Ernst Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Wolff, Ernst

Ernst/Asher WOLFF
geboren am 19. Februar 1924 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum:
Todesort: überlebt
Ernst Wolff wird am 19. Februar 1924 in Aurich geboren. Er ist der Sohn des Viehhändlers Daniel Wolff und dessen Frau Henny, geborene Hartogsohn. Ernst hat zwei ältere Schwestern, Caroline und Senta, die drei bzw. eineinhalb Jahre älter sind als er. Als Ernst viereinhalb Jahre alt ist, wird sein Bruder Helmut geboren.
Die Kinder wachsen in Aurich behütet auf, die Familie Wolff ist in Aurich „alteingesessen“ und Ernsts Vater Daniel hat eine ganze Reihe von Geschwistern, die in Aurich und der näheren Umgebung leben. Die Familie wohnt zunächst in der Fockenbollwerkstraße Nr. 12, später in Nr. 16. Die Geschäfte des Vaters laufen gut, sodass Henny, Ernsts Mutter, im Haushalt regelmäßig von Hausmädchen unterstützt wird.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ändert sich diese positive Situation grundlegend: Noch im selben Jahr wird ein Gesetz erlassen, dass das Schächten von Tieren verbietet und damit Ernsts Vater die Ausübung seines Berufes unmöglich macht. Drei von Ernsts Onkeln verlassen Deutschland bereits in jenem Jahr: Jonas emigriert in die USA, Hermann und Levi (genannt Louis) ziehen in die Niederlande.

Daniel, Ernsts Vater, bleibt mit seiner Familie jedoch zunächst in Aurich, er ist nach der Aufgabe seines Betriebes als Arbeiter tätig. Da er im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, hofft er möglicherweise auch, dass ihm und seiner Familie zu weitgehende Schikanen erspart bleiben.
1936 zieht die Familie in das Haus in der Wallstraße 56 um, hier bewohnen die Wolffs fortan die gesamte obere Etage. Bald nach dem Umzug ziehen Ernsts Schwestern kurz nacheinander aus: Caroline geht nach Frankfurt und Senta beginnt bei Familie Sternberg als Hausmädchen.

Die Ereignisse des 09. November 1938 beweisen jedoch Daniel, dass seine Familie in Deutschland nicht mehr sicher ist. Daniel und Henny beschließen daher, Ernst ins Ausland zu schicken, sie selbst wollen später mit Helmut, ihrem jüngsten Sohn, nachkommen. Ernst zieht daher im Dezember 1938 zu seinem Onkel Hermann und dessen Familie nach Haren in die Niederlande. Ernsts Eltern bemühen sich zudem, für ihren vierzehnjährigen Sohn einen Platz in einem Ausbildungsgut zu bekommen, denn mit einer abgeschlossenen landwirtschaftlichen Ausbildung hatte man die Möglichkeit, von der britischen Regierung die Genehmigung für eine Einwanderung nach Israel zu erhalten. Der Krieg und die Besetzung der Niederlande machen jedoch sämtliche Pläne zunichte.

Im Juli 1942 wird Ernst gemeinsam mit der gesamten Familie seines Onkels – seiner Tante Jeanette und seinen Cousins Adolf, Siegbert, Louis, Ewald und Werner – ins Lager Westerbork verbracht und dort für über eineinhalb Jahre inhaftiert.

Im Januar 1944 wird Ernst von Westerbork nach Theresienstadt deportiert, wo er seine Eltern und seinen Bruder Helmut wiedersieht: Nachdem im Februar 1940 der Befehl erteilt worden war, dass alle Juden Ostfriesland bis zum 1. April 1940 zu verlassen hatten, waren Daniel, Henny und Helmut Wolff nach Dortmund übergesiedelt. Von dort waren sie am 29. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Das Wiedersehen mit seinen Eltern und seinem Bruder war jedoch nicht von langer Dauer, denn er wurde bereits im April 1944 nach Auschwitz deportiert.

