Karoline Käthe Hess

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hess, Karoline KätheKaroline (Käthe) HESS
geboren am 20. Juni 1901 in Dornum

 

 

 

Straße: Wallstraße 56
Todesdatum: 3. Mai 1942
Todesort: Litzmannstadt/Lodz
Karoline Hess wird am 20. Juni 1901 in Dornum geboren. Sie ist die Tochter des Schlachters und Viehhändlers Moses Hess und dessen Frau Bertha, geborene Wolffs. Die Familie ist sehr groß und hat insgesamt dreizehn Kinder, Karoline hat zehn ältere und zwei jüngere Geschwister. Die Familie lebt in Dornum in der Bahnhofsstraße 150, dort betreibt der Vater auch seine Viehhandlung mit angeschlossener Schlachterei. Die Familie ist in Dornum gut integriert, ihr Vater ist u.a. Mitglied im Schützenverein – und war sogar 1920 Dornumer Schützenkönig.

Karoline hat eine leichte geistige Behinderung und heiratet nicht. Sie arbeitet als Hausmädchen und zieht daher am 7. Juli 1936 nach Aurich. Ihre erste Station ist das Haus in der Wallstraße 56, hier wohnt sie für etwas über ein Jahr, bis zum 1. Dezember 1937, bei ihrer Cousine Bertha Gottheim/Wolff. Es folgt eine Anstellung bei Familie Wolff im Breiten Weg 8, die mit den hier im Haus wohnenden Wolffs verwandt sind, und ab dem 1. April 1938 wohnt Karoline, die meist Käthe genannt wird, in der Marktstraße 2. Im November 1939 wohnt sie schließlich wieder in der Wallstraße, dieses Mal im Haus Nr. 14.

Als sie wie alle jüdischen Einwohner Aurichs im Februar 1940 die Aufforderung erhält, die Stadt bis zum 1. April zu verlassen, siedelt Karoline nach Emden über: In der Schoonhovenstraße gibt es ein jüdisches Altenheim. Hierhin und in das andere jüdische Altenheim in der Claas-von-Tholen Straße werden die alten, sehr gebrechlichen Juden verbracht. Karoline ist zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt und wird nicht als Bewohnerin des Altenheims dort gelebt haben, sondern hat möglicherweise im Altenheim als Haushaltshilfe gearbeitet. Die Bewohner der Altenheime sind die letzten Juden, die schließlich noch in Emden leben.

Am 18. Oktober 1941 werden die Emder Juden zum Altenheim in der Claas-von-Tholenstraße gebracht, wo ihre Namen aufgenommen werden. 23 sehr gebrechliche Personen, die nicht mit dem Zug transportiert werden können, werden am 22. Oktober mit einem Omnibus in das jüdische Altenheim in Varel und später weiter nach Theresienstadt deportiert. Karoline gehörte zu den übrigen Menschen, die Emden am Tag darauf, dem 23. Oktober, verlassen müssen: Per Eisenbahn werden Karoline und 121 weitere Emder Juden über Berlin nach Litzmannstadt/ Lodz deportiert.

Die Lebensbedingungen im Ghetto sind katastrophal, die Menschen müssen in baufälligen Wohnungen mit mangelhaften sanitären Anlagen leben, es gibt nicht genügend Brennmaterial und und viel zu wenige Lebensmittel. Immer wieder brechen Typhusepidemien aus. Das Ghetto ist bereits überbelegt, als im September 1941 beschlossen wird, weitere 20.000 Menschen, unter ihnen Karoline, dorthin zu deportieren. Als Karoline am 25. Oktober, nach zwei Tagen Zugfahrt und einem Marsch von vier Kilometern vom Bahnhof ins Ghetto, ihre neue Unterkunft schließlich sieht, muss sie entsetzt gewesen sein.

Trotz der schrecklichen Bedingungen und des harten Winters gelingt es Karoline zunächst, zu überleben – die Behandlung der Juden im Ghetto zielte darauf ab, dass möglichst viele durch Unterernährung und Krankheit zu Tode kamen, die Überlebenden wurden schließlich im angeschlossenen, nur 60 Kilometer entfernten Vernichtungslager Kulmhof (Chelmo) ermordet. Karoline stirbt am 3. Mai 1942 im Ghetto, nur einen Tag, bevor die dritte Vernichtungswelle in Kulmhof eingeleitet wird. Es ist unklar, auf welche Weise sie zu Tode kommt. Karoline wurde 41 Jahre alt.

 

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 16/1, Nr. 4412; Rep. 248, Nr. 953; Rep. 251, Nr. 612.
Literatur: Rolf Uphoff: Reise ohne Wiederkehr, Wege in das Grauen. Die Deportation der letzten jüdischen Bürger Emdens, Nordens und Aurichs, Emden 2011.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt, Zugriff vom 16.01.2015.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Dornum, Zugriff vom 13.12.2014.

http://www.alemannia-judaica.de/dornum_synagoge.htm, Zugriff vom 13.12.2014

http://www.emden-lodz.de, Zugriff vom 16.01.2015.

Patenschaft: Gisela Bergmann
Verlegetermin: 27. Januar 2015

 

 

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