Hannelore Hillmann geb. Wolff

Veröffentlicht: 17. April 2010 von westermayer in Verlegung

Hannelore Wolff - SteinHannelore/Laura HILLMAN, geb. Wolff
geboren am 16. Oktober 1923 in Aurich

 

 

 

Straße: Leerer Landstraße 18
Todesdatum: überlebt
 
 

Wolff, Hannelore, geb. 16.10.1923 in Aurich (1)

 

 

 

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Hannelore Wolff ist das dritte Kind von Karoline (*1897) und Martin Wolff (1894-1942). Sie wird am 16. Oktober  1923 in Aurich geboren.

Ihr Vater arbeitet als Schlachter und Viehhändler im Betrieb seines Vaters Wolff Abraham Wolff (1858-1926) und führt nach dessen Tod den Betrieb weiter.

Hannelore wächst mit ihren Geschwistern Roesel, Hildegard, Wolfgang und Selly in der Leerer Landstraße 18 auf. Dort steht im Garten der Fliederbaum, an den sie sich später unter den unmenschlichen Lagerbedingungen so gern erinnert und der den Titel zu ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ gibt. Ihr späterer Mann verspricht ihr im KZ, dass er für sie einmal einen solchen Fliederbusch pflanzen wird.
Hannelore bleibt bis zur Ausweisung aus Aurich im Februar 1940 mit kurzen Unterbrechungen (s. Meldekarte: 30.1.-21.3.39 Hamburg, 7.6.39 Neuenburg) bei ihren Eltern, wohnt also in Sandhorst beim Gut Eschen und später in der Marktstraße 4.
Die Schrecken der Reichspogromnacht erlebt Hannelore als 15-jährige und schreibt später die traumatischen Erlebnisse dieser Nacht nieder (Gedicht „Die Nacht, in der sie unsere Synagoge verbrannten“).
Als die Familie Wolff 1940 Aurich verlassen muss, schicken die Eltern Hannelore nach Berlin. Sie macht dort in „Dr. Frenkels Internat für jüdische Mädchen“ (Wangenheimstraße 36) eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Als ihre Mutter in Weimar den Deportationsbefehl erhält, fährt sie zu ihr. Von dort wird Hannelore am 10. Mai 1942 mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern Wolfgang und Selly nach Lublin  deportiert.  Hannelore kann sich vor der mit Erschießungen begleiteten Räumung des Ghettos verstecken und wird in das KZ Belzyce deportiert. Sie durchläuft in den folgenden drei Jahre sechs weitere Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz-Birkenau und erleidet unbeschreibliche körperliche und psychische Qualen. In ihrem Buch „I will plant you a lilac tree“ schildert sie in einfacher, nüchterner Sprache sehr eindrucksvoll das Elend, die Entbehrungen, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit des Lagerlebens – aber auch die Momente des Glücks, wenn sie gute Freundinnen findet oder die Liebe zu ihrem späteren Mann Dick Hillman, einem jüdischen polnischen Kriegsgefangenen.
Hannelore hat das Glück, dass sie als Nr. 287 auf Schindlers Liste gesetzt wird. So kommt sie – wie auch ihr Dick Hillman mit den „Schindler Leuten“ nach Tschechien in das KZ Brünnlitz, das am 8. Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit wird.
Hannelore heiratet am 22.10.1945 Bernhard (Dick) Hillman (*5.05.1914- 1986). Sie beschließen in die USA auszuwandern und irren aber noch zwei Jahre als „displaced persons“ in Deutschland umher. Aus Bremerhaven kommend treffen sie am 4.01.1947 in New York ein. Das Ehepaar wohnt in Los Alamitos in der Nähe von Los Angeles, Kalifornien, hat eine  Sohn  und zwei Enkelkinder.
Im Juli 2004 überwindet sich Hannelore/Laura Hillman, ihrer Geburtsstadt Aurich gemeinsam  mit ihrem Enkelsohn Aryed und einer Nichte einen Besuch abzustatten. Sie will ihnen unbedingt zeigen, wo sie herkommt, damit sie ihre Geschichte verstehen können. Die Menschen, denen sie in Aurich begegnet, erleben sie als freundliche, liebenswürdige und liebenswerte Persönlichkeit.

Im Jahr 2005 erscheint ihr Buch „I will plant you a lilac  tree“. In Gedichtform und hier auch in Prosa versucht Hannelore ihre Erinnerungen für sich zu verarbeiten und weiterzugeben. Dies fällt ihr nicht leicht. Nach den Erinnerungen plagen Sie regelmäßig Alpträume und sie versucht dann durch Spaziergänge am Meer wieder ihr Gleichgewicht zu finden. Auch im Verlauf der Korrespondenz zur Verlegung der Stolpersteine schreibt sie „Going back to that time is not a good idea. It evokes nightmares I can’t afford to have. Hope you understand.“

Hannelores Mutter Karoline wurde nach der Deportation nach Lodz (10.05.1942) in Belzyce ermordet. Ihr Vater Martin wurde verhaftet, da er als Jude unerlaubterweise mit dem Fahrrad fuhr, zunächst in Buchenwald inhaftiert und am 12. März 1942 in der „Tötungsanstalt“ Bernburg ermordet. Ihre Brüder Wolfgang und Selly wurden im KZ Majdanek bzw. im KZ Budzyn ermordet.
Ihre Schwester Roesel konnte 1939 nach England auswandern, ihrer Schwester Hildegard gelang 1940 die Flucht nach Palästina.Recherche und Eingabe: Hans-Jürgen Westermayer
(Stand 21.03.2013)
Foto:

 

 

– Hannelore Hillman, geb. Wolff (1939)
– Hannelore und Dick Hillman (1945)
– Laura Hillman (2004)
Opfergruppe: Juden
Quellen:
Literatur:
Patenschaft: Margarete Trapp
Verlegetermin: 21. Februar 2013

Hannelore Wolff 16J.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lilac Tree 3, S. 243OMA Artikel 4-2005 S. 48OMA Artikel 4-2005 S. 49OMA Artikel 4-2005 S. 51

OMA Artikel 4-2005 nur Foto

 

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.