Im Juli 1944 geht seine Odyssee weiter: Ernst wird ins KZ-Außenlager Schwarzheide nördlich von Dresden gebracht, wo er als Zwangsarbeiter dazu eingesetzt wird, die durch alliierte Bombardierung zerstörte Braunkohlen- und Benzin AG (Brabag, heute BASF) wieder in Stand zu setzen. Für diese Arbeit waren 1000 Häftlinge aus Auschwitz angefordert worden – im April 1945 werden die Arbeiten für die Häftlinge überraschend eingestellt: Die zu diesem Zeitpunkt noch lebenden rund 600 Gefangenen werden am 18. April auf einen Todesmarsch nach Theresienstadt geschickt. Als sie am 8. Mai 1945 dort ankommen, lebt nur noch ein Drittel der Häftlinge, rund 400 Menschen starben an Krankheit und Erschöpfung oder waren unterwegs vom Wachpersonal erschossen worden. Der inzwischen zwanzigjährige Ernst ist bei der Ankunft in Theresienstadt auf 27 Kilogramm Körpergewicht abgemagert und schwer an Tuberkulose erkrankt.

Nach seiner Genesung kehrt er in die Niederlande zurück, wo er erfährt, dass einzig seine Schwester Caroline den Holocaust überlebt hat – ihr war noch im August 1940 die Auswanderung nach Palästina geglückt. Die Familie seines Onkels Hermann wurde vollständig ausgelöscht. Ernst tritt in den Niederlanden in ein Ausbildungszentrum nahe Utrecht ein, um sich auf eine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Hier lernt er Riwka Meefout kennen, die er später heiraten sollte.
1946 emigrieren Ernst und Riwka gemeinsam nach Palästina, wie schon Ernsts Schwester Caroline auf illegalem Wege: Noch immer war die Einwanderung nach Palästina von der britischen Regierung beschränkt, die Situation sollte sich erst mit der Gründung des Staates Israel 1948 verbessern.

Das Schiff „Biriah“, das Ernst und Riwka nach Palästina bringen soll, wird jedoch von den Briten aufgebracht und beide werden zunächst für sechs Wochen im Lager Atlit festgehalten – dem gleichen Lager, in dem sechs Jahre zuvor bereits Ernsts Schwester Caroline interniert war. Nach ihrer Freilassung lassen sich Ernst und Riwka zunächst im Kibbuz Kfar Giladi nieder, 1949 ziehen sie nach Moshav Regba und später nach Kiryat Bialik. Das Paar bekommt drei Söhne. Ernst ändert seinen Vornamen: Nach seinem Großvater, dem Vater seiner Mutter Henny, nennt er sich Asher. Den größten Teil seines beruflichen Lebens ist er für die israelische Marine tätig, später arbeitete er zudem als ziviler Angestellter für die israelische Armee (IDF).

Asher ist heute 91 Jahre alt und lebt in einem Altenheim in Haifa. Seine Frau Riwka starb nach 68 gemeinsam verbrachten Jahren im Oktober 2014, Asher vermisst sie sehr.
In einem Telefongespräch im Januar 2015 erklärte er, wie wichtig es für ihn sei, dass in Aurich Stolpersteine verlegt werden: Keinen Tag seines Lebens habe er vergessen können, was ihm und seiner Familie damals angetan worden sei, und es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Etwas Derartiges darf sich niemals wiederholen.

 

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943

http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014

 

Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014

http://www.schoah.org/schoah/todesmarsch.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Au%C3%9Fenlager_Schwarzheide

http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://de.wikipedia.org/wiki/Atlit

http://www.hagalil.com/israel/geschichte/palaestina-5.htm

https://stolpersteineaurich.wordpress.com/1914/12/08/levi-louis-wolff/, Zugriff vom 3.12.2014

 

Patenschaft: Elfriede u d Günther Lübbers
Verlegetermin: 27. Januar 2015

 

 

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