Rachel Hoffmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 26. Mai 1915 von westermayer in Verlegung

Hoffmann, Rahel geb(1)Rachel HOFFMANN geb. Wolff
geboren am 23. September 1929 in Aurich

 

 

 

Straße: Wallstraße 16
Todesdatum: Unbekannt (Deportation nach Auschwitz am 9.12.1942
Todesort: Auschwitz/Lodz
Rachel Hoffmann wird am 19. August 1892 in Aurich geboren. Sie ist die Tochter des Viehhändlers David Levy Wolffs und dessen Frau Marianne, geb. van Oss. Die Familie ist sehr kinderreich: Rachel hat dreizehn Geschwister, allerdings versterben vier von ihnen bereits im Kleinkindalter. Am 10. Mai 1925 heiratet Rachel Friedrich Hoffmann, dessen Vater Meyer auch im Viehhandel tätig ist. Friedrich und Meyer Hoffmann haben sich jedoch auf den Pferdehandel spezialisiert.Das junge Paar zieht zunächst in die Leerer Landstr. Nr. 40 und bald darauf in die Norderstr. 11. Am 26. März 1926 bekommt Rachel ihr erstes Kind: Sohn Menno wird geboren. Rund eineinhalb Jahre später, am 15. Oktober 1927, kommt Töchterchen Jutta auf die Welt. Die junge Familie zieht nun in die Ukenastraße 2 in Aurich, das Haus gehört der Familie von Rachels Mann Friedrich. Finanziell geht es der Familie recht gut und Rachel wird im Haushalt von Dienstmädchen unterstützt.

Das Jahr 1929 muss für Rachel ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein: Ihre Tochter Jutta verstirbt am 13. Februar in Münster – zu diesem Zeitpunkt ist Rachel zugleich mit ihrem dritten Kind schwanger. Am 23. September wird Tochter Mirjam geboren. Kurz nach dem Tod von Jutta war die kleine Familie erneut umgezogen. Rachel, ihr Mann und ihr Sohn Menno zogen am 4. März 1929 in Rachels Elternhaus in der Wallstraße 16.

Die ursprünglich gute wirtschaftliche Lage der Familie muss sich nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten rasch eingetrübt haben. Rachels Mann Friedrich muss den Viehhandel aufgeben, er ist nacheinander zunächst als Kohlenhändler und letztlich als Arbeiter tätig. Dennoch gelingt es der Familie, das Haus zu halten. Erst als Rachel und ihr Mann wie alle übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde die Aufforderung erhalten, Aurich bis zum 1. April 1940 zu verlassen, verkauft ihr Mann das Haus.

Rachel und Friedrich ziehen nach Berlin, dort leben bereits zwei Schwestern von Rachel. Wie viele aus Ostfriesland vertriebene Juden hofft sicher auch Rachel auf eine zumindest etwas bessere Situation in einer größeren jüdischen Gemeinde in einer Großstadt. Langfristig scheinen Rachel und ihr Mann aber zumindest für ihre Kinder keine Zukunft in Deutschland gesehen zu haben, denn sie melden Menno zur Ausbildung auf dem jüdischen Umschulungsgut „Landwerk“ in Steckelsdorf an. Menno soll dort auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden. Auch von ihrer Tochter Mirjam muss sich Rachel beim Wegzug aus Aurich zumindest vorübergehend verabschieden. Auf der Einwohnermeldekarte ist vermerkt, die elfjährige Mirjam sei allein nach Hildesheim verzogen: Vermutlich lebt Mirjam dort im Kinderheim „Am Lappenberg“. Dort werden viele Kinder aus Ostfriesland zunächst untergebracht, bis ihre Eltern eine neue Bleibe gefunden haben. Rachel und Friedrich finden in Berlin eine Unterkunft in der Weinmeisterstr. 10 und holen Mirjam schließlich wieder zu sich. Spätestens ab Ende Mai 1942 lebt auch Menno wieder bei seinen Eltern, denn die Nationalsozialisten schließen das Ausbildungsgut. Die Familie ist somit im Sommer 1942 wieder vereint.

Am 9. Dezember 1942 müssen sich Rachel, ihr Mann Friedrich und ihre beiden Kinder am Bahnhof in Berlin-Moabit einfinden – einem Güterbahnhof. Sie werden von hier aus mit dem „Osttransport Nr. 24“ direkt nach Auschwitz deportiert. Der Zug kommt am 10. Dezember 1942 im Vernichtungslager Auschwitz an, Rachel und ihre Familie werden vermutlich noch am gleichen Tag ermordet.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 1..05.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Liste der Hauseigentümer Juni 1939; Rep. 251, Nr. 819; Rep. 107, Nr. 1268; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 249b, Nr. 208http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom 10. 10.2014http://www.statistik-des-holocaust.de/OT24-7.jpg, Zugriff vom 18.12.2014
Literatur: http://www.spurensuche-online.net/zeitzeugen/roberg/steckelsdorf.htmlReyer, Herbert: Das jüdische Kinderheim in Hildesheim am Lappenberg 1940-1942. Zwischenstation auf dem Weg in Deportation und Vernichtung, in: Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim Bd. 79 (2007), S. 219-232.http://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_Auschwitz/index.asp

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/artikel.240430.php, Zugriff vom 18.12.2014

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Moabit#Moabit_als_G.C3.BCterbahnhof, Zugriff vom 18.12.2014

Patenschaft: Markus Schulte-Hltzel
Verlegetermin: 27. Januar 2015

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