Daniel Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Wolff, DanielDaniel WOLFF
geboren am 18. Oktober 1895 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 28. September 1944)
Todesort: Auschwitz
Daniel Wolff wird am 18. Oktober 1895 in Aurich geboren. Er ist das achte von neun Kindern des Schlachters und Viehhändlers Samuel Wolff und dessen Ehefrau Caroline, geborene Löwenthal. Daniel tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wird wie dieser Schlachter und Viehhändler.

Am 19. Februar 1920 heiratet Daniel Henny Hartogsohn, die Tochter von Asher Elias Hartogsohn und dessen Frau Sara, geb. Hartogsohn in Emden. Das junge Paar lässt sich nach der Hochzeit in Aurich nieder, und hier werden auch die vier Kinder von Daniel geboren: Am 5. Februar 1921 kommt Tochter Caroline zur Welt, eineinhalb Jahre später folgt die zweite Tochter Senta Sara, die mit Zwischennamen nach ihrer Großmutter benannt wird. Wieder eineinhalb Jahre darauf, genau am Hochzeitstag von Daniel und Henny am 19. Februar 1924, wird ihr erster Sohn Ernst geboren, der sich heute nach seinem Großvater Asher nennt. Am 8. Mai 1929 erblickt schließlich das Nesthäkchen der Familie das Licht der Welt: Sohn Helmut.

Die junge Familie wohnt in Aurich zunächst in der Fockenbollwerkstraße Nr. 12, später Nr. 16. Am 29. April 1936 erfolgt schließlich der Umzug in das Haus in der Wallstraße 56, wo die Stolpersteine verlegt werden. Die Familie hat die gesamte obere Etage mit sieben Räumen gemietet. Bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten laufen die Geschäfte von Daniel offenbar gut, davon zeugen beispielsweise die zahlreichen Hausmädchen, die auf der Einwohnermeldekarte vermerkt sind und die Henny zur Hand gehen.

Die positive Situation der Familie änderte sich jedoch rasch nach dem 30. Januar 1933, denn die Familie hatte nun wie alle übrigen Angehörigen der jüdischen Gemeinde unter den Schikanen und Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden. Daniel muss seinen Betrieb als Schlachter und Viehhändler aufgeben – auf einer Aufstellung aus dem Jahre 1939 ist vermerkt, dass er als „Arbeiter“ tätig sei. Mehrere Brüder von Daniel wandern bereits mit Machtantritt der Nationalsozialisten mit ihren Familien aus: Jonas emigriert in die USA, Hermann und Levi (Louis) in die Niederlande. Spätestens ab der Pogromnacht am 9. November 1938 macht sich auch Daniel Gedanken darüber, Deutschland zu verlassen: Wie alle erwachsenen männlichen Juden wird in der Pogromnacht auch Daniel zunächst verhaftet und zur Bullenhalle in der Emder Straße gebracht. Hier müssen die Männer Exerzierübungen machen und zur Erheiterung der Anwesenden Gebete und Lieder singen. Am Morgen werden sie dann zum Ellernfeld gebracht, wo sie den ganzen Tag lang unsinnige Erdarbeiten und weitere Marschierübungen ausführen müssen. Erst am Abend bringt man die Männer ins Auricher Gefängnis und gibt ihnen zu trinken und zu essen, wobei viele Sorge haben, das angebotene Essen zu sich zu nehmen, da das Fleisch wohl nicht koscher war. Am nächsten Morgen werden die Verhafteten ins KZ Sachsenhausen verbracht, von wo die meisten erst im Laufe des Januar 1939, teilweise schwerstkrank, zurückkehren.

Daniel hat noch einmal Glück – er gehört zu den wenigen Männern, die nach der Nacht im Gefängnis freigelassen werden. Der Grund für die Freilassung ist, dass Daniel im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war. Der Umstand, dass der Familie kein Haus gehörte, spielte aber möglicherweise auch eine Rolle, denn die Verhaftung und Verschleppung der Familienväter und somit „Ernährer“ zielte darauf ab, die Juden endgültig finanziell zu ruinieren und zum Verkauf ihres Besitzes zu zwingen.

Spätestens die Erlebnisse dieser Tage haben Daniel die Augen geöffnet – möglicherweise hatte er zuvor, wie viele andere Juden auch geglaubt, er und seine Familie seien aufgrund seines Engagements im Ersten Weltkrieg vor zu weitgehenden Übergriffen gefeit. Kurz nach der Pogromnacht schickt Daniel seinen vierzehnjährigen Sohn Ernst in die Niederlande zu seinem Bruder Hermann. Er selbst plant, mit seiner Frau und dem zehnjährigen Sohn Helmut nachzukommen, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht diese Pläne letztendlich zunichte.

Als alle jüdischen Einwohner Aurichs Anfang 1940 die Aufforderung erhalten, Ostfriesland bis zum 1. April zu verlassen, ziehen Daniel und Henny nach Dortmund, in die Märkische Straße 70, um. Später sind sie unter der Adresse Ostenhellweg 41 gemeldet. Da sie nicht wissen, ob und wann sie eine ausreichend große Unterkunft finden, wird der elfjährige Helmut in Köln, vermutlich in einem jüdischen Kinderheim, untergebracht. Viele Kinder aus Ostfriesland wurden damals vorübergehend nach Köln oder Hildesheim geschickt. Daniels Töchter Caroline und Senta wohnen zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Aurich: Caroline lebt in Frankfurt und Senta auf dem Gehringshof bei Fulda, wo sie sich auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet.

Sowohl Helmut als auch Senta ziehen wieder zu ihren Eltern nach Dortmund, wobei das genaue Datum hierfür nicht bekannt ist und einiges dafür spricht, dass Senta unter einer anderen Adresse als ihre Eltern gemeldet war: Senta wird bereits am 30. April 1942 nach Zamosc deportiert, hier verliert sich ihre Spur.

Daniel, seine Frau Henny und ihr Sohn Helmut werden am 29. Juli 1942 von Dortmund aus nach Theresienstadt deportiert. Sie leben über zwei Jahre in dem Ghetto und treffen dort sogar Ernst wieder, der nach der Besetzung Hollands über Westerbork nach Theresienstadt deportiert worden war. Ernst bleibt jedoch nur drei Monate in Theresienstadt und wird ins Arbeitslager nach Auschwitz verbracht.

Am 28. September 1944 muss sich Daniel von seiner Frau und seinem Sohn Helmut verabschieden: Er wird von Theresienstadt nach Auschwitz, ins Vernichtungslager, deportiert. Er wird dort vermutlich direkt nach seiner Ankunft ermordet. Daniel wurde 58 Jahre alt. Sein Sohn Helmut und seine Frau Henny werden nur acht Tage nach ihm nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls umgebracht. Lediglich zwei seiner Kinder, Ernst und Caroline, überleben den Holocaust.

 

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943

http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014

http://www2.holocaust.cz/de/victims/PERSON.ITI.696814, Zugriff vom 12.10.2014

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=5628610&language=en

http://www.statistik-des-holocaust.de/X1-4.jpg, Zugriff vom 15.12.2014

 

Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014

https://stolpersteineaurich.wordpress.com/1914/12/08/levi-louis-wolff/, Zugriff vom 3.12.2014

http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10.10.2014

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

 

Patenschaft: Ulrich Rehwald
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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