Henny Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Henny Wolff gebHenny WOLFF geb. Hartogsohn
geboren am 29. August 1891 in Emden

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 6. Oktober 1944)
Todesort: Auschwitz
Henny Wolff wird am 29. August 1891 in Emden geboren. Sie ist die Tochter von Asher Elias Hartogsohn und dessen Frau Sara, geb. Hartogsohn. Am 19. Februar 1920 heiratet Henny in Emden den Schlachter und Viehhändler Daniel Samuel Wolff aus Aurich. Das junge Paar lässt sich in Aurich nieder, wo Daniel, dessen Vater Samuel und mehrere Brüder von Daniel als Schlachter und Viehhändler tätig sind. Henny und Daniel leben in Aurich zunächst in der Fockenbollwerkstraße 12, später in der Fockenbollwerkstraße 16 zur Miete.

Rund ein Jahr nach der Eheschließung wird das erste Kind der beiden geboren: Am 5. Februar 1921 erblickt Tochter Caroline das Licht der Welt. Sie wird nach Daniels Mutter benannt. Senta Sara, die eineinhalb Jahre später geboren wird, bekommt als Zwischennamen den Namen von Hennys Mutter. Am 19. Februar 1924, dem Hochzeitstag von Henny und Daniel, wird dann Sohn Ernst geboren und das Nesthäkchen Helmut kommt schließlich fünfeinhalb Jahre später, am 8. Mai 1929 zur Welt. Die Geschäfte von Daniel scheinen in den zwanziger Jahren gut zu laufen, denn auf der Einwohnermeldekarte ist vermerkt, dass Henny im Haushalt von Hausmädchen und Dienstmädchen unterstützt wird.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten muss sich diese gute Situation jedoch grundlegend geändert haben – nicht nur, dass die Familie wie die übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde unter zahlreichen Repressalien und Schikanen zu leiden hatte: Die Schächtmesser der jüdischen Schlachter waren verbrannt worden, ab dem 1. Mai 1933 war das Schächten gesetzlich verboten. Die jüdischen Schlachter konnten ihren Beruf nun nicht mehr ausüben. Hennys Mann Daniel muss seinen Betrieb schließen, er ist später als Arbeiter tätig.

Am 29. April 1936 zieht die Familie in das Haus in der Wallstraße 56 und mietet dort die obere Etage, insgesamt sieben Räume. Kurz nach dem Umzug verlassen die beiden Töchter den Haushalt endgültig: Caroline, die bereits ein Jahr in Wolfratshausen gearbeitet hatte, zieht nach Frankfurt, und Senta geht „in Stellung“ bei Familie Sternberg, später arbeitet sie als Hausmädchen bei Knurrs – beide Kaufmannsfamilien sind durch die Hochzeit von Lea Knurr und Erich Sternberg miteinander verwandt.

Die Pogromnacht am 9. November 1938 war in mehrerer Hinsicht ein Schock für Henny: Nicht nur, dass in dieser Nacht die Auricher Synagoge niedergebrannt wird, ihr Mann Daniel wird verhaftet und einen Tag und zwei Nächte hindurch gefangen gehalten und gedemütigt. Da Daniel jedoch im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet worden war, wird er am 11. November morgens wieder freigelassen.

Henny und Daniel wird klar, dass sie, wie bereits mehrere Brüder von Daniel, Deutschland verlassen sollten. Zunächst schicken sie ihren vierzehnjährigen Sohn Ernst in die Niederlande, zu Daniels Bruder Hermann. Aus einem Brief von Henny, der erhalten geblieben ist, wird deutlich, dass Henny und Daniel verzweifelt versuchten, für Ernst einen Platz auf einem Lehrgut zu erhalten: Sie wollten, dass ihr Sohn auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet wird. Senta, Hennys jüngere Tochter, hatte einen solchen Platz auf dem Gut Gehringshof bei Fulda bereits gefunden. Auch Henny und Daniel haben vor, mit ihrem jüngsten Kind Helmut zumindest in die Niederlande auszuwandern. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges macht jedoch alle Pläne zunichte.

Zu Beginn des Jahres 1940 erhalten Henny und ihr Mann die Aufforderung, Ostfriesland innerhalb der nächsten sechs Wochen, bis zum 1. April des Jahres, zu verlassen. Da sie nicht wissen, wo sie unterkommen werden – es war zu dieser Zeit sehr schwer für Juden, Wohnungen zu mieten – wird der elfjährige Helmut allein nach Köln geschickt, vermutlich in ein jüdisches Kinderheim. Die jüdische Gemeinde hatte diese Möglichkeit organisiert, um zumindest die Kinder ordentlich unterzubringen. Für Henny muss es sehr schwer gewesen sein, sich nun auch von ihrem jüngsten Kind auf unbestimmte Zeit zu verabschieden.

In Dortmund sind Henny und Daniel zunächst in der Märkischen Straße 70 gemeldet, später wohnen sie im Ostenhellweg 41, hier ist schließlich auch Helmut gemeldet. Auch Tochter Senta kehrt zur Familie zurück, sie wohnt aber sehr wahrscheinlich nicht mit den Eltern zusammen in Dortmund. Am 30. April 1942 muss Henny sich von ihrer Tochter Senta verabschieden: Diese wird von Dortmund aus nach Zamosc bei Lublin deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Henny, Daniel und Helmut werden drei Monate später ebenfalls deportiert: Sie werden zunächst nach Theresienstadt gebracht, wo sie Ernst wiedertreffen. Ernst war mit der Familie seines Onkels Hermann nach der deutschen Besetzung von Holland verhaftet und schließlich über das Lager Westerbork deportiert worden.

Am 28. September 1944 muss sich Henny von ihrem Mann trennen – sie sollte ihn nie wiedersehen. Daniel wird von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich direkt nach seiner Ankunft ermordet. Henny und ihr Sohn Helmut werden nur acht Tage später, am 6. Oktober 1944, ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Von beiden fehlt seither jede Spur, auch sie wurden sicher kurz nach ihrer Ankunft getötet. Henny Wolff wurde 53 Jahre alt.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Häuser in jüdischem Besitz, Juni 1939; Rep. 248, Nr. 943

http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp? book=133459&lang=eng&site=gfh, Zugriff vom 12.10.2014

http://www2.holocaust.cz/de/victims/PERSON.ITI.697568, Zugriff vom 12.10.2014

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=495472&language=en

http://www.statistik-des-holocaust.de/X1-4.jpg, Zugriff vom 15.12.2014

Literatur: http://records.ancestry.com/henny_hartogsohn_records.ashx?pid=76251347, Zugriff vom 12.10. 2014

http://de.wikipedia.org/wiki/Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://fuldawiki.de/fd/index.php?title=Gehringshof, Zugriff vom 3.12.2014

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10.10.2014

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

Patenschaft: Ida Fangmeyer
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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