Abraham Alfred van Dyk

Veröffentlicht: 27. Dezember 2010 von westermayer in Verlegung

Abraham Alfred van DykAbraham Alfred van DYK
geboren am 9. Oktober 1921 in Aurich

 

 

 

Straße: Burgstraße 21 (ehem. Wilhelmstraße)
Todesdatum: 23. März 1913
Todesort: Philadelphia/Pennsylvania, USA
I. Die Vorfahren der Geschwister Abraham Alfred (*9.10.1921), Meno Lothar (*24.05.1923) und Margrit (*5.05.1929) van DykWir beginnen unseren Überblick zur Geschichte der Familie van Dyk   zunächst mit den Daten, die wir aus vier Generationen der Familie herausfinden konnten. 200 Jahre der Geschichte dieser Familie können wir so wenigstens ansatzweise überblicken:

Urgroßeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno Lothar und Margrit:

Gessel Aron van Dyk,
Geboren um 1811, gestorben Aurich 19.08. 1892

Verheiratet mit: Guterath Samuel Heymann

Geb. Aurich 29.07. 1824, gestorben Aurich 17.07. 1880

Zwei Kinder dieser Ehe sind relativ jung in Aurich gestorben:

a). Esther Gessel van Dyk, geb. Aurich 1857, gest. Aurich 1885
b). Aaron Gessel van Dyk, geb. Aurich 1859, gest. Aurich 1888
c). mit dem dritten Kind Abraham Gessel van Dyk: geht die Geschichte der Familie in Aurich weiter:
Großeltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:
Abraham Gessel VAN DYK,

Kaufmann, Vorsteher der jüdischen Gemeinde
Geboren Aurich 13.08.1861, Gestorben Aurich 12.11.1934

Für ihn gab es einen ausführlichen Nachruf, s. unten.
Verheiratet mit:
Mathilde Levy
Altenkirchen 18.06.1864,
deportiert nach Theresienstadt 16.06.1942, dort verschollen
deren Eltern: Hirsch und Amalie Levy, geb. Stern
gemeinsames Kind: Karl van Dyk, s. unten „Eltern“
Eltern der Geschwister Abraham-Alfred, Meno-Lothar und Margrit:

Karl van Dyk
Kaufmann, im Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich
Geboren Aurich 05. 08.1894, gestorben KZ Buchenwald 07.02.1945
Verheiratet mit
Erna Wolff
Geboren Aurich 04.03.1893, gest. KZ Stutthof   bei Danzig 18.12.1944
deren Eltern: Moses Levy Wolff und Frau Rosa Meyer, geb. Sternberg

 

Kinder von Karl und Erna van Dyk:
1). Abraham Alfred van Dyk, später genannt „Fred“
Geb. Aurich 09. 10. 1921, 1940 nach Amerika

2). Meno Lothar van Dyk
Geb. Aurich 21.05.1923, 1940 nach Amerika

3). Margrit van Dyk
Geb. 05.05.1929 in Aurich, gestorben 15.01.1945 im KZ Stutthof

Wir erforschen den Lebenslauf der Geschwister Margrit, Alfred und Meno Lothar van Dyk. Um etwas über ihre Familie lernen zu können, haben wir hier zuerst Informationen über die Großeltern und Eltern der Kinder gesammelt. Die Familie van Dyk war so sehr bekannt in Aurich, dass sie auch in plattdeutschen Theaterstücken, die in der jüdischen Gemeinde in Aurich spielen, vorkommt. Ein Beispiel ist das Stück: „Das verfrühte Schulerufen“ , das 1902 geschrieben wurde. (Quelle: Gertrud Reershemius).
Der Großvater Abraham van Dyk war ein sehr anerkannter Mann und hat sich große Verdienste als Gemeindevorsteher erworben. Auf eine Anfrage in der Kirchengemeinde, ob es noch Erinnerungsstücke in Victorbur an diese Familie gibt, erhielten wir einen Kleiderbügel mit der Aufschrift „A. van Dyk“ und den Hinweis auf eine Stellenanzeige aus einer alten Zeitung, aus der hervorgeht, dass Abraham van Dyk seinen Glauben sehr ernst nahm und sein Geschäft am Sabbath und an jüdischen Festtagen immer geschlossen hielt. 1931 wurde mit einer großen Feier sein 70. Geburtstag begangen. 1934 ist Abraham van Dyk verstorben. Wir fanden es interessant, dass zwei Jahre später in einem Extra-Artikel noch auf seine Verdienste hingewiesen wurden, da sie in einem Bericht über die jüdische Gemeinde nicht ausreichend erwähnt worden waren. (Artikel über Großvater van Dyk s.u. Anhang 1)

