Martin Wolff

Veröffentlicht: 27. Januar 2010 von westermayer in Verlegung

Martin Wolff - SteinMartin WOLFF
geboren am 24. September 1894 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: 12. März 1942
Todesort: Bernburg
Martin Wolff wurde am 24. September 1894 mit seinem Zwillingsbruder Abraham in Aurich als Kind von Wolff Abraham und Rosetta Wolff geboren. Er arbeitet im Viehhandel seines Vaters mit und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter. Martin dient im 1. Weltkrieg als Soldat. Er wird verwundet und erhält als Auszeichnung des Eiserne Kreuz. Als der Naziterror beginnt, glaubt er, dass diese Auszeichnung und seine Mitgliedschaft im „Frontkämpferbund“ ihn vor Repressalien schützen würden.
Martin heiratet Karoline Wolff und hat mit ihr fünf Kinder: Roesel, Hildegard, Hannelore, Wolfgang und Selly.
In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree” (2005) zeichnet die Tochter Hannelore ein liebenswertes Bild ihres Vaters.
Im Juli 1934 zieht Martin Wolff mit seiner Familie nach Sandhorst in ein Nebengebäude von Gut  Eschen.
Der Besitzer des Gutes, Menko Dieken, hatte schon immer mit jüdischen Viehhändlern zusammengearbeitet und sieht offensichtlich auch 1934 kein Problem darin, Räume auf dem  Gut an die jüdische Familie Wolff zu vermieten.  Die Familie Wolff organisiert in den folgenden Jahren Ferienaufenthalte für jüdische Großstadtkinder aus Bremen und Berlin, die von der „Kinderlandverschickung“ der Nazis grundsätzlich ausgeschlossen sind. Dies nehmen Nazis in Aurich 1938 zum Anlass, in Zeitungsartikeln gegen „diesen skandalösen Zustand“ zu polemisieren, eine Unterschriftenliste gegen diese „Belästigung“ zu organisieren und die Schließung des „Kinderheims“ sowie die Kündigung der Familie Wolff zu erzwingen. Am 27.09.1938 müssen Martin und Karoline Wolff mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly Gut Eschen verlassen und ziehen nach Aurich in die Marktstraße 4.
Auf Betreiben des Kreisbauernführers Trauernicht strengt der Landesbauernführer einen Prozess zur Aberkennung der „Bauernfähigkeit“ des Menko Dieken an. Dieser Prozess geht schließlich vor das Landeserbhofgericht in Celle, zieht sich über 2 ½ Jahre hin und endet zum Glück für Menko Dieken mit der Einstellung des Verfahrens.Am 10.10.1939 werden Martin Wolff mit Frau Karoline und Söhnen Wolfgang und Sally auf der Liste der im Kreis Aurich und Stadt Aurich gemeldeten Juden aufgeführt. Auch nach den traumatischen Erlebnissen des Terrors in der Reichspogromnacht bleibt die Familie in Aurich. Martin Wolff wird – vermutlich aufgrund seiner Kriegsverletzung  –  nicht wie die meisten jüdischen Männer nach der Pogromnacht in Sachsenhausen inhaftiert.
In der Zeit des zunehmenden Naziterrors gegen die jüdische Bevölkerung wird die Familie auseinandergerissen. Ihre beiden älteren Töchter Rösel und Hildegard können nach England bzw. Palästina auswandern. Hannelore, ihr 3. Kind, geht nach Berlin in eine jüdische Schule für Kindergärtnerinnen; die beiden Jungen Wolfgang und Sally werden nach Köln in ein jüdisches Kinderheim geschickt.

Im Februar 1940 müssen Martin und Karoline dann gezwungenermaßen Aurich verlassen.  Sie ziehen mit Karolines Mutter, Henriette Wolff (wohnhaft in der Lilienstraße 9), nach Weimar in die Kaiserin Augusta Straße 57, später in den Brühlplatz 6.
Am 23.01.1942 wird Martin Wolff in Weimar verhaftet und zunächst in Buchenwald inhaftiert. Er war unerlaubterweise als Jude mit einem Fahrrad gefahren. Da Martin aufgrund einer Kriegsverletzung  gehbehindert ist, konnte er nur so seine weiter entfernte Arbeitsstelle bei einem Kartoffelhändler erreichen.
Am 12.03.1942 wird Martin Wolff  im Alter von 47 Jahren in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
Dort wurden im Rahmen der  „Aktion 14f13“, in der Sprache des Nationalsozialismus auch als „Sonderbehandlung 14f13“  bezeichnet, kranke, alte und als „nicht mehr arbeitsfähig“  betitelte KZ-Häftlinge im Deutschen Reich in den Jahren 1941 bis 1944 ermordet. Als seine Frau Karoline in Weimar den Deportationsbefehl erhält, reist ihre Tochter Hannelore aus Berlin zu ihrer Mutter. Am 10. Mai 1942 muss sich Karoline mit ihren Kindern Hannelore, Wolfgang und Selly in der Viehauktionshalle von Weimar zur „Abfertigung“ einfinden – eine erniedrigende Prozedur.
Am 12.05.1942 erreicht der Zug Lublin mit 1.002 Deportierten.  Karoline lebt zunächst mit ihren Kindern im dortigen Ghetto und wird später nach Auflösung des Ghettos in Belzyce ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Die Tochter Hannelore kann den Völkermord überleben, da sie auf Schindlers Liste gesetzt wird. Die Söhne Wolfgang und Selly werden ermordet.

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:

 

– Martin Wolff und seine Frau Karoline Wolff, geb. Wolff
– Gut Eschen (ca. 1930)
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Arno Hedke
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

Gut Eschen 3 Foto C. Dieken 1929

Das Gut Eschen

Lilac Tree 3, S. 243

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