Josef Samson

Veröffentlicht: 1. Juni 1915 von westermayer in Verlegung

Josef SAMSON
geboren am 20. Dezember 1920 in Aurich

Straße: Wallstraße 22
Todesdatum: Überlebt den Völkermord
Todesort:
Josef Samson ist das zweite Kind der Eltern Abraham Joseph und Frieda geb. Wolff aus Sandhorst. Die Familie wohnt in der Wallstraße 22 und zuletzt kurzzeitig im Haus Emderstraße 16. Die Familie ist sehr religiös und beachtet alle Gesetze der Religion. Um sie herum viel weitere Verwandtschaft der beiden Elternteile.Wie alle jüdischen Kinder kann Josef nach der jüdischen Volksschule keine weitere Schul- oder Berufsausbildung in Aurich anschließen. Der Antrag auf Aufnahme in das Ulricianum wird abgelehnt. Er arbeitet bei einem Bauern als landwirtschaftliche Hilfskraft in der Erwartung, dass diese Fähigkeiten bei einem Pionierleben in Palästina wichtig sind.

In der Nacht des reichsweiten Pogroms als die Auricher Synagoge brennt und die anderen jüdischen Kultuseinrichtungen zerstört werden, wird Josef und sein Vater von marodierenden SA-Leuten gefangengenommen. Josef muss mit anderen Altersgenossen auf dem Ellernfeld schikanöse Turnübungen und Sandschaufeln unter dem Gejohle des zuschauenden Mobs aushalten. Später werden sie in der Viehhalle an der Emderstraße unter Schlägen zusammengetrieben, wo sich die Quälereien fortsetzen. Die Alten entlässt man abends, die Jungen, darunter Josef, werden am nächsten Tag unter Bewachung der beiden auricher Ortspolizisten per Bahn nach Oldenburg gebracht. Von dort geht es weiter mit anderen Gefangenen nach Oranienburg in das Konzentrationslager Sachsenhausen.

Sein Vater reist ihm nach und es gelingt ihm, seinen Sohn nach 13 Tagen gegen ein Lösegeld freizukaufen.
Aber Josef ist verändert. Sie sagten, er ist nicht mehr der gleiche wie vor 13 Tagen, er ist ein anderer. Sein Verstand scheint ohne Schärfe, ohne bestimmenden Ausdruck. Seine Äußerungen sind dumpf und müde. Er ist wohl mitteilsam und freundlich, aber seinen Vorstellungen fehlt jede Kraft und eigene Richtung. Er erholt sich nie wieder. „Was sie ihm in den 13 Tagen antaten, blieb mir und meiner Mutter und ihrer Schwester Herta unbekannt.“ [Samson Munn über seinen Onkel]

Nach einem halben Jahr am 12.04.1939 kommt er mit einem Kindertransport nach England, nach London. Er tritt in die britische Armee ein. Er will seine Muttersprache dort nützlich einsetzen. Er wird jedoch bald, zwar in Ehren, aber wegen psychischer Auffälligkeit entlassen. Denn er erweist sich als nicht genügend belastbar.

Er geht dann als Arbeiter zur British Railroad. Hier das gleiche Ergebnis. Er wird schon in seinen frühen Zwanzigern als arbeitsunfähig entlassen und frühverrentet. Er lebt den Rest seines Lebens in einem Wohnwagen, einem Trailer home. Er lebt von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe [on the dole]. Er heiratet nicht und hat auch keine Kinder. Er stirbt in hohem Alter an Darmkrebs.

Ich traf ihn zweimal, beide Male war ich schon erwachsen, einmal war meine Mutter [d. h. Josefs Schwester] dabei. Er war freundlich, sehr zuvorkommend, aber sein Geist war wirklich erloschen. Er sprach nicht von selbst in Sätzen, sondern nur in Beantwortung von Fragen, dann aber ohne Zögern. Wenn ich nichts fragte, dann verstrich eine lange Zeit, ohne dass er ein Wort sagte [Samson Munn].

 

 

Recherche:Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.05.2015)

Foto: – Geburtsurkunde Josef Samson
– Kennkarte Josef Samson v. 24.02.1939
– Familie Samson
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv,- Kennkarten Rep. Nds. Staatsarchiv

– Standesregister Standesamt Auricho

– Korrespondenz Samson Munn (Boston)

 

Literatur:
Patenschaft: Tim und Nele Jungenkrüger
Verlegetermin: 17. Juli 2014
Geburtsurkunde Josef Samson

Geburtsurkunde

Samson, Josef, geb. 20.12.1920 in Aurich

Kennkarte

 

 

 

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