II. Die Familie van Dyk muss Aurich verlassen

In einem Artikel aus der Zeitung „Der Israelit“   vom 23. Juni 1938 (s. u. Anhang 2) ist zu lesen, wie schmerzhaft der Abschied von Aurich und der jüdischen Gemeinde für die Familie van Dyk und die verbleibenden Gemeindeglieder war.

Ein Blick in die frühere Wilhelmstraße in Aurich; rechts in der Mitte befand sich das Textilgeschäft van Dyk (heute „H & M“). Von hier wurde die Familie van Dyk durch massiven Terror vertrieben.

Die letzten Wohnsitze der Familie waren in Köln nachweisbar, die Karten der zuständigen Einwohnermeldeämter haben wir im Staatsarchiv in Aurich gesehen. Wir haben gelernt, dass die jüdischen Mitbürger mit immer stärker werdender Gewalt und massivem Terror zunächst gezwungen wurde, Aurich zu verlassen. Nicht einmal zusammen durften die Eltern van Dyk mit ihrer Tochter Margrit an ihrem letzten Wohnsitz Köln wohnen, Tochter und Vater mussten in eine Wohnung ziehen, die Mutter in eine andere. Es waren sehr beengte Verhältnisse und immer mehr Leute mussten auf engem Raum zusammen unter den schlechtesten Verhältnissen leben.
Von Köln aus wurden die Eltern und die Tochter verschleppt nach Riga, kamen dann nach Buchenwald bzw. Stutthof bei Danzig in ein Konzentrationslager, wo sie schließlich umgebracht wurden. In einem offiziellen Gedenkbuch und in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wird die Erinnerung an dieses schreckliche Ende von Eltern und Tochter aufbewahrt. Der Vater Karl van Dyk (*05.08.1894 in Aurich, +07.02.1945 in Buchenwald) wurde mit letzter Anschrift in Köln Thieboldsgasse 93 geführt, bevor er mit Frau und Kind am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Er gehörte zu denen, die von Riga im Sommer 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig verlegt wurden, von wo er am 16.08.1944 ins KZ Buchenwald kam. Vom 21.08.1944 datiert sein letztes Lebenszeichen.
Seine Frau Erna van Dyk geb. Wolff (*04.03.1893, +18.12.1944 in Stutthof) musste in Köln von ihm getrennt in der Rochusstrasse 108 leben, ehe sie mit dem gleichen Transport wie ihr Mann am 07.12.1941 nach Riga deportiert wurde. Auch sie wurde noch ins KZ Stutthof verlegt, wo sie am 09.08.1944 registriert wurde.
Die gemeinsame Tochter Margrit van Dyk (*05.05.1929 in Aurich, +15.01.1945 in Stutthof) lebte vor der Deportation mit dem Vater in Köln, Thieboldsgasse 93. Sie wurde mit ihren Eltern am 07.12.1941 nach Riga deportiert, von dort ins KZ Stutthof, wo sie wie ihre Mutter am 09.08.1944 registriert wurde. Hier fanden sie den Tod. (Quelle: Gedenkbuch und Unterlagen aus YadVashem)

III. Die Flucht der Brüder van Dyk nach Amerika

Als nächsten Schritt versuchen wir, die Übersiedlung der beiden überlebenden Brüder van Dyk zu dokumentieren. Hierfür erhielten wir folgende Dokumente von der Einwanderungsbehörde der USA. Dazu erfuhren wir, dass die Menschen, die vor dem Nazi-Terror in die USA flüchten wollten, nicht einfach so einreisen konnten, sondern einen Bürgen brauchten, der für sie aufkam und sich die Kosten, die die Einwanderer verursachen könnten, übernehmen würde. Folgende Grund-Kosten wurden uns im Falle der Brüder van Dyk genannt:

