.03.2002 in Chicago), Tochter des Auricher Kaufmanns Carl Gidansky. Das Paar bekommt eine Tochter, Carol.

Am 24. Juli 1974 verstirbt Hermann an einem Herzinfarkt. Er wurde 66 Jahre alt.

Recherche: Sandra Weferling (Stand: 31.01.2013)
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
Foto: Hermann Knurr mit Mitgliedern der Familie Samson
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 107, Nr. 2488; Rep. 109E, Nr. 4/1.
Literatur: Hans J. Sternberg: Von Ostfriesland nach Louisiana. Flucht einer jüdischen Familie, Auszug des Buches „We were merchants“, hrsg. v. Rainer Wehlen und der DIG, Aurich 2012;
Johannes Diekhoff: Die Auricher Judengemeinde, in: Aurich im Nationalsozialismus, hrsg. v. Herbert Reyer (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, Bd. 69), 247-299;
Gerd D. Gauger: Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002;http://articles.chicagotribune.com/2002-03-18/news/0203180102_1_baton-rouge-chicago-beth-shalom-synagogue
Patenschaft: Elsabe Kottmeyer
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

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