Karl van Dyk

Veröffentlicht: 4. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

karl-van-dykKarl van DYK
geboren am 5. August 1894 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21
Todesdatum: 7. Februar 1945
Todesort: Riga
dyk-karl-van-geb-05-08-1894-in-aurich2010 Karl van Dyk kommt am 5. August 1894 in Aurich zur Welt. Er ist das einzige Kind von Abraham van Dyk und dessen Frau Mathilde, geb. Levy. Die Familie van Dyk stammte ursprünglich als den Niederlanden, doch bereits Karls Vater Abraham war in Aurich geboren worden. Abraham van Dyk ist Kaufmann und besitzt ein gut gehendes „Manufacturwaren- und Confectionsgeschäft“ in der damaligen Wilhelmsstraße, der heutigen Burgstraße. Die Familie ist streng gläubig und in der jüdischen Gemeinde in höchstem Maße angesehen: Karls Vater Abraham ist über achtunddreißig Jahre hinweg, bis zu seinem Tod 1934, erster Vorsteher der Gemeinde und im Laufe seiner Tätigkeit wird ihm zudem der Ehrentitel Chower verliehen. Die Verleihung des „Morenu-Titels“, die angesichts seiner Verdienste um die Gemeinde anlässlich seines 70. Geburtstags in Aussicht gestellt wird, lehnt er aus Bescheidenheit hat.

Karl sollte seinem Vater in vielfacher Hinsicht nachfolgen: Wie dieser wird auch Karl Kaufmann, er übernimmt die Leitung des Textilwarengeschäftes van Dyk von Abraham und führt den Betrieb zunächst erfolgreich fort: Die zahlreichen Angestellten und Hausmädchen, die auf der Einwohnermeldekarte der Familie vermerkt sind, zeugen von gut gehenden Geschäften. Auch in der Gemeinde engagiert sich Karl, der wie sein Vater strenggläubig ist. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Karl den Vorsitz des von Abraham gegründeten Talmud-Thora-Vereins und auch Karl gehört zu den Vorstehern der jüdischen Gemeinde. Insbesondere in seinem Wesen soll Karl Ähnlichkeit zu seinem Vater gehabt haben: So berichtet ein ehemaliger Nachbar, Karl und dessen Frau Erna seien sehr freundliche, stets hilfsbereite und höchst bescheidene Menschen gewesen – die Verlegung von Stolpersteinen, um an sie und ihr Leben zu erinnern, wäre ihnen möglicherweise gar nicht so recht.

Karl heiratet 1920 die aus Aurich stammende Erna Wolff. Das Paar bekommt drei Kinder: Am 9. Oktober 1921 wird der älteste Sohn, Abraham Alfred, geboren, am 24. Mai 1923 folgt Meno Lothar. Margrit, das Nesthäkchen, erblickt sechs Jahre später, am 5. Mai 1929, das Licht der Welt. Die kleine Familie wohnt zunächst in der Kirchstraße 7 in Aurich, am 1. August 1930 zieht Karl mit Frau und Kindern in die Wohnung über dem Geschäft in der Burgstraße 21 ein. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten erschwert mit der Zeit die ursprünglich gute finanzielle Situation der van Dyks – schon im Frühjahr 1933 gibt es Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte in Aurich. Ab 1936 sind auf der Meldekarte der van Dyks keine Haushaltshilfen mehr verzeichnet – dies lag sicherlich nicht allein an der Gesetzeslage, die eine Einstellung von nichtjüdischem Personal erschwerte, sondern vor allem an der schlechten Geschäftslage. Ein schwerer privater Schicksalsschlag trifft Karl zudem 1934, als sein Vater Abraham verstirbt.

Abraham Alfred, der älteste Sohn Karls, zieht bereits im Frühjahr 1936 für rund ein Jahr nach Frankfurt am Main, am 11. April 1937 emigriert er nach Winschoten in den Niederlanden. Er ist damit der erste der Familie, der Aurich verlässt, doch auch die übrigen Familienmitglieder bleiben nicht mehr lange in Ostfriesland: Am 27. Mai 1938 verkauft Karl das Geschäft, nachdem es zuvor noch einen Räumungsverkauf unter riesigem Andrang gegeben hatte. Karl, seine Frau Erna, seine Mutter Mathilde und die Kinder Meno Lothar und Margrit ziehen am 20. Juni 1938 nach Köln. In der Zeitschrift „Der Israelit“ erscheint am 23. Juni ein langer Artikel, der von der Abschiedsfeier berichtet, die die Gemeinde für die Familie ausgerichtet hat, und in dem der Verlust, der für die Gemeinde durch den Wegzug der van Dyks entstehe, beklagt wird.

Die Familie meldet sich ab in die Roonstraße 54 in Köln, doch scheint die Familie in Köln nicht oder nicht lange unter einem Dach gelebt zu haben: Karl und seine Tochter Margrit sind unter der Adresse Thieboldsgasse 93 gemeldet, Erna hingegen wohnt in der Rochusstraße 108. Meno Lothar gelingt es, noch rechtzeitig in die Niederlande zu emigrieren. Von dort aus flieht er gemeinsam mit seinem Bruder Abraham Alfred in die USA. Beide Söhne überleben. Karl, seine Frau Erna und seine Tochter Margrit hingegen werden am 7. Dezember 1941 gemeinsam von Köln nach Riga deportiert. Mehrere Jahre leben alle drei dort im Ghetto, bis sie im August 1944 ins Konzentrationslager Stutthof bei Danzig deportiert werden. Während Erna und Margrit dort bleiben, wird Karl bereits am 16. August 1944 weiter in Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Dort wird er am 7. Februar 1945 ermordet. Ein genaues Todesdatum kennen wir nicht.

  Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.12.2014)
Foto: Kennkarte, Staatsarchiv Aurich
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei;  Rep. 251, Nr. 1660;  Rep. 251, Nr. 374; Rep. 251, Nr. 449; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom  11.10.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_personen.htm (25-jähriges Amtsjubiläum von A. v. Dyk als Gemeindevorsteher 1920; Zum 70. Geburtstag von A. v. Dyk 1931); Zum Tod von A. v. Dyk 1934; Über die Verdienste des Gemeindevorstehers A. v. Dyk 1936; Anzeige des Manufaktur- und Konfektionswarengeschäftes A. v. Dyk 1889/1901), Zugriff vom 6.12.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_texte.htm (Rückgang der Gemeindemit-gliederzahlen), Zugriff vom 06.12.2013

Gespräch mit dem ehemaligen Nachbarn der Familie van Dyk, Fritz Schüt, am 9.9.2013

Literatur: Stolpersteineaurich.files.wordpress.com/2011/09/anklam-jc3bcdische-gemeinde-aurich.pdf

Gauger, Gerd D.: Aurich in Kaisers Rock und Petticoats 1918-1959, Aurich 2002.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Riga

http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/religioeses-leben-der-koelner-juden-im-ghetto-von-riga/

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Stutthof

http://www.buchenwald.de/463/

Patenschaft: Fritz-Werner Schüt
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

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