Betti Jakob Behrends geb. Samson

Veröffentlicht: 4. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

betti-jakob-behrens-stein-1Betti Jakob BEHRENS geb. Samson
geboren am 28. November 1908 in Aurich

 

 

 

Straße: Nürnburger Straße 24
Todesdatum: unbekannt (Deportation nach Warschau Ghetto am 31.03.1942
Todesort: unbekannt
 samson-betti-geb-28-11-1908-in-aurich Betti Jakob Behrens geb. Samson wird am 28. 11. 1908 in Aurich geboren. Ihre Eltern sind Jakob Hartog Samson und der Mutter Jenny Salomon „Minna“ Samson geb. Windmüller. Sie hat eine ältere Schwester Resi und einen jüngeren Bruder Hugo. Ihr Vater Jakob betreibt mit seinem Bruder Simon Hartog eine Schlachterei in der Marktstraße 19. In den Sommerferien arbeitet ihr Vater in der koscheren Fleischversorgung auf Norderney in der Winterstraße 5. Er stirbt 1934.

Betti und ihre später an Depressionen erkrankte Schwester Resi arbeiten als Haus- und Küchenhilfen an vielen Orten Deutschlands. In der Kennkarte von 1939 ist als Beruf vermerkt: Köchin und Diätköchin.

Betti arbeitet z. T. mehrfach in:

·         Berlin,
·         Emden,
·         Norderney, einmal als Hausangestellte dann als Köchin im Kindererholungsheim der Zions-Loge Hannover in der Benekestraße 44,
·         Ahlem Israelitische Gartenbauanstalt,
·         Groningen,
·         Esens.

Sie heiratet am 25.04.1940 Alfred Behrens aus Hoya. Alfred Behrens arbeitet im Altmaterialhandel seines Vaters Adolf in Hoya. Betti ist zweimal krank und liegt im Israelitischen Krankenhaus Hannover in der Ellernstraße 16.
Betti schreibt Anfang Oktober 1940, zum Zeitpunkt als ihre Schwester gerade in Brandenburg ermordet war, von dort an die Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück:
„Sehr geehrte Frau Oberin [Helmers] – ich liege hier im Krankenhaus doch bin ich auf dem Wege der Besserung daher schreibe ich mit Bleistift was Sie bitte Entschuldigen. Ich war schon einmal dort. Wie Sie vielleicht wissen, mußten wir Juden Aurich verlassen. Mein liebe Mutter ist in Hamburg Altersheim mein Bruder mit Frau sind im Ausland, ich bin hier in Hannover verheiratet. Nun möchte ich Sie geehrte Frau Oberin bitten es gehen so allerhand Gerüchte herum ist meine Schwester Resi Samson noch dort und wie geht es Resi falls Sie nicht mehr dort sein sollte bitte ich auch um Auskunft, Rückporto liegt bei“

[Antwort der Anstalt]
S.g. Frau Behrens!

Das Befinden Ihrer Schwester Resi Samson hat sich [..] gebessert. Sie ist oft unter dem Einfluß von […] und Wahnvorstellungen, […] abweisend und ganz unzugänglich und zu einer Beschäftigung nicht zu bewegen, […] wenn auch z.Zt. nicht krank. Sie ist mit anderen […] zusammen am 21. Sept. 1940 von hier nach Heil u Pflegeanstalt Wunstorf verlegt […] ist mir nicht bekannt […] ist die gemeinnützige Kranken-Transportgesellschaft m.b.H in Berlin W9 Potsdamerplatz 1 […] vielleicht fragen sie dort mal an […] Hochachtungsvoll, abgesandt 11. Okt. 1940.

Aus der Interpretation der Archiv-Dokumente wird deutlich: Betti hat das Schicksal ihrer Schwester nie erfahren. Denn ein Schreiben an die Gemeinnützigen Transportgesellschaft [Gekrat] würde bedeuten, geradezu die Mordgehilfen nach ihrer Tat zu fragen. Diese Pseudogesellschaft ist der verlängerte Arm der Aktion T4 – die Zentralverwaltung zur Ermordung alles sogen. lebensunwerten Lebens. Anfragen dieser Art wurden deshalb nach Chelm in Ost-Polen an ein Pseudo-Meldeamt weitergeschickt – und auch nicht beantwortet.
Bezeichnenderweise kann die Heilanstalt Osnabrück über Resi Samson nichts Konkretes schreiben, schon gar nicht warum sie denn, weil nicht krank, nach Wunstorf verlegt wurde. Aber im Antwortentwurf fügt die Frau Oberschwester Helmers dann überkorrekt aber überflüssig „Kranken-„ und „m.b.H.“ ein. Aus diesen und anderen hier nicht aufgeführten Zeichen sind Gewußthaben und mittelbare Täterschaft der Ärzte und Pfleger der Heilanstalt Osnabrück erkennbar.

Betti und ihr Mann Alfred wohnen in Hannover zuerst in der Celler Straße 152. Ihre Schwiegereltern und ihr Schwager müssen ebenfalls nach Hannover ziehen. Seit September 1941 leben sie in Judenhäusern. Am 14.12.1941 wird ein Kind geboren, welches aber drei Tage später stirbt. Nach dem 23.02.1942 wohnen sie im ehem. jüdischen Altenheim Ellernstraße 16, jetzt auch ein Judenhaus. Die Schwiegermutter Klara stirbt am 16.09.1941, der Schwiegervater

Adolf begeht vor der Deportation Selbstmord.

Ein paar Tage vor der Deportation werden alle Hannoveraner Juden in Ahlem, was nun als KZ fungiert, zusammengepfercht. Am 31.03.1942 werden alle in das Ghetto Warschau deportiert. Wahrscheinlich werden sie im Zuge der dort einsetzenden Ghettoräumung weiter nach Treblinka deportiert. Von Betti Behrens gibt es nach dem 31.03.1942 kein Lebenszeichen mehr.             

 

Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich,
Staatsarchiv Osnabrück,
Stadtarchiv Hannover,
Stadtarchiv Norderney,
Stadtarchiv Hoya.
Literatur:
Patenschaft: Kirchengemeinde Victorbur
Verlegetermin: 21. Februar 2013

 

 

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