Betti Valk, geb. Cohen

Veröffentlicht: 18. November 2010 von westermayer in Verlegung

betti-valk-1913Betti COHEN
geboren am 16. Januar 1913 in Aurich

 

 

 

Straße: Lindenstraße 9
Todesdatum: 31. Dezember 1943
Todesort: Australien
Betti Cohen verh. Valk wird als viertes Kind von Jakob Abraham Cohen und seiner Frau Jette geb. Hess geboren. Ihre Familie wohnte in der Marktstraße  16. Für sie ist ein Stolperstein in der Lindenstraße 9 verlegt. Sie zieht 1936 ebenso wie andere Familienmitgliederin die Niederlande nach Wildervank. Dort heiratet sie Jacob Valk (8.04.1911-1945) und hat mit ihm eine Tochter Roosje (*1.08.1937). Die Familie wird am 4.10.1942 in Westerbork interniert, am 4.09.1944 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz (Jacob 29.9.1944, Betti und Roosje 4.10.1944).
Ihr Vater Jakob Abraham Cohen wird am 24. Januar 1877 in Aurich geboren. Er ist das erste von vier Kindern seiner Eltern Abraham Jacob Cohen (1842–1933) und Betti geb. Driels (1848–1891). Seine Schwestern Friederike (1878–1933) und Caroline (1888–1942) ziehen nach Holland, sein Bruder Wolf Wilhelm Abraham Cohen (1881-1935) lebt in Aurich, arbeitet als Schlachter und gründet eine Familie.Jakob Abrahams Ehefrau Jette Hess ist das 4. von 13 Kindern ihrer Eltern Moses Hess (1861-1932) und Bertha Hess geb. Wolffs (*1863). Eine Schwester von Jette, Eva Hess (*1893), heiratet einen Bruder von Jakob Abraham Cohen, Wolff Wilhelm Cohen (1881-1935).

Jakob Abraham Cohen und seine Frau Jette haben zusammen sechs Kinder: Ihr erstes Kind, Moses Jacob Cohen (*14.09.1909) stirbt schon im Alter von 2 Jahren. Danach werden noch fünf Kinder geboren: Abraham Jakob  (4.10.1910  Aurich – 4.06.1995 Quito, Equador), Moritz Moses Jakob (20.11.1911 Aurich – 1943), Betti verh. Valk (16.01.1913 Aurich – 6.10.1944 Auschwitz), Wolff Wilhelm (4.01.1915 Aurich – 31.12.1943  Australien) und Josef (25.03.1917 Aurich – 26.06.1941 Neuengamme).

Die Ehe zwischen Jakob Abraham und Jette verlief offensichtlich nicht glücklich. Jakob Abraham Cohen berichtet später: „als er (1918) aus dem Krieg kam, habe er Joseph (sein jüngstes Kind, zu dem Zeitpunkt etwa 1 ½ Jahre alt) damals mit einem Kopfaussatz in einer Bremer Hautklinik gefunden, da seine Mutter ihn  vernachlässigte und alle Kinder im Stich ließ, als sie ihm damals durchgegangen war.“ Wohin Jette „durchgegangen“ ist, wissen wir nicht. Vermutlich gleich nach Italien, denn dort trifft sie 1936 ihren Sohn Abraham Jakob. 1940 hält sie sich in Mailand auf. Sie kann vor der Judenverfolgung in die USA fliehen und lebt mit ihrem zweiten Ehemann in Toledo, Ohio. Dort stirbt sie 1950.

Über die Lebensumstände von Jakob Abraham Cohen in Aurich wissen wir wenig. Seine Kinder verlassen ihn schon in jungen Jahren, so zog sein jüngster Sohn Josef 1929 im Alter von 12 Jahren in ein Lehrlingsheim in Düsseldorf und kam nicht wieder nach Aurich zurück.

Jakob Abraham Cohen emigriert im Juni 1937 in die Niederlande und heiratet in Hoogeveen am 17. August 1938 Eva van Gelderen.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen auch dort die Judenverfolgung einsetzt, werden Jakob Abraham Cohen und seine Frau Eva am 6. April 1943 in Westerbork interniert und am 20. April 1943 nach Sobibor deportiert. Vermutlich werden sie nach ihrer Ankunft ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Über das Schicksal der Kinder von Jakob Abraham Cohen können wir Folgendes berichten: Sein zweites Kind Abraham Jakob konnte zunächst in die Niederlande fliehen. Sein Sohn Henry erzählt, dass sein Vater auf der Flucht aus Aurich zwei Soldaten erschosssen habe, die sein Haus bewachten. Die Niederlande lehnten einen von Deutschland gestellten Auslieferungsantrag ab, da Abraham Jakob in Selbstverteidigung gehandelt hätte. Er musste aber die Niederlande verlassen und ging nach Italien zu seiner Mutter. Dort heiratet er am  7.11.1936. Als auch in Italien die Situation für die Juden unsicher wird, flieht er mit seiner Familie nach Equador und wählte Quito als neuen Lebensort.
Sein drittes Kind Moritz Moses Jacob erlernt den Beruf des Bäckergesellen. Er verlässt 1926 Aurich im Alter von 15 Jahren um drei Jahre in Köln zu leben und kehrt 1929 wieder zurück. Auch nach Aufenthalten in Assen und Berlin kehrt er immer wieder nach Aurich zurück. Im November 1933 verlässt er endgültig Aurich und zieht nach Den Haag in den Niederlanden. Dort lernt er seine Frau Ester Roffesa (*7.12.1912 Den Haag – 1943) kennen und heiratet sie. Ihre älteste Tochter Jettchen (benannt nach ihrer Großmutter) wird am 25.05.1939 noch in Den Haag geboren. Dann zieht die Familie nach Groningen um. Dort wird am 30.11.1942 ihre zweite Tochter Rika Jacoba geboren.

Als nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen die Judenverfolgung beginnt, wird Moses am 9.03.1943 in Westerbork interniert, seine Frau und 2 Kinder folgen am 6.04.1943. Am 13.04.1943 wird die gesamte Familie nach Sobibor deportiert und ermordet. Ein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Über das Schicksal des fünften Kindes, Wolff Wilhelm Cohen, konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen. Wir wissen nur aus einer Genealogie, dass er am 31.12.1943 in Australien verstarb.

Das sechste und jüngste Kind von Jakob Abraham Cohen, Josef Cohen, beginnt 1929 eine Schlosserlehre in Düsseldorf. Er arbeitet dann in verschiedenen Handlangertätigkeiten. 1937 wird er nach §175 zu 10 Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitet er zunächst in Hamburg auf der Köhlbrand Werft, dann als Heizer auf verschiedenen Elbdampfern. Im September 1939 wird er verhaftet, am 29.04.1941 wegen Gewaltverbrechen und Rassenschande zum Tode verurteilt und am 26.06.1941 hingerichtet.

Sein Fall ist ein Musterbeispiel für nationalsozialistische Willkürjustiz: Widersprüchliche Aussagen über den Tathergang der Notzucht wurden nicht berücksichtigt, in den Verhörprotokollen lässt sich eine Vorverurteilung des „Judenlümmels“ deutlich erkennen, Rechtsverordnungen wurden rückwirkend auf seinen Fall angewendet und die sofortige Vollstreckung des Todesurteils trotz bestehender Zweifel im Eilverfahren durchgesetzt.

Recherche und Eingabe: Hans Jürgen Westermayer  (Stand 27.01.2015)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Maria Deters
Verlegetermin: 9. November 2012

 

 

 

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