Magnus Wolff

Veröffentlicht: 27. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Magnus WOLFFMagnus Wolff
geboren am 16. Mai 1902 in Aurich

 

 

 

Straße: Lilienstraße 9
Todesdatum: Unbekannt, Deportation nach Auschwitz 18.09.1942
Todesort: Auschwitz
In der Lilienstraße 9 wohnte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Familie von Henriette und Selke Levy gen. „Selly“ Wolff. Das Haus gehörte Selly Wolff seit er es 1895 von Wolf Samson erwarb. Henriette und Selly Wolff hatten zusammen 12 Kinder. Nur 3 ihrer Kinder überleben den Völkermord an den Juden.

Henriette von der Walde (Lt. Geburtenregister 1844-1931: „van der Walde“) wurde am 24. Juli 1875 als einziges Kind von Magnus Abraham von der Walde (1848 – 1932) und Karoline Gütel Levy, geb. Wolf (1853 – 1917) in Aurich geboren.
Henriette heiratete am 4.12.1894 im Alter von 19 Jahren den Schlachter und Viehhändler „Selly“ Wolff (1863 -1930).
Selly Wolff war das jüngste von sieben Kindern von Levy (1818-1869) und Eva Wolff (1825-1901). Sein älterer Bruder Abraham wohnte mit seiner Familie gegenüber in der Lilienstraße 12.
Selly Wolff war ein nicht nur in der Stadt Aurich, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannter Viehhändler und Schlachter, der regelmäßig in den „Ostfriesischen Nachrichten“ sein „Ausstellungs- Fleisch, Das Beste vom Besten“ annoncierte. Seine Enkeltochter, Hannelore Wolff, die heute in den USA lebende Laura Hillman, die den Völkermord überlebte, weil ihr Name auf Schindlers Liste gesetzt wurde, erzählt in ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ /Ich werde Dir einen Fliederbaum pflanzen“, dass sie im KZ Brünnlitz auf einen SS-Wachmann aus Moordorf traf, der sie zunächst schikanierte, dann aber, als ihr ein Plattdeutsches Wort herausrutschte, freundlicher wurde und erzählte, dass er in Ostfriesland einen Viehhändler namens Selly Wolff gekannt habe. Hannelore wagt es damals nicht, sich als dessen Enkeltochter erkennen zu geben.

In einer Mail berichtet Laura Hillman über ihren Großvater, dass er immer hilfsbereit gewesen sei und anderen oft aus finanziellen Schwierigkeiten geholfen habe, oft so, dass diese nicht bemerken konnten, woher die Hilfe kam.

Kalli Gramberg erzählt im 3. Band seiner Rückblicke auf die Auricher Geschichte über den Schlachter Selly Wolff folgende Anekdote: „Als seine vielen Kinder noch klein waren, saßen sie oft auf den Steinen des Bürgersteigs. Selly rief: “Jonni, Luti, Abi“ (usw.)“wollt ihr wohl mit de blode Moors von de kalte Schteine ab!“

Selly Wolff verstirbt am 23. August 1930. Seine Söhne Ludwig , Magnus und Abraham, die schon 1926 als Schlachter und Viehhändler in der Lilienstraße 9 aufgelistet werden, führen das Geschäft ihres Vaters unter seinem Namen weiter.

Magnus Wolff, geboren am 16.05.1902, ist das 6. Kind von Selly und Henriette Wolff, geb. von der Walde. Magnus arbeitet zunächst bei seinem Vater als Schlachter und Viehhändler.
Magnus zieht 1926 nach Hamburg und 1938 nach Bremen. Von dort flieht er nach Frankreich. Er wird verhaftet und am 18.09.1942 von dem 20km nordöstlich von Paris gelegenen Sammel- und Durchgangslager Drancy aus nach Auschwitz deportiert. Hier verliert sich seine Spur.
Von Drancy aus wurden 65.000 überwiegend französische Juden nach Auschwitz deportiert. Die meisten von Ihnen wurden ermordet oder starben an den katastrophalen Umständen des Transports, der Unterbringung und Behandlung.
Auch Magnus Wolff ist in Auschwitz ermordet worden.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 9.11.2012)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur: Gerd-D. Gauger, Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002, S. 73;
Kalli Gramberg, Aurich von C. B. Meyer bis auf unsere Tage, Drittes Buch , Aurich 1996;
Patenschaft: Hilmar Dunkmann
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

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