Mathilde van Dyk, geb. Levy

Veröffentlicht: 4. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

mathilde-van-dykMathilde van DYK  geb. Levy
geboren am 18. Juni 1864 in Altenkirchen

 

 

 

Straße: Burgstraße 21
Todesdatum: unbekannt
Todesort: Treblinka
Mathilde stammt aus Altenkirchen im Kreis Coburg. Sie ist die jüngste Tochter des Textilhändlers Hirsch Levy und dessen Frau Amalie, geborene Stern. Als Mathilde am 18. Juni 1864 geboren wird, sind ihre Geschwister Bernhard 14, Johanette 13 und Johanna 11 Jahre alt – Mathilde ist also mit deutlichem Abstand das „Nesthäkchen“ der Familie.Während ihre Geschwister Ehepartner in Altenkirchen oder den Nachbarorten finden, heiratet Mathilde Abraham van Dyk aus Aurich, der aus einer Kaufmannsfamilie stammt. Nach der Hochzeit in Altenkirchen siedelt Mathilde zu ihrem Ehemann ins ferne Ostfriesland über. Sie und Abraham leben im Haus in der Wilhelmstraße, wo ihr Mann ein „Manufacturwaren und Confectionsgeschäft“ betreibt. Im Jahr nach dem Tod ihres Vaters, 1894, bekommt Mathilde ihr erstes und einziges Kind, ihren Sohn Karl.

Das Geschäft von Abraham läuft gut, so dass er immer wieder nicht nur Mitarbeiter und Lehrlinge einstellt – wie die Anzeige aus der Zeitung „Der Israelit“ vom 8. Juli 1901 zeigt – sondern auch Haushaltshilfen beschäftigt, die Mathilde zur Hand gehen. Wahrscheinlich kümmert sich Mathilde jedoch nicht nur um den Haushalt, sondern unterstützt ihren Mann auch im Geschäft.

Die Familie genießt sehr großes Ansehen in Aurich und steigt zu einer der führenden Familien der Synagogengemeinde auf, was sicher auch damit zusammen hängt, dass die van Dyks sehr gläubig sind und großen Wert auf die Einhaltung religiöser Vorschriften und Sitten legen: Das Geschäft der van Dyks ist beispielsweise am Sabbat und an anderen Festtagen strengstens geschlossen. 1895 wird Abraham sogar Vorsteher der Synagogengemeinde. Dieses Amt hat der schließlich zeitlebens inne. Über die ganze Familie wird von Zeitzeugen, wie dem ehemaligen Nachbarn, Herrn Schüt, berichtet, dass diese sehr hilfsbereit und zugleich sehr bescheiden gewesen sei.

Nachdem ihr Mann 1934 verstirbt, lebt Mathilde weiterhin in der Wilhelmstraße 21, nun bei ihrem Sohn Karl, der das Geschäft von Abraham übernommen hat, und dessen Familie. Wie alle jüdischen Familien hat auch die Familie van Dyk unter den Repressalien der Nationalsozialisten zu leiden. Verhältnismäßig früh, bereits im Juni 1938, verlässt die ganze Familie Aurich und zieht nach Köln. Mathilde lebt in Köln jedoch nicht mit ihrem Sohn und dessen Familie zusammen, sondern sie ist an mehreren anderen Adressen gemeldet. Während ihr Sohn, dessen Frau und die jüngste Tochter bereits im Dezember 1941 von Köln aus deportiert werden, verbleibt Mathilde noch rund ein halbes Jahr länger in der Stadt. Wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag wird sie am 15. Juni 1942 nach Theresienstadt, in das sogenannte „Altersghetto“ deportiert – den Menschen wurde weisgemacht, sie kämen in ein „schönes Altenheim“, die Realität in dem völlig überbelegten Ghetto sah freilich gänzlich anders aus. Drei Monate später, am 19. September 1942, wird Mathilde in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. In Treblinka wurden in der Zeit von Juli 1942 bis August 1943 zwischen 700 000 und über 1 Millionen Menschen ermordet.

 Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans Jürgen Westermayer
(Stand 22.12.2014)
Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei;  Rep. 251, Nr. 1660;  Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, Zugriff vom  11.10.2013 http://ahnenreich.de/retrospect/juden/index.phpm=comments&id=I92193&PHPSESSID=0f0c5e37642f87fb9e6d55f2d5cdc15b, Zugriff vom 8.12.2013

http://www.alemannia-judaica.de/aurich_personen.htm (25-jähriges Amtsjubiläum von A. v. Dyk als Gemeindevorsteher 1920; Zum 70. Geburtstag von A. v. Dyk 1931); Zum Tod von A. . Dyk 1934; Über die Verdienste des Gemeindevorstehers A. v. Dyk 1936; Anzeige des Manufaktur- und Konfektionswarengeschäftes A. v. Dyk 1889/1901), Zugriff vom 6.12.2013

Literatur: Eckhard Hanke: Juden in Altenkirchen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Margret Stolze, Heinz Krämer, Eckhard Hanke: Juden in Altenkirchen – Geschichte – Erinnerungen – Schicksale. Evangelische Kirchengemeinde und Stadt Altenkirchen, Altenkirchen 2000.

Pädagogisches Zentrum des Landes Rheinland-Pfalz: Juden in Altenkirchen. Pädagogisches Zentrum des Landes Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach 1988, (PZ-Information 1988, Heft 5.

Blohm, Eberhard: Die jüdischen Familien aus den Gemeinden der Verbandsgemeinde Altenkirchen (Westerwald) 1933 bis 1945, Wölmersen 2008.

Patenschaft: Wolfgang Mönkemeier
Verlegetermin: 14. Dezember  2013

 

 

 

 

 

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