Lutz Wollfs

Veröffentlicht: 8. Dezember 1914 von westermayer in Verlegung

Wolffs, Lazarus LutzLutz WOLFFS
geboren am 16. Juni 1917 in Aurich

Straße: Lindenstr. 12
Todesdatum: 15. Januar 1944
Todesort: Auschwitz
Lazarus, genannt Lutz Wolffs ist der Sohn des Viehhändlers Heimann Wolffs und dessen Ehefrau Rosa, geb. Stahl. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Wolff wird er am 16. Juni 1917 in Aurich geboren.

Neben seinem Zwillingsbruder hat er drei weitere Geschwister: Julius, der schon als Säugling verstirbt, Otto und Guste Margrit. Die Geschwister wachsen behütet und unter zunächst guten wirtschaftlichen Bedingungen in Aurich auf, der Betrieb des Vaters floriert. Wie sein Bruder Wolff besucht auch Lutz nach der Grundschule das Gymnasium Ulricianum, doch verlässt er die Schule bereits 1930 wieder.

Lutz absolviert eine Ausbildung als Dekorateur bei der Firma Sternberg in Aurich, ab 1. Dezember 1937 arbeitet er als Dekorateur in Emden. Da er plant, nach Israel auszuwandern, verlässt er Ostfriesland und meldet sich in einem Lehrgut in der Nähe von Berlin an: Hier werden junge Leute, die auswandern wollen, in landwirtschaftlichen Tätigkeiten geschult und auf die Auswanderung vorbereitet.
Am 9. November 1938, der Pogromnacht, wird Lutz verhaftet und kommt ins KZ Sachsenhausen. Einige Wochen später wird er wieder freigelassen, nachdem er schriftlich zugesichert hat, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen.

Am 7. Januar 1939 kann Lutz nach Aurich zurückkehren, zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod seines Vaters: Auch dieser war verhaftet und im Konzentrationslager Buchenwald interniert worden. Infolge der Misshandlungen verstarb Heimann Wolffs Tage nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft.

Lutz wird seiner Mutter in diesen ersten Wochen nach dem Tod des Ehemannes beigestanden haben, doch musste er auch seine Auflagen erfüllen: Ende April verlässt Lutz schließlich Aurich und emigriert in die Niederlande. Er zieht nach Enschede, wo sein Zwillingsbruder lebt.

Ende 1942 werden jedoch beide Brüder verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von dort aus werden beide am 14. September 1943 nach Auschwitz deportiert. Offensichtlich musste Lutz zunächst einige Wochen Zwangsarbeit im Arbeitslager Auschwitz-Monowitz leisten. Am 15. Januar 1944 wird er jedoch im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Lutz Wolffs wurde 26 Jahre alt. Er überlebte seinen Zwillingsbruder nur um 5 Wochen.

Recherche: Sandra Weferling
Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 17.07.2017)

Foto:
Opfergruppe: Juden
Quellen: Staatsarchiv Aurich: Meldekartei; Rep. 248, Nr. 943; Rep. 248, Nr. 947; Rep. 16/1, Nr. 4155; Rep. 107, Nr. 1874; Rep. 107, Nr. 2676

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html, 05.03.2014

Telefongespräch mit Bettina Schönfeld, Tochter von Otto und Enkeltochter von Heimann Wolffs, am 03. Juli 2014

Telefongespräch mit Margaret Silbermann, Tochter von Heimann Wolffs, am 27. Juni 2014

Literatur: Gerald Fiene: Das Ulricianum im Zeichen von Nationalsozialimus und Krieg, in: 350 Jahre Ulricianum. Festschrift. Gymnasium Ulricianum Aurich 1646-1996, hrsg. v. Gymnasium Ulricianum, Aurich 1996, S. 112-136
Patenschaft: Gymnasium Ulricianum Aurich, Fachgruppe Geschichte
Verlegetermin: 17. Juli 2014
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