Siegfried Samson

Veröffentlicht: 1. Juni 1915 von westermayer in Verlegung

Siegfried SAMSON
geboren am 4. April 1925 in Aurich

Straße: Wallstraße 22
Todesdatum: Unbekannt, Todesmarsch nach Theresienstadt April 1945
Todesort: Unbekannt, vermutlich Erzgebirge
Siegfried Samson ist das vierte und jüngste Kind der Eltern Abraham Joseph und Frieda geb. Wolff aus Sandhorst. Die Familie wohnt in der Wallstraße 22 und zuletzt kurzzeitig im Haus Emderstraße 16. Die Familie war sehr religiös, aß koscher und ging am Sabbat in die Synagoge. Um sie herum viel weitere Verwandtschaft.
Wie auch alle anderen jüdischen Kinder kann Siegfried nach der jüdischen Volksschule keine weitere Schul- oder Berufsausbildung anschließen. Er arbeitet von 1939 bis zur Ausweisung der Familie aus Aurich als landwirtschaftliche Hilfskraft bei einem Bauern in Ludwigsdorf: Zusammen mit seinen Altersgenossen Henry Hoffmann und Menno Cohen. Sie fahren mit dem Fahrrad dorthin.Am 27. Februar 1940 muss er zusammen mit seinen Eltern Aurich „aus militärischen Gründen“ verlassen und mithilfe der jüdischen Sozialversorgung in Berlin unterkommen. Die Eltern müssen Zwangsarbeit leisten, die älteste Schwester Grete lernt bereits Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus in Berlin-Gesundbrunnen. Die Familie will in die USA auswandern. Sie erhalten im Mai 1940 von der amerikanischen Botschaft aber nur eine Wartenummer. Nach Erinnerungen von Grete schließt sich Siegfried einer jüdischen Bildungseinrichtung an, welche ihn beruflich zur Emigration nach Israel vorbereiten soll. Er wird jedoch nach Dachau gebracht wo er erstmal nicht zurückkam.

Aus vergleichbaren Umgebungsereignissen kann man – aus Mangel sicherer Details – hilfsweise annehmen, dass Siegfried Samson nach Dachau wieder in der jüdischen Vorbereitungsorganisation bei Berlin gelebt und gearbeitet hat. Diese Einrichtungen konnten allerdings nach der Reichspogromnacht ihren Bildungszweck kaum noch erfüllen. Sie waren zuletzt reine landwirtschaftliche Zwangsarbeitslager unter ständiger Aufsicht der Gestapo. Im April 1943 wird es aufgelöst und die Insassen mit dem Transport 37 am 19. April 43 von Potsdam nach Auschwitz-Birkenau geschickt. Landwirtschaftliche Jugendliche galten in der Verwertungsmechanik der Judenvernichtung als besonders arbeitsfähig. Die Gruppe wird so in das Arbeitslager Monowitz überstellt. Siegfried Samson erhält die Häftlingsnummer 116965.
Als im Januar 45 die Rote Armee täglich dichter an das Lager anrückt, wird Siegfried Samson mit einem Massentransport nach Buchenwald verlegt. Am 23. 1. 45 trifft er dort ein. Er bekommt eine neue Haftnummer 119926 und wird als politischer jüdischer Häftling im Block 56 des „Kleinen Lagers“ untergebracht. Das kleine Lager wurde die Hölle von Buchenwald genannt.

Siegfried Samson wird am 6. 2. 45 nach Tröglitz-Rehmsdorf gebracht, einem Außenlager von Buchenwald. Dieses Konzentrationslager „Wille“ entstand zunächst als provisorisches Lager in Gleina und wurde später in Rehmsdorf eingerichtet und war Standort der kriegsindustriellen Braunkohleverflüssigung der BRABAG. Die Häftlinge schuften täglich zwölf Stunden bei völlig unzureichender Unterbringung und Versorgung, hauptsächlich in der Beseitigung von Bombardierungsschäden an den Anlagen. Siegfried Samson übersteht auch diese Strapazen. Sein Name findet sich nicht in den Sterbe- oder Rücküberstellungslisten nach Buchenwald (letztes ist gleichbedeutend mit Ermordung). Das Lager gilt heute als eines der brutalsten des Lagersystems überhaupt. Der Literaturnobelpreisträger Imre Kertész hat seine Erfahrungen dort im „Roman eines Schicksallosen“ beschrieben.
In der Nacht zum 7. April 1945 wird das Lager geräumt, die verbliebenen ca. 3000 Insassen mit dem Ziel KZ Theresienstadt in offene Kohlewaggons gepfercht. Es ist möglich, daß Siegfried Samson dabei war. Diesen Transport überleben 900 Häftlinge während der Fahrt nicht.
Der Transportzug erreichte erst am 15. April 1945 den Erzgebirgskamm. Auf dem Bahnhof Marienberg-Gelobtland zwingen amerikanische Jagdbomber den Zug zum Halten, was einige Häftlinge nutzen, um zu fliehen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 146 Häftlinge gestorben, die in einem Massengrab bestattet wurden. Während der Fahrt gelingt es einigen Häftlingen abzuspringen, und in die nahen Wälder zu fliehen. Vor dem Bahnhof Reitzenhain zerstören amerikanische Jagdbomber die Lokomotive. Viele Gefangene versuchen zu fliehen. Unter dem Kommando von Transportleiter SS-Oberscharführer Schmidt beteiligen sich Einwohner an der Jagd auf die Geflohenen. Dabei kommen weitere 388 Häftlinge ums Leben. Am nächsten Tag, dem 18. April 1945, befiehlt Schmidt den Fußmarsch Richtung Theresienstadt. Auf diesem Todesmarsch sterben weitere 354. Erst am 7. Mai wird der Rest bei Kaplitze von tschechischen Partisanen befreit.
Siegfried Samson ist nicht mehr darunter.

 

Recherche:Jörg Peter
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 27.05.2015)

Foto: – Geburtsurkunde Siegfried Samson
– Kennkarte Siegfried Samson v. 27.04.1939
– Familie Samson
– Befreite Häftlinge am 16. April 1945 im Block 56 des Kleinen Lagers. Foto Private Harry Miller der 166 Signal Photo Company.Gedenkstätte Buchenwald
Opfergruppe: Juden
Quellen: – ehem. Melderegister Stadt Aurich Rep. Nds. Staatsarchiv,- Kennkarten Rep. Nds. Staatsarchiv

– Standesregister Standesamt Auricho

– Korrespondenz Lothar Czoßek mit Vf.

– Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Archiv und ebenda.

Literatur: DER ORT DES TERRORS Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager Band 3 Sachsenhausen, Buchenwald dort im weiteren Lothar Czoßek KZ Wille, herausgegeben von Wolfgang Benz und Barbara Distel
Patenschaft: Andra Meinen
Verlegetermin: 17. Juli 2014
Geburtsurkunde Siegfried Samson

Geburtsurkunde Siegfried Samson

Samson, Siegfried, geb. 04.04.1925 in Aurich(1)

Kennkarte

Block 56 des Kleinen Lagers

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