Steamship Passage (approximate)………….$350.00

Embarkation Fee…………………………………….19.50

U.S. Head Tax………………….. ……….8.00

Maintenance at Lisbon (10 days average)…….10.00

Board money on ship………………………10.00

Rail fare Spanish Border to Lisbon……….. 42.00

Cable Charge……………………………..2.50

Balance to apply to possible additional cable..8.00

Somit mussten zunächst 450 Dollar für jeden Bruder eingezahlt werden. Folgende Einträge gibt es im Einwanderungsregister der USA:

Name: Meno L Van Dyk
Arrival: 17 April 1940
Emigration Location: Germany
Birth Location: Aurich
Age: 16
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friend’s Name: H Gleuck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Rotterdam
Occpation: Confectioner
Name Abraham Alfred Van Dijk
Arrival: 17 April 1940
Birth Location: Aurich
Age: 18
Gender: Male
Nationality: Hebrew
Friends Name: H. Glueck
Port of Departure: Rotterdam
Port of Arrival: New York, New York
Ship Name: Volerdam
Last Permanent Address: Winschoten
Occupation: Tailor

Quelle: Lorinda Mann, Salt Lake City/USA

 

Soweit wir ermitteln konnten, lebten die Brüder van Dyk dann zuerst im Bundesstaat Pennsylvania. Dort erhielten sie ihre Sozialversicherungsnummer (social security). Anhand dieser Nummer werden sich dann Einzelheiten aus dem Leben wieder finden lassen.

Meno Lothar van Dyk nahm am 1. März 1943 seinen Dienst in der US-Armee auf und verließ die Armee am 13. November 1947. Gewohnt hat er zuletzt in Camden New Jersey, wo er am 24. Juni 1996 starb. Über seine Familie wissen wir noch nicht viel.

Abraham Alfred van Dyk nannte sich in den USA Fred und ist leider in diesem Jahr verstorben. Auch er ist im Militärdienst der US-Armee gewesen, dazu fehlen im Moment noch die Daten. Er lebte in Philadelphia/Pennsylvania zusammen mit seinem Freund William Brodsky, der ebenfalls aus einer alten jüdischen Familie stammte. Seine Familie war aber schon viel eher nach Amerika gekommen. Es war eine russisch-jüdische Familie, die vor über 100 Jahren in Russland sehr verfolgt wurde. Die Vorfahren von William, Brodsky gründeten 1883 die erste landwirtschaftlich ausgerichtete jüdische Siedlung im US-Bundesstaat New York.

Quelle: Persky/Perski/Perskie, (Yocheved Persky Branch), Home Page von

Jana Lynne Perskie

Wir fanden eine Todesanzeige für einen Fred van Dyk, der nach unserer Meinung mit unserem Auricher Abraham-Alfred van Dyk identisch ist, in der von einer Schwägerin Elisabeth van Dyk sowie von Neffen und Nichten die Rede ist. Danach war sein Bruder Meno verheiratet und seine Witwe lebt noch. Hier arbeiten wir noch daran, nähere Informationen zu bekommen.

Fred van Dyk (wenn es der „Richtige“ ist, wie wir vermuten) starb am 23. März 2013 und wir haben ein Kondolenzbuch im Internet gefunden. Wir könnten überlegen, ob wir uns dort zur Verlegung des Stolpersteins eintragen. Das jüdische Beerdigungsinstitut „Joseph Levine & Son. Inc.“ hält die Seite noch bis zum 25. März 2014 vor.

FRED VAN DYK

This Guest Book will remain online until 3/25/2014 courtesy of Joseph Levine & Son, Inc..

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Recherche: Moritz Lerf, Laura Lindena, Jana Warnke

Jürgen Hoogstraat

Hauptkonfirmandengruppe Neu-Ekels
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand: 5.09.2013)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Gedenkbuch Bundesarchiv
Yad Vashem
Literatur:
Patenschaft: Wolfgang Mönkemeier
Verlegetermin: 14. Dezember 2013

Anhang 1

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 27. August 1931

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 29. November 1934: „Aurich, 19. November (1934).

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. Dezember 1936

Stellenanzeige für einen Lehrling für die Firma van Dyk in Aurich in der Provinz Hannover.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang 2

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 23. Juni 1938
Quelle: Alle Zeitungsartikel stammen aus der Sammlung judaica alemanica im Internet.

 

 

 

 

 

 

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