Mirjam Hoffmann

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, MirjamMirjam HOFFMANN
geboren am 23. September 1929 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9.12.1942
Todesort: Auschwitz/Lodz
Mirjam Hoffmann ist das dritte und jüngste Kind von Friedrich Hoffmann und dessen Frau Rahel, geb. Wolffs. Sie wird am 23. September 1929 in Aurich geboren. Mirjam hat einen großen Bruder, Menno, der dreieinhalb Jahre älter ist als sie. Ihre ältere Schwester Jutta hat sie nie kennen gelernt – Jutta verstarb im Alter von 18 Monaten ein halbes Jahr vor Mirjams Geburt.

Die Familie lebt im Haus in der Wallstraße 16, dem Elternhaus von Mirjams Mutter Rahel. Im Haus wohnen neben Mirjam, ihren Eltern und ihrem Bruder auch Mirjams Tante Gelle sowie bis zu ihrem Tod 1931 Mirjams Großmutter Marianne. Da die Familien beider Eltern von Mirjam schon lange in Aurich leben, wohnen zudem viele weitere Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen von Mirjam in der Stadt oder der näheren Umgebung.

Mirjams Vater Friedrich ist Viehhändler, er hat sich wie ein Vater auf den Pferdehandel spezialisiert, und bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten laufen die Geschäfte gut, sodass Mirjams Mutter im Haushalt bis 1936 durchweg von Dienstmädchen unterstützt wird. Schon bald nach 1933 muss Mirjams Vater jedoch den Viehhandel aufgeben und die Situation für die Familie ändert sich nicht nur finanziell zum Schlechteren. Wie die übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben die Hoffmanns unter Schikanen und Repressalien zu leiden. Friedrich Hoffmann tut sein Bestes, um die Familie zu ernähren, er ist zunächst als Kohlenhändler und schließlich als Arbeiter tätig.

Als alle Auricher Juden Anfang 1940 aufgefordert werden, Ostfriesland zu verlassen, verkaufen Mirjams Eltern das Haus und beschließen, nach Berlin zu gehen. Allerdings wissen sie wie viele andere Familien nicht, ob sie schnell bzw. überhaupt eine Wohnung finden würden. Die jüdische Gemeinde in Aurich hatte daher gemeinsam mit anderen ostfriesischen und der Hildesheimer jüdischen Gemeinde eine Notlösung organisiert, um zumindest die Kinder der Vertriebenen sicher unterzubringen: In Hildesheim gab es eine jüdische Volksschule, die nun zu einem Kinderheim umfunktioniert wird. Am 20. Februar 1940 muss sich Mirjam von ihrem großen Bruder verabschieden – dieser wird von den Eltern nach Steckelsdorf, auf ein Ausbildungsgut, geschickt, wo er auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden soll. Zwei Tage später verlässt Mirjam selbst ihre Eltern und Ostfriesland und zieht nach Hildesheim um, sehr wahrscheinlich in das Kinderheim. Der Elfjährigen ist es sicher nicht leicht gefallen, sich auf unbestimmte Zeit von ihrer Familie zu trennen. Eine Aufnahme aus dem jüdischen Kinderheim „Am Lappenberg“ zeigt ein etwas schüchtern schauendes, aber breit lächelndes Mädchen, das mit großer Wahrscheinlichkeit als Mirjam Hoffmann identifiziert werden kann. Die Mitarbeiter im Heim haben sicher alles getan, um den Kindern den Aufenthalt so angenehm wie irgend möglich zu machen.

Es ist unklar, wann Mirjam zu ihren Eltern zurückkehren konnte, doch lebt sie spätestens ab März 1942 wieder in Berlin, in der Weinmeisterstraße Nr. 10, zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder. Am 9. Dezember 1942 müssen sich alle vier am Bahnhof Berlin-Moabit einfinden, einem Güterbahnhof. Von dort aus wird die Familie gemeinsam mit 996 anderen Menschen direkt nach Auschwitz deportiert. Der Zug kommt einen Tag später, am 10. Dezember, im Vernichtungslager an. Über Mirjams weiteres Schicksal ist nichts bekannt – sicher wurde sie bereits am Tag der Ankunft in Auschwitz ermordet. Mirjam wurde 13 Jahre alt.

 

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014

http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-8.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg

Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.html

Reyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232.

http://www.geni.com/people/Fritz-Hoffmann/5190405380500123758

http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014

Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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